Eine Edelstahl-Waffe für Trumpwähler oder nur billiges Un-Design: Die Aufmerksamkeit der Welt ist Elon Musk und seinem neuen Tesla Elektro-Pickup-Truck gewiss. Das Fahrzeug mit dem Namen Cybertruck erinnert manche an einen Kampfjet. Den Pforzheimer Designprofessor James Kelly eher an einen Erstsemester-Entwurf. | Foto: dpa

Ein Panzer für Trumpwähler

Teslas Cybertruck in den Augen von Designexperten aus Pforzheim und Bruchsal

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Der neue Tesla-Pickup-Truck polarisiert mit seiner Optik. Es gibt Leute, die was von Design verstehen und die Formgebung des Wagens nicht für besonders gelungen haben. Ein Experte der Hochschule Pforzheim und ein Professor aus Bruchsal etwa halten das Äußere des neuen Tesla nicht gerade für zeitlos.

Ein Panzer auf Rädern, der Laster für Trumpwähler oder doch ein mutiger Designentwurf, der die Fachwelt begeistert?

„Ich habe keinen bestellt“, sagt James Kelly, Professor am renommierten Institut für Transportation-Design der Hochschule Pforzheim, wenn er auf den neuen Tesla-Pickup-Truck angesprochen wird.

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Vorstoß in neue Design-Dimensionen

Um das Wort hässlich drückt er sich zunächst noch professionell herum.

Aus Edelstahl und Panzerglas gefertigt, stößt der Cybertruck, den der Elektro-Auto-Pionier Elon Musk am Tesla Firmensitz in Hawthorne, USA, kürzlich vorstellte, in neue Design-Dimensionen vor.

„Er provoziert – mehr nicht“

Doch es scheint, als seien das Dimensionen, von denen Kelly seine Studenten lieber fern halten will. „Design soll provozieren. Und das schafft der Cybertruck tatsächlich.“ Mehr Positives kann der Pforzheimer Design-Professor an dem Elektro-Boliden aus Kalifornien nicht erkennen.

Er sieht eher zusammengeklebte Kartonagen denn ausgefeilte Formensprache. „Gutes Design ist zeitlos und ich kann mir nicht vorstellen, dass in zehn Jahren noch jemand sagt, den will ich gerne haben. Der Ferrari 308 oder der erste Scirocco werden immer schön sein. Der Cybertruck eher nicht.“

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Er schleimt nicht so wie die üblichen Geländewagen

Hartmut Ayrle, Professor der Architektur und Stadtbaumeister von Bruchsal, sieht zumindest große Wahrheit in der Laster-Studie. Bullig und rücksichtslos sind sie wohl alle, die tatsächlichen und scheinbaren Geländewagen der Gegenwart.

„Aber wenn man sich die geometrische Kompromisslosigkeit dieser Karosse anschaut und sich überlegt, wie viel Weichspüler und gespielte Plastik-Härte in den Jeeps und Landcruisern drin ist, wie sich deren Designer an den Kunden und seine gedachte oder reale Sehnsucht nach Kampf ranschleimen, dann kann ich mich einer gewissen Anerkennung für Teslas Design für den Pickup nicht erwehren“, analysiert Ayrle.

Ein Blick hinter die sanften Stoßfänger des SUV

In dem rostfreien Stahllaster sieht er eine Waffe, die knallhart zeigt, was sich ideologisch hinter den runden Stoßfängern der aktuellen SUV-Flotte versteckt.

Dem fast lyrischen Blick des Bruchsaler Städteplaners fügt der Pforzheimer Autodesigner ganz prosaische Alltagsbetrachtungen bei.

„Wer soll diese Windschutzscheibe freikratzen?“

„Die Windschutzscheibe macht das Auto zum Gewächshaus, das nicht ohne Klimaanlage auskommt. Kein Eiskratzer kann je alle Ecken Erreichen und die Heckklappe frisst alleine schon 30 Prozent der Ladefläche, während die fehlende Aerodynamik die Batterie leert.

Wie Feuerwehr und Rettungsdienst in einen solchen Panzer eindringen sollen, ist mir schleierhaft.“ Für Kelly ist der Musk-Truck ein gutes Beispiel, seinen Studenten den Wert ihrer Ausbildung zu erklären.

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Erstsemester-Entwurf oder Lockvogel für Trumpwähler

Die sollten nach zehn Semestern in der Lage sein, deutlich bessere Ergebnisse abzuliefern. „Das hier, kann auch ein Erstsemester zeichnen.“

Doch im Ernst, so Kelly, geht es Musk gar nicht ums Design. „80 Prozent dieser Studie sind Marketing. Fahren will den niemand.“

So optimistisch ist Ayrles Menschenbild nicht. Für ihn ist der Cybertruck auch ein Fanal. „Der Truck ist Teslas Lockvogel für den Trumpwähler, und den haben sie grandios gemacht.“