Russlands Außenminister Lawrow
Der russische Außenminister Sergej Lawrow bei einer Pressekonferenz im Auswärtigen Amt. | Foto: Bernd von Jutrczenka

Kommentar

Problematische Renovierung

Anzeige

Er ist ein Meister der spitzen Seitenhiebe, des bösen Sarkasmus und des demagogischen Vernebelns von Konflikten, die ein Schlaglicht auf Russland werfen: Moskaus Außenminister Sergej Lawrow. In Berlin regte nun der für seinen Zynismus berüchtigte Chefdiplomat des Präsidenten Putin nun die „Renovierung eines gemeinsamen europäischen Hauses“ an.

Mit anderen Worten: Russland möchte, dass alle Streitigkeiten vergessen werden, dass der Westen die Sanktionen beendet und Putins Machtfantasien ernst nimmt. Im Gegenzug wäre Moskau gewillt, über eine produktive Zusammenarbeit zu reden. Aber nur, wenn sein strategisches Interesse einer „multipolaren Welt“ gewahrt wird, in der Russland als Gegenspieler der USA den Ton angeben soll.

Zur Erinnerung: Es war Gorbatschow, der vor mehr als 30 Jahren dem Westen ein „gemeinsames europäisches Haus“ vorschlug. Eine schöne spätsozialistische Utopie, die sich bald an der Realpolitik zerschlug. Auch Lawrows Vorschlag ist nett gemeint, aber man sollte ihn nicht zu ernst nehmen. Schon im kleinen EU-Haus wackeln gerade gefährlich die Wände, wie soll es erst gemeinsam mit dem großen Russland funktionieren?

Als Mitbewohner, der sich an keine Regeln hält, würde Putin zudem die Geduld der Europäer sehr strapazieren. Vor dem Einzug sollte Russland sich erst einmal als vertrauenswürdig erweisen. Zum Beispiel indem es dafür sorgt, dass in der Ukraine die Waffen schweigen und allmählich die Normalität einkehrt.