Russlands Führung setzt bei der Landesverteidigung verstärkt auf modernste Raketentechnologien. Foto: dpa

Raketenunfall bei Sewerodwinsk

Rätselraten um Russlands „Skyfall“

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Der dichte Schleier der Geheimhaltung um den tödlichen Unfall bei einem militärischen Testversuch in Russland am vergangenen Donnerstag beginnt sich zu heben.

Nach US-Angaben handelt es sich bei dem Waffentest in der nordrussischen Stadt Sewerodwinsk um den neuesten Marschflugkörper des Typs SSC-X-9 „Skyfall“, der von einem Atomreaktor angetrieben wird.

Russlands Wetterdienst Rosgidromet räumte am Dienstag ein, dass die radioaktive Strahlung am Unglücksort zeitweise bis zu 16-fach über dem natürlichen Niveau gelegen hatte. Bei der Explosion nahe der Stadt am Weißen Meer waren sieben Menschen gestorben.

„Es ist ein Riesenvorteil, solch eine Waffe zu besitzen. Ihre Macht ist gewaltig, ihre Geschwindigkeit macht sie uneinholbar für heutige Luftabwehrsysteme“: So pries der russische Präsident Wladimir Putin im März in seiner Rede an die Nation die neueste Rakete „Skyfall“ an, die in Russland den Namen „Burewestnik“ (Sturmvogel) trägt.

Laut den Medienberichten soll sie eine globale Reichweite haben und bei Bedarf einen Atomsprengkopf tragen können. Die Regierungszeitung „Rossijskaja Gazeta“ bezeichnete den Sturmvogel im Juli als eine „Vergeltungswaffe“, die den Feind „in die Steinzeit zurückwerfen“ werde.

Dass die vom Kreml gepriesene Wunderwaffe allerdings noch lange nicht einsatzbereit ist, enthüllte nun ausgerechnet US-Präsident Donald Trump. Dieser twitterte am Montagabend, dass es eine russische „Skyfall“-Explosion gewesen sei, die bei den Menschen vor Ort „Ängste um die Luft“(-Qualität) ausgelöst habe. „Uns steht eine ähnliche, fortschrittlichere Technologie zur Verfügung“, behauptete Trump. In Moskau gab es dazu am Dienstag offiziell keinen Kommentar.

Ein Kremlsprecher hatte nach dem Unfall versichert, dass alle Behörden die Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet hätten. Das bezweifeln jedoch unabhängige Quellen, die der Regierung eine Vertuschung der Katastrophe vorwerfen. Nach Angaben des Portals Rosbalt wurde das Krankenhaus, in dem die Opfer der Explosion behandelt wurden, teils geschlossen und versiegelt. Die Mediziner seien auf Geheimhaltung hingewiesen worden.