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CDU-Auftritt in Stuttgart

Laschet und Merz läuten in Stuttgart den Endspurt des CDU-Wahlkampfs ein

Der Wahlkampf kommt in den Endspurt. Kurzfristig hatte nun Unionskanzlerkandidat Armin Laschet zusammen mit Friedrich Merz einen Termin in Stuttgart. Gemeinsam stellten sie die Schwerpunkte ihres Wirtschafts- und Finanzprogramms vor. Die CDU sieht sich zudem beflügelt durch bessere Umfragewerte. 

Gemeinsamer Auftritt in Stuttgart: Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (rechts) und Friedrich Merz, Mitglied seines sogenannten Zukunftsteams, sprechen sich gegen Steuererhöhungen aus. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Es ist ein Politereignis mit ganz wenig Vorlauf – und dauert nur knappe 45 Minuten. Dann bricht die Wagenkolonne von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet nach der Pressekonferenz in Stuttgart wieder auf.

Doch es geht nicht gleich zurück zum Stuttgarter Flughafen. Es reicht noch für einen kurzen Besuch ohne Presse zusammen mit Friedrich Merz bei der Klausur der CDU-Landtagsfraktion. Dann geht es für den Kanzlerkandidaten nach Berlin, am Abend folgt noch ein Wahlkampfauftritt in Lübeck.

Erst am Vortag wird der Auftritt von Armin Laschet und Friedrich Merz in der prächtigen Zentrale des Arbeitgeberverbands Südwestmetall unweit des Stuttgarter Hauptbahnhofs organisatorisch festgeklopft und kommuniziert – was auch die Mitarbeiter der Südwestmetallzentrale erstaunt, die den Auftritt als Zaungäste verfolgen.

Für die Landeshauptstadt ist damit das Kanzlerkandidatentrio innerhalb von drei Tagen voll geworden. Am Montag traf sich Olaf Scholz (SPD) unter anderem mit Betriebs- und Personalräten, am Dienstag trat Annalena Baerbock (Grüne) in der Stuttgarter Innenstadt auf.

Überraschte Parteiprominenz

Für die Parteiprominenz der CDU kommt der Termin ebenfalls überraschend, es fehlt der sonst übliche Tross aus wichtigen Funktionären. So rücken unverhofft die beiden Stuttgarter Wahlkreiskandidaten Stefan Kaufmann und Maximilian Mörseburg ins Licht der zahlreichen Fernsehkameras.

Dem NRW-Ministerpräsidenten muss der Ort bekannt vorkommen. Im Juli trat Laschet hier schon einmal als Redner auf bei einer Mitgliederversammlung von Südwestmetall, bei der er gut ankam, wie ein Veranstaltungsteilnehmer berichtet. Angesichts der Flutkatastrophe auch in seinem Bundesland musste Laschet damals seinen Besuch abbrechen. Danach kamen seine Auftritte in den Krisengebieten. Es folgte das Lachen bei einem Besuch zusammen mit dem Bundespräsidenten im Flutgebiet, das ihm bis heute nachhängt.

CDU betont Richtungsentscheidung

Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Wirtschafts- und Finanzprogramms mit Merz, dem einstigen Konkurrenten um den Parteivorsitz und jetzigen Mitglied des Zukunftsteams von Laschet, geht es nicht um Neuigkeiten, das räumen beide unumwunden ein.

Was sie in Stuttgart vorstellen, steht auch so im verabschiedeten Wahlprogramm der Union. „Zehn Tage vor der Wahl erfindet man nicht viel Neues“, sagt Laschet auf eine entsprechende Journalistenfrage. Schon nach wenigen Minuten ist klar, worum es den Wahlkampfstrategen der CDU geht. Es geht ums Zeichensetzen im zentralen Feld der Wirtschafts- und Finanzpolitik angesichts einer offenbar stattfindenden Bewegung in den Meinungsumfragen.

Diese geben der in den vergangenen Wochen von Umfragen förmlich verprügelten CDU Anlass für vorsichtige Hoffnung. „Die Stimmung auf den Straßen ist besser als in den Umfragen“, sagt der Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann, der 2016 den Wahlkreis Stuttgart direkt gewann und der wie viele Wahlkreiskandidaten der Union ums politische Überleben kämpft. Aber: „Es gibt natürlich weiter unseren Stammwähler, der hadert“, sagt er unserer Redaktion. Laschet wie Merz sehen aber Bewegung, dieses Mal im Sinne der CDU.

Attacken auf den Gegner

Mit dem Kurzzeitauftritt geht es darum, der eigenen Klientel die „Richtungsentscheidung“ bewusst zu machen, die Unentschlossenen sind im Visier. Auch jene einstigen Laschet-Skeptiker in der eigenen Anhängerschaft, die angesichts des so empfundenden Laschet-Bashings vor allem in den sozialen Netzwerken die eigenen Reihen wieder schließen könnten.

Das entworfene Bild am Mittwochmorgen in Stuttgart ist klar: Rot-Grün ist der unsichere Kantonist im Unions-Wahlkampfgemälde. „In wenigen Tagen geht es um eine Richtungsentscheidung. Friedrich Merz und ich haben gesagt, dass wir die Initiativkräfte in unserer Wirtschaft wecken wollen“, betont der Kanzlerkandidat. Es folgt die Attacke: „Frau Baerbock sagt, Verbote sind Innovationstreiber“. Dieser Ansicht sei man nicht, denn kreative Köpfe hätten das Land vorangebracht, nicht Verbote. Und weiter: „Die Programme von SPD und Grünen sind sehr ähnlich in ihrer Staatsgläubigkeit“.

Friedrich Merz ergänzt. „Wir wollen ein Belastungsmoratorium für den Bürger. Diese Zitrone ist ausgepresst. Wer jetzt noch mal Steuern erhöhen will, würgt alles ab.“ Erkennbar ist auch die optische Botschaft, die die CDU an diesem Tag im Südwesten platzieren will, wo Merz bei den Personalentscheidungen der vergangenen Jahre in der Union glühende Anhänger hatte. Zwischen Merz und Laschet passt inhaltlich in diesen 45 Minuten nicht mal mehr das sprichwörtliche Blatt Papier.

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