Skip to main content

Meinung

von Alexei Makartsev

Angriffe auf Handelsschiffe

Seefahrt sichert unseren Wohlstand: Wie machen wir sie also sicher?

Deutschland ist eine Seehandelsnation, aber die geschrumpfte deutsche Marine kann die Sicherheit der Versorgungsrouten nicht garantieren. Gerade deswegen macht eine Teilnahme an der neuen Schutzallianz im Roten Meer viel Sinn.

Das Hamburger Frachtschiff "Taipan" war vor der somalischen Küste von Seeräubern überfallen worden.
In der Vergangenheit wurden Handelsschiffe auf wichtigen Routen wiederholt überfallen oder angegriffen, wie zum Beispiel das Hamburger Frachtschiff "Taipan" vor der somalischen Küste vor einigen Jahren. Zurzeit sind Schiffe im Roten Meer in Gefahr, weswegen eine Sicherheitsallianz für das Seegebiet entstehen soll. Foto: Reederei Komrowski / dpa

Die benötigte Regenjacke fehlt zu Beginn des Schmuddelwetters? Die bestellte Handy-Halterung fürs Auto lässt auf sich warten? Und von den online gekauften Sitzkissen für den Gartentisch, der zum Geburtstag eingeweiht werden soll, fehlt jede Spur? In Zeiten, wenn Waren einfach im Internet bestellt werden und oft schon tags darauf vor der Haustür liegen, ist es für viele Menschen ärgerlich, wenn das Konsumversprechen unerfüllt bleibt und es in der Lieferkette vom Mausklick bis zur Paketzustellung hakt.

Der Waren- und Güterverkehr zwischen Kontinenten läuft erstaunlich effizient. Aber eben nicht immer. Wenn wir uns über verspätete Lieferungen aufregen, kann es daran liegen, dass die Konsumgüter Tausende Kilometer entfernt nicht rechtzeitig verladen wurden, dass etwas bei der Zollabwicklung nicht klappt oder die riesigen Containerschiffe auf dem Weg von China nach Europa aufgehalten werden. Das gilt sowohl für Tischdecken und Jacken als auch für Autos, Ersatzteile, Mikrochips, Grundstoffe für Pharmahersteller und alle Güter, die hierzulande in der Industrieproduktion ständig benötigt werden.

Viele Gefahren für Transporte in Ozeanen

Deutschland ist eine der führenden Handelsnationen. Im Bereich Containerschifffahrt verfügt die Bundesrepublik über 15 Prozent der weltweiten Kapazitäten. Etwa ein Drittel der deutschen Im- und Exporte wird übers Meer verschifft. Unser Wohlstand hängt also direkt davon ab, wie reibungslos der Verkehr der Mega-Frachter läuft. Dass die globalen Handelsrouten effizient und zuverlässig funktionieren, wird in der Zukunft aber wahrscheinlich immer seltener der Fall sein.

Störungen der Lieferketten in der Pandemie, durch Piraterie am Horn von Afrika oder jetzt durch Angriffe der Huthi-Rebellen auf Handelsschiffe im Roten Meer sind nur einige Beispiele dafür. Probleme durch den Klimawandel kommen noch hinzu. In Monaten mit vielen Wirbelstürmen kann der Handel auf manchen Routen um zehn Prozent sinken. Der steigende Meeresspiegel erschwert den Zugang zu Häfen, niedrige Wasserstände können Schiffsstraßen unpassierbar machen.

Die maritime Sicherheit Deutschlands ist ein Problem, das immer akuter wird. Wenn beispielsweise der Seehandel wegen des wachsenden Bedarfs an LNG (Liquid Natural Gas) und anderen Energieträgern wächst, ist es vor allem für die Bundesrepublik bedeutsam, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs auf die Pipeline-Versorgung aus Russland verzichtet. Doch die deutsche Marine mit der kleinsten Flotte seit ihrer Gründung hat Probleme, die Sicherheit der Nachschublinien zu garantieren.

Gerade deswegen macht für sie eine Beteiligung an der von den USA geschmiedeten Sicherheitsallianz für den Handelsverkehr im Roten Meer viel Sinn. Die Bundesregierung sollte eine Entscheidung darüber nicht noch länger hinauszögern. Von 2009 bis 2022 hat die Bundeswehr bereits gemeinsam mit Streitkräften anderer Nationen die somalischen Piraten gejagt (Operation Atalanta). Eine erneute Entsendung von Kriegsschiffen auf eine der wichtigsten Routen der Welt wäre ein Zeichen der Solidarität mit verbündeten Ländern und überdies absolut in unserem eigenen Interesse.

nach oben Zurück zum Seitenanfang