Merkel in Warschau
Kranzniederlegung am grab des Unbekannten Soldaten in Warschau. Angela Merkel ist anlässlich der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen mit Mateusz Morawiecki, Ministerpräsident von Polen, zusammengekommen. | Foto: Bernd von Jutrczenka

Trotz alles Konflikte

Merkel und Polens Regierungschef betonen Nähe

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Warschau (dpa) – Polen und Deutschland wollen trotz aller Konflikte ihre Zusammenarbeit weiter vertiefen – gerade auch in der Europapolitik.

Es gebe viele Gemeinsamkeiten, die zeigten, «dass es sich nicht nur lohnt, gemeinsam zu arbeiten, sondern dass es für uns beide gewinnbringend ist, zusammenzuarbeiten», sagte Kanzlerin Angela Merkel in Warschau. Sie nahm dort mit fast allen ihren Ministern am 15. deutsch-polnischen Regierungstreffen teil.

Meinungsverschiedenheiten könnten nur über Gespräche gelöst werden, betonte die Kanzlerin bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki. «Und auch dafür ist es gut, wenn man sich besser kennt», sagte sie und versicherte: «Wir sind gewillt, für die Zukunft die Entwicklung friedlich und freundschaftlich zu gestalten.» Auch Morawiecki beschwor die Gemeinsamkeiten. Bei allen strittigen Themen bemühte er sich erkennbar, nicht weiter Öl ins Feuer zu gießen.

Die Beziehungen Warschaus zu Berlin und Brüssel haben unter dem Konfrontationskurs der seit 2015 regierenden nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit PiS gelitten. Polen kritisiert unter anderem seit langem scharf Merkels Flüchtlingspolitik und weigert sich strikt, Migranten nach einer Quote aufzunehmen.

Morawiecki kündigte in Warschau an, Polen werde sich mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem geplanten Migrationspakt der Vereinten Nationen zurückziehen. «Wir sind der Ansicht, dass unsere souveränen Prinzipien absolute Priorität haben.» Damit würde sich Polen der ablehnenden Haltung der USA, Ungarns, Australiens und Österreichs anschließen – es wäre ein Affront gegen Merkel. Der rechtlich nicht verbindliche «Globale Pakt für Migration» soll bei einem UN-Treffen am 10. und 11. Dezember in Marokko unterzeichnet werden und dazu beitragen, Flucht und Migration besser zu organisieren.

Der polnische Ministerpräsident betonte, es gebe gemeinsame europäische Interessen in der globalisierten Welt. Beide Länder wollten zusammen daran arbeiten, die EU etwa gegenüber China und auch angesichts terroristischer Gefahren zu stärken. «Ich bin Optimist, was die Zukunft der EU anbelangt. Meinungsunterschiede überschatten manchmal unnötigerweise gemeinsame Interessen und Werte.»

Merkel bekräftigte, Berlin und Warschau wollten ein geordnetes Verfahren für den Brexit finden, den Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Im Zusammenhang mit dem in Polen umstrittenen Pipeline-Projekt Nord Stream 2, das Gas direkt aus Russland durch die Ostsee nach Deutschland führt, betonte die Kanzlerin, die Energieversorgung der Bundesrepublik müsse breiter aufgestellt werden. Dazu solle in Deutschland schneller als geplant ein Terminal für Flüssigerdgas-Importe (LNG) entstehen.

Deutschland und Polen hätten das gemeinsame Ziel, dass die Ukraine weiterhin Transitland für russisches Gas bleibe, weil dies auch eine Sicherheitskomponente für das Land darstelle, sagte Merkel, die am Vortag die Ukraine besucht hatte.

Zu den vor den Regierungsberatungen erneut aufgekommenen Forderungen Polens nach Entschädigungszahlungen für den Zweiten Weltkrieg äußerten sich Merkel und Morawiecki nicht. Aus PiS-Kreisen werden seit 2017 solche Forderungen laut. Offizielle Ansprüche seitens der Warschauer Regierung gab es bisher nicht. Auf EU-Ebene steht Polen wegen umstrittener Justizgesetze in der Kritik, die aus Sicht der EU-Kommission die Unabhängigkeit der Gerichte und damit EU-Grundwerte bedrohen. Auch dieses Thema sparten Merkel und Morawiecki aus.

Schon vor dem Besuch Merkels in Warschau war in Berlin betont worden, welche Bedeutung gute Beziehungen Deutschlands zu dem östlichen Nachbarn hätten. Es sei der Kanzlerin über die bekannten Streitfelder hinaus wichtig, die Nähe und Intensität der Zusammenarbeit zu zeigen. Polen bleibe ein wichtiger Partner – es gebe allen Grund, die Zusammenarbeit zu pflegen, auch wenn es mit der Regierung in Warschau auch Meinungsverschiedenheiten gebe.

Am Rande des Besuchs von Bundeskanzlerin Merkel in Warschau fordern Demonstranten Reparationszahlungen. | Foto: Czarek Sokolowski/AP
Mateusz Morawiecki, Ministerpräsident von Polen, begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel. | Foto: Bernd von Jutrczenka
Mateusz Morawiecki, Ministerpräsident von Polen, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßen sich. | Foto: Alik Keplicz/AP/Archiv