Luftaufnahme des Hotels Seezeitlodge am Bostalsee im Saarland.
Zugpferd des Saarlandes: Der Bostalsee unweit der Grenze zu Rheinland-Pfalz ist der größte Freizeitsee Südwestdeutschlands. | Foto: Schummer

Saarlands Nordosten

Urlaubsgefühle am Bostalsee

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Lust auf Urlaub im Saarland? Mit alten Kelten und einem Revier für Segler, Surfer und anderen Wasserratten? Dann ab an den Bostalsee im Sankt Wendeler Land. Ende der 7oer Jahre wurde er aufgestaut, um den Tourismus im Nordosten des kleinen Bundeslandes zu beleben. Heute ist er das Zugpferd der ganzen Region.

Vom See zum Peterberg

Wenn Jürgen Barth die kleine Kapelle auf dem Peterberg im saarländischen Braunhausen betritt, kommen bei ihm höchst persönliche Erinnerungen hoch. „Mein Vater war Schreiner, und ich habe ihm beim Bau der Holzbank geholfen“, erzählt der groß gewachsene Mann, dessen Saarländer Singsang unweigerlich an Heinz Becker und seine Hilde erinnert.

Kapelle auf dem saarländischen Peterberg unweit des Bostalsees.
Die Kapelle auf dem Peterberg ist beliebt bei Hochzeitspaaren. | Foto: wit

Dem Donar geweiht

Lang, lang ist‘s her, der freiwillige Einsatz an einem Ort, der in vorchristlicher Zeit dem Donnergott Donar geweiht war, an dem sich Wetterhexen herumgetrieben haben sollen und zu dem Jahrhunderte lang Wallfahrer pilgerten. Denn in der Nähe sprudelt der Grindborn, der bei Schorf und Krätze helfen sollte.

Heiraten in der winzigen Kapelle

Doch dann zerfiel das Kleinod, bis sich die sieben Ortschaften rund um den Peterberg an den geschichtsträchtigen Platz erinnerten und an die Marktfeste, die dort Jahr für Jahr gefeiert wurden. Jetzt wandern Planung und Organisation des Patroziniumsfestes von Dorf zu Dorf. Der Erlös kommt dem Erhalt der winzigen Kapelle zugute, die bei Heiratswilligen außerordentlich beliebt ist.

Landschaftsaufnahme vom Nordosten des Saarlandes unweit des Bostalsees.
Der Nordosten des Saarlandes ist ein Mix aus goldgelben Feldern, bunt getupften Wiesen und grünen Waldinseln. | Foto: wit

Im Nordosten des Saarlands

Wirklich wundern muss einen dies nicht. Wo sich Hunsrück und Hochwald treffen, wo Luxemburg ganz nah und Frankreich nicht fern ist, scheint die Welt noch in Ordnung zu. Wie Meereswellen branden die sanft gerundeten Kuppen des Mittelgebirges gen Süden. Getreidefelder sind blau gesprenkelt mit Kornblumen. Hunderte farbenprächtige Schmetterlinge tänzeln vergnügt von Blüte zu Blüte. Winzige Weiler schmiegen sich in Mulden, stemmen sich standhaft gegen die Hektik der Zeit.

Ein Landstrich für Radfahrer

Der Nordosten des Saarlands ist eine stille Region. Wo aus der Ferne der Erbeskopf, der höchste Berg des Hunsrück grüßt, gibt es einen Mix aus goldgelben Feldern, bunt getupften Wiesen und grünen Waldinseln, durch die munter mäandernde Bäche fließen. So wenig herausfordernd Peterberg, Dollberg oder Kahlenberg auf den ersten Blick wirken: Die E-Mountainbikes, mit denen Jürgen Barth seine Schützlinge ausgestattet hat, sind Gold wert. weil selbst weniger trainierte Zeitgenossen knackige Anstiege mühelos meistern.

