Premierministerin Theresa May in London
Premierministerin Theresa May war mit dem Brexit-Abkommen bereits drei Mal bei Abstimmungen im britischen Parlament gescheitert. | Foto: Kirsty Wigglesworth/AP

Kommentar

Theresa May: Lahme Ente in London

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Obgleich sie noch einige Wochen lang die volle Befehlsgewalt in der Downing Street 10 innehaben wird, hat sich Premierministerin Theresa May schon jetzt in eine „lame duck“ verwandelt – so werden Amtsinhaber genannt, die kurz vor ihrem Ausscheiden nicht länger die nötige Autorität oder Kraft besitzen, um führen zu können. Faktisch ist die 62-Jährige für Königreich und Tories entbehrlich geworden.

Ihre Partei wird es jedenfalls May danken, wenn sie sich aus dem Gerangel um ihre Nachfolge nun strikt heraushält und keine politischen Initiativen mehr auf den Weg bringt, die im Parlament höchstwahrscheinlich durchfallen würden. Denn nach vielen Niederlagen in Folge ist die Geduld der Konservativen mit ihrer Ex-Vorsitzenden zu Ende.

Es ist symbolhaft, dass Mays Partei-Rücktritt mit einer Tory-Schlappe bei einer Nachwahl im zentralenglischen Peterborough zusammenfiel. Die Stadt hatte beim Referendum 2016 klar für den Brexit gestimmt und bestrafte nun die Konservativen mit der Halbierung ihrer Stimmanteile für den jahrelangen Chaos-und-Schlingerkurs der Regierungspartei im Scheidungsprozess mit der EU. Labour und die Brexit-Partei erhielten fast dreimal so viele Stimmen.

Die Mini-Katastrophe von Peterborough zeigt, dass sich die Tories neu erfinden müssen, um wieder wählbar zu werden. Das ist aber angesichts der bislang bekannten Kandidatenschar für den Parteivorsitz und die Nummer 10 nicht wahrscheinlich.

Darunter sind profilierte Politiker und solche, die keine Chance im Auswahlprozess haben und jetzt einfach nur auf ihren Augenblick im Scheinwerferlicht wild sind. Fast alle eint der Wunsch, einen ungeordneten Brexit zu vermeiden. Dabei haben Mays Nachfolger jedoch weiter vor allem die Parteiinteressen im Blick, weniger das nationale Interesse. Jeder von ihnen wird zudem an einem Mangel an Legitimität leiden. Es wird immer klarer, dass Britannien Neuwahlen braucht, bei denen die Karten neu gemischt werden.