Grönland
Ein Boot umfährt in der Dämmerung einen Eisberg auf Grönland. | Foto: Felipe Dana/AP

Bizarre Diskussion um Grönland

Trump reist nicht nach Dänemark: Die Königin ist sprachlos

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Die Speisen und Getränke waren angeblich bereits bestellt, das Silberbesteck für den prächtigen Staatsempfang im Christiansborg-Palast fertig poliert. Um den mächtigsten Mann der Welt bestmöglich zu empfangen, hatte Königin Margrethe II. laut Zeitungsberichten sogar einen Teil ihrer Bediensteten aus den Ferien holen lassen.

Und nun das: Donald Trump kommt nicht nach Dänemark. Aus Unverständnis darüber, dass das Königreich seinem Land nicht das autonome Gebiet Grönland verkaufen möchte, hat der US-Präsident am Dienstagabend kurzerhand seinen Staatsbesuch am 2. und 3. September abgesagt.

„Dänemark sei ein ganz spezielles Land“, schrieb Trump auf Twitter, „aber aufgrund der Bemerkungen der Premierministerin Frederiksen, dass sie an Diskussionen über den Verkauf von Grönland nicht interessiert sei, werde ich unser Treffen verschieben“. Glaubt man den Medien, ist die 79-jährige Margrethe II. zutiefst schockiert: Noch nie sei eine offizielle Einladung des dänischen Staatsoberhaupts derart rüde in der Öffentlichkeit zurückgewiesen worden. „Völlig überraschend, uns fehlen die Worte“, zitiert die Zeitung BT eine Sprecherin des Königshauses.

Umso heftiger fällt die Reaktion von Diplomaten und Politikern in Dänemark aus, die eine Krise in den Beziehungen des EU-Landes mit seinem strategischen Partner in Übersee befürchten. „Ist das ein Witz? Zutiefst beleidigend für die Menschen in Grönland und Dänemark“, twittert Ex-Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. „Sind Teile der USA zu verkaufen? Alaska? Bitte mehr Respekt“, schreibt der konservative Abgeordnete Rasmus Jarlov.

„Rückschlag“ für die Beziehungen befürchtet

Als einen „Rückschlag“ für die Beziehungen zwischen zwei Ländern wertet Trumps Absage der ehemalige Premier Anders Fogh Rasmussen. Angesichts der „aussichtslosen Diskussionen“ über Grönland sei es aber „vielleicht das Beste“, fügt er hinzu.

Ein Anruf bei Tom Hoyem, dem Karlsruher Stadtrat mit deutschem und dänischem Pass. Der 77-Jährige macht gerade Urlaub in Dänemark und ist entsetzt über die neue Wende in der Grönland-Farce. Auch Hoyem bezeichnet Trumps Verhalten als „beleidigend“, vor allem für die Royals: „Die Königin hat eine besondere Beziehung zu Grönland, wo sie viele Male war. Und der Kronprinz war dort früher während seiner Militärausbildung drei Monate lang stationiert.“

Als Ende der vergangenen Woche die ersten Berichte über Trumps kommerzielles Interesse an der Insel Grönland aufkamen, nannte der Karlsruher den Vorschlag „idiotisch“. Bei allem Verständnis für den verletzten Stolz seiner Landsleute mahnt er jetzt dennoch zur Zurückhaltung. Dänemark sei „extrem loyal“ zu den USA gewesen und habe sich als Nato-Mitglied an Kriseneinsätzen gemeinsam mit den Amerikanern beteiligt: „Es ist wichtig für uns, gute Beziehungen zu haben“, stellt Hoyem klar. „Wenn Trump in Zukunft kommen möchte, wird er hier willkommen sein“.

„Grönland ist nicht bloß eine lustige Eskimo-Region“

Der FDP-Politiker, der in den 80er Jahren Grönland-Minister in der damaligen dänischen Regierung war, kann dem diplomatischen Skandal sogar etwas Positives abgewinnen: Trump habe allen gezeigt, dass die größte Insel der Welt wertvoll sei. „Manche dänischen Politiker haben nie verstanden, dass wir uns dank Grönland eine arktische Großmacht nennen können“, bedauert Hoyem. „Nun sieht aber die Welt, dass Grönland nicht bloß eine lustige Eskimo-Region ist“.

Am Wochenende hatte Trump in Washington einem Pulk von Reportern erklärt, sowohl aus strategischer Sicht als auch wegen reicher Kohle- und Uranvorkommen wäre es „nett“, wenn die USA Grönland besitzen könnten. Im Grunde wäre es ein „großes Immobiliengeschäft“, allerdings stehe es auf seiner Prioritätenliste nicht an erster Stelle, ergänzte er. Am Montag verbreitete Trump dann eine seltsame Fotomontage auf Twitter: der goldglänzende Trump-Turm in Las Vegas, über einem grönländischen Fischerdorf thronend. „Ich verspreche, dies Grönland nicht anzutun“, setzte er darunter. Angesichts der beinahe selbstironisch anmutenden Note konnte sich kaum einer ausmalen, wie ernst er es in Wahrheit meinte. Umso größer die Überraschung, als die Absage des Staatsbesuchs dann verkündet war.

Trump ist nicht der Erste im Weißen Haus, der den Kauf Grönlands ins Auge fasst. Bereits Harry Truman hatte 1946 erwogen, die größtenteils von Eis bedeckte Insel zu erwerben, allein schon wegen ihrer strategischen Lage im sich abzeichnenden Kalten Krieg mit der Sowjetunion. 100 Millionen Dollar wollte er den Dänen bieten. Seit 1951 unterhält das US-Militär in Thule einen Stützpunkt, derzeit mit 600 Soldaten. Trump wollte anscheinend dort anknüpfen, wo Truman aufgehört hatte.

Eine Summe von 700 Millionen Dollar im Gespräch

Laut der „Washington Post“ soll eine eventuelle Übernahme der Insel vor Wochen ein Gesprächsthema zwischen ihm und seinen Beratern gewesen sein. Dabei sei die Idee geboren worden, auf unbestimmte Zeit jene Subventionen zu zahlen, vom Weißen Haus mit 700 Millionen Dollar pro Jahr beziffert, mit denen Kopenhagen das autonome Gebiet unterstützt. Zudem habe man Dänemark mit einer Einmalsumme locken wollen.

Anders als in Dänemark hielten manche US-Politiker das nun wohl gescheiterte Projekt Trumps für sinnvoll. „Die Idee ist nicht verrückt, sondern ein kluger geopolitischer Zug“, twitterte etwa der republikanische Abgeordnete Mike Gallagher: „Die USA haben in Grönland strategische Interessen, darum muss man den Kauf in Betracht ziehen“.