Quelle im Nordosten des Saarlandes unweit des Bostalsees.
Radfahren ist eine Möglichkeit, wie man den Nordosten des Saarlandes entdecken kann. | Foto: wit

Vom Weinkeller zu Erkundungen

Der Job als Radtourenguide ist nur eine Aufgabe des heimatverbundenen Saarländers in der „Seezeitlodge“ am Bostalsee. Normalerweise kümmert sich Jürgen Barth um den Weinkeller, sorgt dafür, dass die längst wertgeschätzten Mosel- und Naheweine nicht ausgehen. Doch wenn er Zeit hat, nimmt er die Gäste des Vier-Sterne-Superior-Hotels mit auf Erkundungen.

Kunstweg führt zum Bostalsee

Im Oberthaler Bruch mit seinen malerischen Weihern wachsen Sonnentau, Knabenkraut und andere gefährdete Pflanzenarten. In Wiltingen liegt einer der ältesten Weinberge der Welt und an der Skulpturenstraße, die von Sankt Wendel bis zum Bostalsee führt, haben 48 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt ein einzigartiges Freiluftmuseum geschaffen.

Zu den Kelten in Otzenhausen

Jürgen Barths Lieblingstour aber führt nach Otzenhausen, zum dortigen keltischen Ringwall, der bereits im 1. Jahrhundert vor Christus als Schutz gegen die Römer erbaut wurde;  Julius Cäsar sprach vom „Murus callicius“. Bis zu zwölf Meter ragt das monumentale Bauwerk in die Höhe, zu dessen Füßen eine keltische Siedlung nach historischem Vorbild rekonstruiert wurde. Der Fürst vom Dollberg, der bei Führungen die Teilnehmer mit auf eine Zeitreise nimmt, war in Wirklichkeit ein mächtiger keltischer Herrscher vom Stamm der Treverer.

Keltischer Ringwall bei der saarländischen Gemeinde Otzenhausen, unweit des Bostalsees.
Der keltische Ringwall von Otzenhausen ist ein Bauwerk von Weltrang. | Foto: wit

Volksmund spricht vom Hunnenring

Die heldenhaften Krieger, die jedem Asterix-Leser bestens bekannt sind, haben viele Spuren im Saarland hinterlassen – nicht nur das archäologische Denkmal von Weltrang, das der Volksmund auf den Namen Hunnenring taufte. In Grabhügeln bei Weiskirchen wurden Prunkwaffen und prächtiges Geschmeide ans Tageslicht befördert. Bei Blieskastel ragt der größte Menhir Mitteleuropas in den Himmel.

Keltenpark im Saarländischen Ort Otzenhausen, unweit des Bostalsees.
Auch Kinder haben ihren Spaß am Kelten-Kult. | Foto: wit

Traumschleifen für Wanderer

Doch die meisten Touristen kommen zum Wandern ins Sankt Wendeler Land.  Ihre Lieblingsadressen sind der  berühmte Saar-Hunsrück-Steigs, der regelmäßig Bestnoten einheimst, oder die Traumschleifen,

Blick auf den Bostalsee im Nordosten des Saarlandes.
Der Bostalsee ist mit 120 Hektar der größte Freizeitsee Südwestdeutschlands. | Foto: wit

zertifizierte Rundwegen, die mal mehr, mal weniger anspruchsvoll sind. Die Hubertusrunde bei Nonnweiler im noch ziemlich neuen Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist mit 280 Höhenmetern und einer Gesamtlänge von 10,2 Kilometern so kurz, dass kälteresistente Naturen am Nachmittag noch zur Abkühlung in den Bostalsee hüpfen könnten.

Tourismusmagnet Bostalsee

Der mit 120 Hektar größte Freizeitsee Südwestdeutschlands verdankt seine Existenz nicht etwa dem Hunger nach Kies, auch nicht der Gier nach Strom. Er wurde in den 70er-Jahren angelegt, um den Tourismus in diesem Landstrich nahe der Grenze zu Rheinland-Pfalz anzukurbeln. Ein ziemlich tollkühnes Unterfangen, dachten damals nicht wenige.

