Crashtest
Crash-Test mit Radfahrer-Dummy: Unfälle mit schweren Lkw haben oft dramatische Folgen. | Foto: Guido Kirchner

Kommentar

Risikofaktor Radverkehr

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Die Zahl der getöteten Radfahrer im deutschen Straßenverkehr hat in den ersten fünf Monaten 2019 ein Rekordhoch seit 2010 erreicht. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum stieg sie sogar um 11,3 Prozent.

Diese Erkenntnisse sind alarmierend, zumal hinter jedem einzelnen Fall unvorstellbare menschliche Tragödien stehen. Doch man muss die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in einen weiteren Kontext stellen, um die Dimension des Problems auf der Straße besser zu verstehen.

Es ist anzunehmen, dass die anhaltende Debatte um die Klima-Auswirkungen von Verbrennungsmotoren nicht folgenlos bleibt. Mehr Menschen lassen ihre Autos zuhause stehen und fahren Rad – damit begeben sich natürlich auch mehr Menschen in besondere Gefahrenlagen im Straßenverkehr.

Dass man sich auf zwei Rädern vor allem in den Großstädten weniger sicher fühlt als auf vier, hat natürlich etwas mit politischen Prioritäten zu tun. Genauer gesagt, mit einigen viel zu lange vernachlässigten Lücken in Gesetzen und Regelungen, die im Autoland Deutschland bislang dem Primärziel der schnellen Mobilität auf der Straße untergeordnet wurden.

Dass es zum Beispiel nicht längst eine Pflicht für Abbiegeassistenten in allen LKW gibt, ist ein Armutszeugnis für deutsche wie für die europäische Politik. Immerhin hat Bundesverkehrsminister Scheuer jetzt Änderungen der Straßenverkehrs-Ordnung im Blick, die Radfahrer bald schützen könnten.

Sinnvoll sind vor allem Schrittgeschwindigkeit für abbiegende Laster, ein größerer Überholabstand zu Radfahrern und ein Halteverbot auf Schutzstreifen. Die vom ADFC geforderte Ausweitung der Tempo-30-Zonen als Regelgeschwindigkeit dürfte dagegen über das Ziel hinausschießen – sie birgt das Risiko von Dauerstaus und noch größerer Luftbelastung in den Städten.

Das befreit die Kommunen jedoch nicht von der Pflicht, generell mehr zu tun, um den Verkehr fahrradfreundlicher zu gestalten. Dazu braucht es nicht unbedingt Gesetzesinitiativen auf nationaler oder EU-Ebene. Länder wie Dänemark, die Niederlande oder auch Großbritannien sind Deutschland da weit voraus.

Schließlich muss hier an die Pflicht der Radfahrer erinnert werden, sich an die Verkehrsregeln zu halten. Vielerorts bringen sie sich selbst und andere durch rücksichtsloses Fahren in Lebensgefahr.