Europa begeistert die Menschen, viele kennen sich aber schlecht aus.

Bücher zur Europawahl

Von einer Idee zur Union der 28 Staaten

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Es ist ein hoher Anspruch, der zu Beginn dieser 58-seitigen Broschüre formuliert wird. Die Autoren wollen auf die Wichtigkeit der Europawahlen aufmerksam machen, „so dass jede/r EU-Bürger/in informiert an der Wahl teilnehmen kann, Argumente für die Teilnahme an der Europawahl kennt und nebenbei das politische System der EU noch besser versteht“. Dies wird betitelt mit „Europawahlratgeber 2019“.
Um ihr Ziel zu erreichen, gehen die Wissenschaftler Michael Kaeding, Stefan Haußner und Julia Schmälter zunächst auf die Bedeutung von Wahlen ein, erklären die Geschichte und Institutionen der Europäischen Union sowie den Ablauf und die Besonderheiten der Europawahl. So führt der Titel des Werks etwas in die Irre, da es in erster Linie ein Wegweiser ist: Wer kurz und knapp das Wichtigste zu den Abläufen in der EU und bei den Wahlen erfahren möchte, ist hier richtig. Wer jedoch in der Broschüre eine tief gehende Analyse der EU-Strukturen sucht, wird enttäuscht. Aber auch wenn der Titel irreführend ist, besticht der Kurzratgeber durch klare Struktur und logische Gliederung. Wo es nötig ist, werden Fachbegriffe wie „mehrjähriger Finanzrahmen“ oder „qualifizierte Mehrheit“ in Kästchen erklärt.
Damit richten sich die Autoren an interessierte Leser, die eher wenig über das Themengebiet wissen. Den Verfassern – Kaeding ist Inhaber des Jean-Monnet-Lehrstuhls für Europäische Integration und Europapolitik an der Universität Duisburg-Essen, Haußner und Schmälter wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl – geht es darum, die Bedeutung der Wahl klar zu machen und Leser zu motivieren, teilzunehmen. Dabei lassen sie, was auch der Kürze des Werks geschuldet sein mag, manch kritisches Thema aus.
„In internationaler Anarchie nebeneinander leben“
Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi war ein weiser Mann. Der Sohn des österreichisch-ungarischen Gesandten in Japan und einer Japanerin formulierte 1923 die Schlüsselfrage der europäischen Zukunft so: „Ist es möglich, dass auf der kleinen europäischen Halbinsel 25 Staaten in internationaler Anarchie nebeneinander leben, ohne dass dieser Zustand … mit einer Katastrophe endet?“ So wurde die Idee des „Paneuropa“ geboren, die sich später in die Gestalt der heutigen EU transformiert hat.
Mit der Entstehungsgeschichte, den Mechanismen, Herausforderungen und Perspektiven der vermeintlich „anarchischen“ Gemeinschaft der 28 Staaten beschäftigt sich ausführlich ein weiteres neues Werk – „Europäische Union für Dummies“ – des Jenaer Europa-Forschers Olaf Leiße. Wie es sein Titel suggeriert, findet man in diesem Buch schnell kompakte Antworten auf viele komplizierte Fragen, etwa nach der Zusammensetzung des Europäischen Parlaments, der gemeinsamen Migrationspolitik und dem Haushalt der Union.
Zwar positioniert sich der Autor klar als proeuropäisch, er legt großen Wert darauf, keinen „blinden Europaenthusiasmus“ zu verbreiten, weswegen er die Aufmerksamkeit der Leser auch auf Effizienzprobleme und den „Sand im Getriebe“ der EU lenkt. Besonders interessant ist Leißes Abwägung der Chancen und Risiken der weiteren europäischen Integration sowie das Kapitel „Zehn große Missverständnisse über die EU“.
Lesetipps
Michael Kaeding, Stefan Haußner, Julia Schmälter: „Europawahlratgeber 2019. Weichenstellung für die Zukunft“. Wochenschau-Verlag, 63 Seiten, 8,90 Euro. Das Werk steht auch kostenlos zum Download bereit auf der Seite der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg: www.lpb-bw.de.
Olaf Leiße: „Europäische Union für Dummies“. Wiley-Vch Verlag, 384 Seiten, 16,99 Euro.