Online-Handel
Neue oder neuwertige Waren, die nach der Rücksendung an die Online-Shops als Abfall entsorgt werden – so etwas soll es nach dem Willen von Umweltministerin Svenja Schulze künftig nicht mehr geben. | Foto: Jens Büttner

Neuregelung im Online-Handel

Weniger Retouren-Müll: Karlsruher Einzelhändler begrüßen geplantes Gesetz

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Man kann ja immer alles zurücksenden. Sind die per Mausklick bestellten Schuhe eine Nummer zu klein, ist die auf Verdacht gekaufte Hose nicht schick genug oder zeigt sich die Freundin von der neuen Handtasche nicht überzeugt, brauchen Online-Shopper heute nicht lange zu hadern.

Mit wenig Aufwand wandert die Ware zurück zum Absender, und man freut sich alsdann über den Rückerstattungsbetrag auf dem Konto. Der komfortable Bummel im Netz hat aber verheerende Nebenwirkungen für die Umwelt und erzeugt Riesenprobleme für viele Händler in Deutschland, die unter der Flut der Retouren stöhnen. Eine halbe Milliarde Waren wurde 2019 im Onlinehandel zurückgeschickt, die Tendenz ist steigend.

Neues Gesetz soll Vernichtung von Waren verhindern

Ein neues Vorhaben der GroKo soll nun Abhilfe schaffen – zumindest ein wenig.
Die Bundesregierung hat jetzt eine Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes auf den Weg gebracht. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will damit insbesondere verhindern, dass hochwertige, zurückgeschickte Waren einfach vernichtet werden, um Platz in den Regalen zu schaffen oder weil es zu viel Geld und Aufwand kostet, sie wieder neu anzubieten.

Nach Einschätzung einer Forschungsgruppe der Universität Bamberg wurden so im Jahr 2018 etwa 20 Millionen Artikel entsorgt – knapp vier Prozent aller Retouren. Das Kabinett in Berlin will nun die Händler verpflichten, offenzulegen, ob sie Waren vernichten und wie viele. Produkte sollen nur noch dann als Müll entsorgt werden, wenn sie verdorben, kaputt oder gefährlich sind – oder es wirtschaftlich nicht anders geht. Details sollen später über Verordnungen geregelt werden.

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Über Retouren reden Händler nicht gern

Generell sind die Online-Händler bei diesem Thema nicht sehr auskunftsfreudig – deshalb auch der Vorstoß der Umweltministerin für mehr Transparenz. Experten nehmen jedoch an, dass Retouren bei großen Namen im Onlinehandel wie Zalando und Amazon zum Geschäftsmodell gehören.

Nur wenn wir keine andere Möglichkeit haben, geben wir unsere Artikel zum Recycling.

Amazon

Auf BNN-Anfrage nannte Amazon „nicht verkaufbare Ware“ eine Herausforderung für das Unternehmen. „Unser Ziel ist es, alle Waren zu verkaufen. Nur wenn wir keine andere Möglichkeit haben, geben wir unsere Artikel zum Recycling, zur Energierückgewinnung oder als allerletzte Option zur Deponierung“, so ein Konzernsprecher. Nach Angaben von Amazon spendet das Unternehmen viele Retouren und hat damit bereits 450.000 „bedürftigen Menschen“ geholfen.

Bader hat nach eigenen Angaben wenige Rücksendungen

Wenig Verständnis für die Problematik von Rücksendungen hat scheinbar das Pforzheimer Versandhaus Bader. „Der Einzelhandel hat im Online-Geschäft noch nicht richtig Fuß gefasst und versucht jetzt die Retouren von Versandaktivitäten madig zu reden“ – so kommentiert der Geschäftsführer Klaus Bader das neue Gesetzesvorhaben. Sein Unternehmen liege jedoch mit den Retouren deutlich unter dem Marktschnitt, stellt Bader klar. Die Begründung: Man würde vor der Lieferung „erhebliche Qualitätskontrollen vornehmen“.

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Einzelhandel macht sich keine Sorgen

Sehr positiv sehen die neuen Maßnahmen dagegen die von den BNN befragten Einzelhändler in der Region. So stört sich Michael Preißler vom Unikat Life-style Store in Karlsruhe daran, dass durch die Rücktransporte von Waren viele Schadstoffe in die Luft geblasen werden. „Irgendwo muss man anfangen, um das zu ändern“, so der Inhaber eines Geschäfts für Damen- und Herrenmode. Preißler macht sich keine Sorgen, dass die Neuregelung eine wirtschaftliche Belastung für seinen Laden bringen könnte: „Wir verkaufen online noch sehr wenig, zudem werden die Retoure-Kosten von Kunden getragen.“

Auf unter fünf Prozent beziffert die Rücksendequote in ihrem Unternehmen Gabriele Calmbach-Hatz, Geschäftsführerin von PapierFischer mit vier Filialen und zwei Onlinestores. „Ich begrüße das Gesetz, es ist ökologisch sinnvoll“, sagt sie. Laut Calmbach-Hatz wird die an ihre Firma zurückgeschickte Ware nicht vernichtet.

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