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KIT-Campus wächst nach Osten

Zwei große Bauprojekte in Karlsruhe gestartet – Bürger protestierten

Zwei große Baustellen sind in der Karlsruher Oststadt eröffnet. Das KIT erweitert sich, am Adenauerring. Die Hardtwaldsiedlung pflanzt eine Wohnanlage in ihr großes Gartengelände am Fasanengarten. Viele Bürger protestierten gegen die Großprojekte.

Ein riesiger Sandkasten ist in dem großen Gartengebiet zwischen den Häuserzeilen der Hardtwaldsiedlung in der Oststadt entstanden. Das große Buddeln bringt die Gruben für attraktive Neubauten der Baugenossenschaft. Foto: jodo

Es wird gebaut. In der Karlsruher Oststadt sind jetzt die Bagger auf zwei riesigen Bauplätzen eingerollt. Beide Großprojekte lösten bei den Anwohnern hohe Protestwellen aus. Ihr Kampf gegen die Nachverdichtung am Adenauerring beziehungsweise um die Ecke am Fasanengarten hat die Pläne für die KIT-Erweiterung durch das InformatiKOM der Klaus Tschira Stiftung und eine neue Wohnanlage der Hardtwaldsiedlung nicht erledigt, aber doch verändert.

Die jeweiligen Investoren sowie die beteiligten Behörden und Institutionen betonen auch deshalb, dass die Neubauten sich nun nach ökologischer und ökonomischer Abwägung gut ins Stadtbild einfügten.

Der historische Botanische Garten des KIT mit dem bekannten Palmen-Glashaus am Adenauerring wird inzwischen ohnehin erst zu einem heute vagen Zeitpunkt zum Neubaugebiet für das KIT . Als das Projekt 2016 öffentlich wurde, sollte alles viel größer werden und schneller gehen. Doch erst hielt die Kritik das Projekt auf, dann speckte der Investor Tschira selbst kräftig ab.

Palmenhaus steht noch lange am Adenauerring

Im November 2017 beschloss der Gemeinderat den Bebauungsplan. Der lässt fünf Baukörper zu. Die Tschira Stiftung will aber nur noch zwei statt fünf Häuser bauen und sie dann dem Land und damit dem KIT zur Nutzung schenken. Nach dem Teilrückzug von Tschira sind weitere Bauten am Adenauerring und noch mehr das völlige Verschwinden des Botanischen Gartens mit Palmenhaus auf die lange Bank geschoben.

Schreberidylle weggebaggert

Die Schreberidylle der Genossen in dem großen grünen Oststadtkarree der Hardtwaldsiedlung, einer denkmalgeschützten Anlage des Sozialen Wohnungsbaus aus der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg, aber ist jetzt weitgehend zerstört. Stattdessen bekommen am Fasanengarten bald viele Menschen in Neubauten eine attraktive Stadtadresse. Den Angestammten bleibt im Vergleich zu anderen Kernstadtbewohnern trotz des Kahlschlags in der Mitte ihrer geliebten Oase noch einiges Grün.

Auch ohne Spatenstich soll es losgehen

Am Fasanengarten ist das Baugelände schon zerwühlt. Erdhügel sind aufgeschüttet, in den ersten Gruben kann jetzt schnell Beton fließen. Dagegen sind auf der KIT-Erweiterungsfläche am Adenauerring erst mal nur zwei Bagger in Stellung gerollt.

„Die Arbeiten beginnen jetzt“, zerstreut Monika Landgraf, die Pressesprecherin des KIT, jeden Zweifel am Baubeginn, nachdem jüngst der feierliche Spatenstich mit vielen Honoratioren wegen der Coronagefahr kurzfristig abgeblasen wurde. Zu gegebener Zeit, vielleicht im Herbst, wolle die Tschira Stiftung eine Feier nachholen, weiß Landgraf.

Für  sechsstöckiges InformatiKOM fehlt die Genehmigung

Nach Information aus der Stadtverwaltung kann am Adenauerring allerdings zunächst nur mit dem zweiten Gebäude des Komplexes losgelegt werden. „Für das sechsgeschossige InformatiKOM1 ist noch keine Baugenehmigung erteilt worden, der Bauantrag ist hier noch nicht vollständig“, berichtet Helga Riedel vom Presseamt.

Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

Das InformatiKOM vereint Informatik und Wissenschaftskommunikation. „Am Adenauerring entsteht ein Forum für den Austausch zwischen Universität und Gesellschaft“, erklärt KIT-Sprecherin Landgraf. Institute der Informatik seien dort mit Einrichtungen der Wissenschaftskommunikation und der Kulturwissenschaft zusammengeführt.

Das sechsgeschossige Hauptgebäude InformatiKOM 1 das als Pendant zum Studierendenzentrum mit der Mensa und dem Bibliotheksturm beim KIT-Haupteingang auf der anderen Seite des Adenauerrings steht, erhält deshalb neben Seminar- und Arbeitsräumen für Wissenschaftler und Studierende Flächen für den gesellschaftlichen Dialog.

Drei Jahre Bauzeit

Das Darmstädter Architekturbüro Bernhardt und Partner hat einen Bau um ein Atrium, das von einem transparenten Dach abgeschlossen wird, konzipiert.

Zusammen mit dem nach Osten versetzten dreigeschossigen und dreieckigen InformatiKOM 2 stehen dem KIT künftig 10.000 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche per direkter Erweiterung seins Campus Süd zur Verfügung. Laut Landgraf wird nun drei Jahre am InformatiKOM gebaut. In das InformatiKOM2 kommt das Studienzentrum für Sehgeschädigte.

Und wer wird vorne im Haus 1 einziehen? Das Robot Design Atelier, das die KIT-Technologie mit den gesellschaftlichen Bedürfnissen in Einklang zu bringen versucht, sowie Institute der Informatik, der Studiengang Wissenschaft-Medien-Kommunikation und das Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale stehen auf der Liste.

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