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Vorstandsbeschluss

Schaeffler-Standort Bühl erhält Vorzug vor Ungarn

Die Vorstandsbeschlüsse des Schaeffler-Konzerns haben erhebliche Auswirkungen auf den Standort Bühl. Das Kompetenzzentrum für E-Mobilität soll ausgebaut werden. 500 Arbeitsplätze, die in Ungarn geplant waren, sollen in Bühl geschaffen werden. Gleichzeitig sind offensichtlich andere Arbeitsplätze bedroht.

Die detaillierten Auswirkungen des Vorstandsbeschlusses für den Schaeffler-Standort in Bühl sind noch unklar. In jedem Fall soll Bühl als Kompetenzzentrum ausgebaut werden. Foto: Ulrich Coenen

Der Automobilzulieferer Schaeffler will in Europa 4.400 weitere Stellen abbauen. Betroffen sind davon zwölf deutsche Standorte, neben der Zentrale in Herzogenaurach unter anderem auch Bühl. Gleichzeitig plant Schaeffler die Sparte Automotive OEM in Bühl als Kompetenzzentrum für E-Mobilität und die Serienfertigung von Elektromotoren auszubauen. Das ist nach Mitteilung des Konzerns mit 500 neuen Stellen verbunden, die ursprünglich im ungarischen Szombathely geplant waren.

Die Verlagerung der Arbeitsplätze nach Ungarn ist seit zwei Jahren ein Schreckensszenario für den mit rund 5.000 Arbeitsplätzen größten Arbeitgeber der Stadt. Der Aufbau des neuen ungarischen Werks ist von der aktuellen Vorstandsentscheidung aber laut Pressemitteilung nicht betroffen.

Schaeffler will durch das jetzt verkündete Maßnahmenpaket jährlich 250 bis 300 Millionen Euro einsparen. Dieses Ziel soll 2023 zu 90 Prozent erreicht werden. Dem stehen Transformations-Aufwendungen in Höhe von 700 Millionen Euro gegenüber.

In seiner Pressemitteilung spricht das Unternehmen zwar von einer Belebung der Nachfrage in allen drei Sparten, verweist aber auf die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie. Vorstandschef Klaus Rosenfeld hatte zuletzt noch betont, der Automobilzulieferer sei bisher relativ gut durch die Corona-Krise gekommen.

Verhandlung über viele Monate hinweg

Schaeffler verhandelt in Bühl seit vielen Monaten mit der IG Metall über die Entwicklung und Produktion von Elektromotoren für Hybridgetriebe. Dabei geht es um zwei Elektromotoren, die für diesen neuen Antriebsstrang benötigt werden. Mit der Verlagerung der neuen Technik nach Ungarn wäre der Konzern dem Beispiel vieler Erstausrüster gefolgt. Die zieht es in die osteuropäischen Billiglohnländer. Wenn die Zulieferer den großen Herstellern hinterher ziehen, ergeben sich dadurch kurze Lieferwege. Arbeitnehmervertreter hoffen aber auf ein Umdenken, weil durch die Corona-Pandemie Lieferketten teilweise abgerissen sind.

In einer Pressemitteilung spricht Schaeffler gleichzeitig von „Kapazitätsabbau und Konsolidierung“, von dem unter anderem auch Bühl betroffen sei. Zudem sei vorgesehen, die Verwaltungsbereiche der Zentralfunktionen und der Sparten zu reduzieren. Dies betreffe vor allem die Standorte Herzogenaurach, Schweinfurt, Bühl sowie Homburg.

Was das im Detail für Bühl bedeutet, will das Unternehmen erst nach Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern und lokalen Mitarbeiterversammlungen verkünden. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Standortzahlen derzeit nicht kommunizieren möchten“, erklärte Daniel Okorny, Leiter der Unternehmenskommunikation, auf Nachfrage dieser Redaktion.

Wir warten auf detaillierte Informationen des Vorstands
Volker Robl, Betriebsratsvorsitzender Schaeffler Bühl

Auch Volker Robl, der Betriebsratsvorsitzende von Schaeffler in Bühl, konnte noch nicht sagen, was die Beschlüsse der Konzernleitung für die Arbeitsplätze am mittelbadischen Standort bedeuten. Die telefonische Anfrage dieser Zeitung erreichte Robl im Urlaub. „Wir warten auf detaillierte Informationen des Vorstands“, erklärte er. Robl betonte, dass die Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung gut funktioniere und sprach von einem großen Schritt im Transformationsprozess.

Dennoch schreitet der Stellenabbau bei Schaeffler weltweit voran. Seit Ende 2018 gingen insgesamt neun Prozent der Arbeitsplätze verloren. Die Schaeffler Gruppe beschäftigt Ende Juni nach eigenen Angaben noch 84.223 Mitarbeiter. Auch in Bühl ist die Zahl der Arbeitsplätze seit Beginn der Krise um 200 zurückgegangen.

Ende des vergangenen Jahres hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Bühl wegen der Flaute in der gesamten Automobilindustrie auf eine entgeltwirksame Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 38 Stunden geeinigt. Die mühsam gefundene Regelung hatte nur im Februar und März Bestand, bevor sie durch Corona zu Makulatur wurde. Seitdem arbeitet die Sparte Automotive OEM von Schaeffler mit Zentrale in Bühl kurz. Nach Informationen dieser Redaktion beträgt die Auslastung 70 bis 80 Prozent.

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