AfD-Wahlparty
AfD-Wahlparty: Katrin Ebner-Steiner (M.) und die Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel, feiern gemeinsam. | Foto: Armin Weigel

Hintergrund

Von Rechtsaußen bis Bio – die bayerische AfD-Fraktion

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München (dpa) – Die AfD zieht mit 22 Abgeordneten in den bayerischen Landtag ein. Es sind zum Großteil Unbekannte. Die genaue Zusammensetzung der Fraktion war am Montag noch unklar, da die Verteilung der Listenmandate noch nicht feststand.

Klar ist, dass sehr wenige Frauen der Fraktion angehören werden, weil Männer die vorderen Plätze dominieren. Den Ton in der bayerischen AfD geben die Rechten an, doch der Landesverband ist gespalten. Einige der Neulinge im Landtag:

FRANZ BERGMÜLLER – Der AfD-Spitzenkandidat im größten Regierungsbezirk Oberbayern ist nach einer Intrige gar nicht mehr AfD-Mitglied. Der 53 Jahre alte Gastwirt wurde auf Initiative seiner internen Gegner mit Unterstützung von Landes- und Bundesvorstand Anfang des Jahres aus der Partei geworfen. Politisch gilt er als gemäßigt, angekreidet wird ihm sein offener Ehrgeiz. Bergmüller will Fraktionschef werden.

KATRIN EBNER-STEINER – Die niederbayerische Spitzenkandidatin gilt als Bergmüllers Konkurrentin um den Fraktionsvorsitz. Die 40-Jährige ist Verbündete von Rechtsaußen Björn Höcke. Im Wahlkampf griff sie auf in der rechtsextremen Szene gängige Klischees zurück und sagte etwa: «Ich rufe alle Bürger auf, sich den Zerstörern unseres Vaterlandes entgegen zu stellen.» Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe «Hochverrat an Deutschland» begangen, Moscheen gehörten nicht zur Religionsfreiheit, sondern seien «Landnahme».

BENJAMIN NOLTE – Er kandidierte auf dem aussichtsreichen zweiten Platz der Oberpfälzer AfD-Liste. Nolte ist Mitglied bei den Alten Herren der rechtsextremen Münchner Burschenschaft Danubia. Er sorgte kurz vor der Wahl für Aufsehen, als er ankündigte, die AfD werde die «Altparteien» zur Strecke bringen. «Am Ende der Schlacht werden die Toten gezählt.»

MARTIN BÖHM – Der Spitzenkandidat in Oberfranken kandidierte 2017 bereits für den Bundestag und dachte öffentlich über den Zerfall von EU und Euro nach. Er glaubt wie viele in der AfD, dass die Partei Opfer einer Verschwörung von «Systemmedien» und etablierten Parteien sei.

CHRISTIAN KLINGEN – Er war Spitzenkandidat in Unterfranken und wird ebenfalls zum rechten Flügel gezählt. Klingen will aber ein Mann des Ausgleichs sein.

MARKUS PLENK – Der Oberbayer ist Bio-Bauer und damit eine Rarität in der AfD. Er löste kurz vor der Wahl Aufsehen – beziehungsweise Ärger – in der CSU aus, weil er im «Landwirtschaftlichen Wochenblatt» annoncierte, das viel von Bauern gelesen wird. Im Wahlkampf warb Plenk vor allem mit dem Kampf gegen die Brüsseler Bürokratie.