Allseits beliebt: Juri Gagarin flog 1961 als erster Mensch ins All.

Juri Gagarin

Rätselhafter Tod einer Legende

Anzeige

Eine triviale Pinkelpause erinnert heute an einen der größten Helden des 20. Jahrhunderts. Jedes Mal, wenn auf dem russischen Weltraumbahnhof Baikonur die Astronauten zur startbereiten Sojus-Rakete fahren, halten sie in der Steppe an und pinkeln an den Hinterreifen des Transportbusses – so wie es einst Juri Gagarin getan hat.

Der Pionier im All bleibt eine Faszination für viele Menschen, nicht nur in dessen Heimatland, das nach Gagarin eine Stadt, Schulen, Preise, Parks, ein Motorradrennen und einen Asteroiden benannt hat. Der deutsche Kosmonaut Sigmund Jähn sieht in Gagarin ein Vorbild für heutige Generationen. „Seine Möglichkeit, mit anderen Leuten zurechtzukommen, sprach für ihn“, schwärmt der Deutsche von seiner Begegnung mit dem legendären Russen. Gagarins 108-minütige Erdumkreisung am 12. April 1961 und der weltweite Trubel danach sind bestens dokumentiert. Nicht jedoch die rätselhaften Umstände seines Todes vor genau 50 Jahren, um den sich nach wie vor viele Spekulationen und wilde Theorien ranken.

Am 27. März 1968 stürzte der damals 34-jährige Oberst bei einem Testflug mit einer MiG-15 in Zentralrussland ab. Gemeinsam mit dem Raumfahrer starb damals sein Kollege Wladimir Serjogin. Beide Militärs waren sehr erfahren. Vor der Katastrophe soll Gagarin den Kampfjet ohne Probleme 18 Mal gesteuert haben. Es war ein Schock für die Sowjetunion, zumal die staatlichen Ermittler im Dunkeln tappten und die Parteiführung dem trauernden Volk keine schlüssige Erklärung vorlegen konnte.

Experten schlossen technisches Versagen schnell aus. Auch die Obduktion beider Piloten ergab nichts Auffälliges. Und so nannte das geheime Fazit des 29-bändigen offiziellen Berichts faktisch das menschliche Versagen als Grund des Unglücks. Schlechte Wetterbedingungen hätten Gagarin und Serjogin dazu gezwungen, die Wolkenschicht zu verlassen. Dabei hätten sie es nicht geschafft, die Maschine zu stabilisieren und seien fast senkrecht in den Boden gerast, schrieben die Militärexperten. Das durfte die Sowjetbevölkerung nicht erfahren.

Dafür brodelte bald die Gerüchteküche. Eine populäre Erklärung war es, dass die Parteiführung im charismatischen Volkshelden Gagarin einen gefährlichen Konkurrenten gesehen habe und ihn deswegen habe töten lassen. Laut einer anderen Theorie musste der Kosmonaut sterben, weil er bei seinen Auslandsreisen auf den Geschmack des schönen Lebens im Westen gekommen war und überlaufen wollte. Wiederum andere glaubten, dass Serjogin neidisch auf Gagarins Ruhm gewesen sei und den Jet absichtlich in den Boden gelenkt habe. Natürlich gab es auch ein Gerücht, dass die Außerirdischen den Weltraumpionier geholt hätten.

2013 ging der Kosmonaut Alexei Leonow mit einer anderen Erklärung an die Öffentlichkeit, nachdem er zuvor angeblich Zugang zu geheimen Unterlagen erhalten hatte. Laut Leonow brachte der Luftstrom eines anderen Flugzeugs, das bei einem waghalsigen Manöver zu nahe an Gagarins MiG-15 geflogen war, den Kampfjet des Raumfahrers ins Trudeln, woraufhin er abstürzte. Leonow weigerte sich aber zu sagen, wer im Cockpit der ersten Maschine saß. Ihr Pilot war nach seinen Worten 2013 aber noch am Leben.