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Kommt der digitale Führerschein?

TÜV verzeichnet Rekord an Führerscheinprüfungen, aber auch an Durchfallern

44,9 Millionen Bundesbürger besitzen einen Führerschein – und es werden immer mehr. Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrprüfungen. Doch die hohe Zahl an Durchfallern bereitet den Prüfern Sorge.

ILLUSTRATION - Zwei Führerscheine liegen vor einem Modellauto auf einem Tisch (gestellte Szene). Der verpflichtende Führerschein-Umtausch stellt die Führerscheinstellen in Sachsen-Anhalt vor eine erhebliche Belastungsprobe. (zu dpa «Umtausch von Führerscheinen: Kreise und Städte werden Frist verfehlen») +++ dpa-Bildfunk +++
Gehört zum Erwachsen-Sein dazu: Ohne Führerschein geht es vor allem in den ländlichen Regionen nicht. Fast 45 Millionen Bundesbürger besitzen eine Fahrerlaubnis. Foto: Ole Spata/dpa

Kaum hat der Prüfling nach der theoretischen auch die praktische Fahrprüfung bestanden, hat er bereits die Fahrerlaubnis in digitaler Form auf seinem Smartphone.

So kann er sofort ins Auto steigen und losfahren. In einigen ausgewählten Pilotbezirken, in denen die Prüfstellen von TÜV und Dekra mit der für die Ausstellung zuständigen Behörde vernetzt sind, ist diese Zukunftsvision bereits Realität.

Doch bis sich der digitale Führerschein flächendeckend durchgesetzt und die derzeit geltende Plastikkarte abgelöst hat, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

E-Führerschein kann die Prozesse beschleunigen

Dennoch setzt Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbandes, auf die E-Version der Fahrerlaubnis: „Der digitale Führerschein wäre ein wichtiger Beitrag und eine Stellschraube, um die Prozesse zu optimieren und zu beschleunigen.“

Zudem sollte neben der Digitalisierung der theoretischen Prüfung auch die Fahrausbildung der jungen Generation um digitale Elemente ergänzt werden.

„Diese Neuerungen tragen dazu bei, dass die überdurchschnittlich hohen Unfallzahlen von Fahranfängerinnen und Fahranfängern tendenziell sinken“, sagte er am Mittwoch in Berlin.

„Corona-Delle“ ist überwunden

Trotz Klimakrise, Fahrradboom und 9-Euro-Ticket haben der Führerschein und die individuelle Mobilität nach Angaben der Fahrprüfer nichts an Attraktivität verloren. Aktuell sind 44,9 Millionen Bundesbürger im Besitz einer Fahrerlaubnis für das Auto, das Motorrad oder einen Lastwagen.

Das ist eine Zunahme um 39 Prozent im Vergleich zu 2013. Gleichzeitig ist im gleichen Zeitraum die Zahl der praktischen Fahrprüfungen nach Anhaben des Kraftfahrtbundesamtes um 16 Prozent auf den Höchstwert von 1,74 Millionen im Jahr 2019 gewachsen.

Nach den „Corona-Dellen“ 2020 (1,55 Millionen) und 2021 (1,65 Millionen) zeichnet sich für dieses Jahr ein neuer Rekord ab, wurden doch in den ersten drei Quartalen bereits 1,31 Millionen Prüfungen abgelegt, 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

Führerschein gehört zum Erwachsenensein dazu

Wie wichtig der Führerschein im allgemeinen Bewusstsein ist, belegt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbandes. Demnach gehört für 72 Prozent der Bundesbürger die Fahrerlaubnis zum Erwachsen-Sein dazu wie der Schulabschluss oder die erste eigene Wohnung. Nur 16 Prozent sind der gegenteiligen Meinung.

Vor allem in den ländlichen Regionen wird das Auto benötigt, um zur Arbeit zu kommen, Besorgungen zu erledigen oder Freizeitaktivitäten vorzunehmen. „Je ländlicher die Region, desto stärker ist man auf das Auto angewiesen“, sagt Bühler.

So sagen 73 Prozent der Menschen, die in Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern leben, dass es für sie keine Alternative zum eigenen Fahrzeug gebe, hingegen nur 16 Prozent der Einwohner von Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern.

Das spiegelt sich auch in der Nutzung des Autos wider: Auf dem Land brauchen es 78 Prozent täglich, in der Großstadt nur 39 Prozent. Für den Geschäftsführer des TÜV-Verbandes ist dies ein klarer Auftrag an die Politik, gerade in den ländlichen Regionen die Verkehrswende mit einem besseren Nahverkehr und mehr Radwegen voranzutreiben.

43 Prozent fallen durch die praktische Prüfung

Sorge bereitet den Prüfern von TÜV und Dekra die seit Jahren sinkende Verkehrskompetenz der Prüflinge. 37 Prozent aller Fahranfänger fielen im vergangenen Jahr durch die theoretische Prüfung, 2013 waren es noch 29 Prozent, und sogar 43 Prozent schafften auf Anhieb die praktische Prüfung nicht, eine Zunahme um sechs Prozentpunkte.

Viele Fahrschüler würden „schlecht vorbereitet“ in die Prüfung kommen, sagte Bühler. Zudem mache sich die Vernachlässigung der Verkehrserziehung in der Schule wie in der Gesellschaft bemerkbar.

Verkehrserziehung darf nicht mit der Fahrradprüfung enden.
Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbandes

Angesichts der ständig steigenden Zahl an zugelassenen Fahrzeugen sowie des immer komplexer werdenden Straßenverkehrs sei die hohe Zahl an Durchfallern eine Aufforderung, alles zu tun, um die Verkehrskompetenz zu stärken, forderte Bühler.

„Die Verkehrserziehung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und darf in den Schulen nicht mit der Fahrradprüfung in der vierten Klasse enden.“

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