Kyriakos Mitsotakis
Der Wahlsieger: Kyriakos Mitsotakis, Präsident der konservativen bisherigen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND). | Foto: Thanassis Stavrakis/AP

Kommentar

Neue Chancen für Griechenland

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Es muss bitter sein für Alexis Tsipras. Aber wirklich überraschend ist es nicht, dass die meisten Griechen dem streitbaren Sozialisten das Vertrauen entzogen haben, der heute als der große Verlierer da steht. Mit der Amtseinführung von Kyriakos Mitsotakis führt seit der Wahl ein moderater Konservativer Griechenland auf dem Weg zur vollständigen wirtschaftlichen und sozialen Erholung.

Und so wie Tsipras der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt gewesen ist, um vor vier Jahren einen finanzpolitischen Dominoeffekt in der EU durch den drohenden Kollaps des südlichen Mitgliedslandes zu verhindern, hat auch Mitsotakis jetzt gute Chancen, als ein Weichensteller für Stabilität in die Chronik der langen griechischen Staatskrise einzugehen.

Tsipras und seine linke Syriza haben eine gute Vorarbeit geleistet. Sie hatten Anfang 2015 das Land am Rand des Staatsbankrotts und in einer schier aussichtslosen Lage übernommen. Die riskante Kehrtwende ist dank der Hilfsprogramme von ausländischen Geldgebern größtenteils geglückt. Dass die Regierung zuletzt mit einem Wachstum von 2,9 Prozent in diesem Jahr gerechnet hat, dient als Anlass für einen vorsichtigen Optimismus. Doch das Land muss noch sehr viel aufholen, und sich von zahlreichen sozialen Rückschlägen erholen. Denn die Systemreformen haben den Griechen auch gewaltige persönliche Opfer abverlangt.

Die Nea Dimokratia (ND) hat das Regierungsmandat bekommen, weil sie die Menschen mit den versprochenen Steuersenkungen, stärkerer Familienförderung, Investitionen, gut bezahlten Jobs und politischen Reformen gelockt hat. Sie muss nun den Spagat schaffen, zumindest einige dieser Versprechen zu erfüllen, ohne dabei den schmalen Pfad der Reformen zu verlassen. Vermutlich wird ND dafür eine Amtszeit nicht ausreichen.

Bis der Wirtschaftsaufschwung an den Rändern der griechischen Gesellschaft ankommt, dürften Jahre vergehen. Mitsotakis kann sich sicher sein, dass Tsipras in der Opposition nur darauf warten wird, dass sein Nachfolger Fehler macht, um eines Tages zurückzukehren.