Mehr Übernachtungsgäste

Längst ist der Bostalsee das Zugpferd des Saarlandes. In der Gemeinde Lohfelden, auf deren Gemarkung der größte Teil des Sees liegt,  haben sich die Übernachtungszahlen innerhalb weniger Jahre um 500 Prozent gesteigert. Center-Parks hat hier vor einigen Jahren 500 Bungalows und ein Tropen-Erlebnisbad ans Ufer gestellt. In der Segelschule lernen Eleven den richtigen Umgang mit Tampen und Topp. Und am Hafen warten Tretboote und Räder auf Bewegungshungrige.

Hotel Seezeitlodge am Bostalsee im Nordosten des Saarlandes.
Sie Seezeitlodge am Bostalsee verbindet Design und Wellness. | Foto: wit

Futuristische Seezeitlodge

Seit einem Jahr nun thront die Seezeitlodge über dem Bostalsee, ein futuristischer Bau in exponierter Lage auf einem kleinen bewaldeten Kap, der sich in kürzester Zeit zu einem Rückzugsort für gestresste Zeitgenossen entwickelt hat. Durch die riesigen Panoramafenster der Lobby schweift der Blick weit über See und Hügel. Im Außenbecken ziehen Schwimmer ihre Runden. Im Saunaareal, das einem keltischen Dorf nachempfunden wurde, können Gesundheitsbewusste bei den unterschiedlichsten Temperaturen schwitzen.

Wo Design auf Wellness trifft

Weil die Seezeitlodge von Wald umgeben ist, wurde die Fassade mit Holzlamellen verkleidet, die durch ihren natürlichen Alterungsprozess im Lauf der Zeit eine silbrig schimmernde Oberfläche erhalten werden. Dass es das moderne Hotel überhaupt gibt, hängt eng mit einem Saarländer zusammen, der gleichsam als Erfinder der Tiefkühlpizza gilt. Ernst Wagner, Bäcker und Gastronom im benachbarten 850-Seelen-Dorf Braunshausen, brachte die Idee Anfang der 70er-Jahre von einer Italienreise mit. Seine Nachfahren haben einen zweistelligen Millionenbetrag in die Herberge investiert, wo Design auf Wellness trifft.

Terrasse mit Seeblick

Tiefkühlpizza wird auf der schon fast mediterran wirkenden Terrasse mit abgöttisch schönem Seeblick zwar nicht serviert, doch die Anklänge an den einstige Bäckerbetrieb sind nicht zu übersehen. Abends gibt es die köstlich duftenden Laibe in einem Leinensäckchen, in Begleitung von Kräuterbutter auf einem Stein. Morgens in zahllosen Variationen beim Frühstücksbüfett. Damit sich die Kohlenhydratbombe nicht gleich auf die Hüften legt, geht es zum Abtrainieren auf den 6,8 Kilometer langen Rundweg am See. Und wenn das nicht genügt, für den bleibt ja noch die Rad-Kletterei mit Jürgen Barth.

Altstadt von Sankt Wendel im Saarland
Heimelige Gassen und schmucke Bürgerhäuser prägen die Altstadt von St. Wendel. | Foto: wit

Informationen

Anreise: Von Karlsruhe nach Gonnesweiler am Bostalsee sind es knapp 200 Kilometer. Am bequemsten ist die Anfahrt über die A6 und A62, am schönsten die Fahrt durch den Pfälzer Wald über Pirmasens.

Keltenpark: Der Keltische Ringwall Otzenhausen ist eine der eindrucksvollsten keltischen Befestigungsanlagen in Europa. Ein 4,2 Kilometer langer archäologischer Wanderweg führt um das einzigartige Denkmal. Am Fuß des Ringwalls steht die Rekonstruktion der keltischen Siedlung. Das Keltendorf hat bis Ende Oktober donnerstags bis samstags von 13 bis 18 Uhr geöffnet, sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene kostet 2,50 Euro, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren 1,50 Euro.

Führungen: Jeden Samstag, 11 Uhr, gibt es eine Führung durch die Kreisstadt Sankt Wendel auf den Spuren berühmter Zeitzeugen. Treffpunkt ist das Hauptportal der Basilika.
Wer lieber mit dem Nachtwächter durch die saarländische Stadt streifen möchte: Von Mai bis September starten die Touren freitags um 21 Uhr bei der Basilika, in der übrigen Zeit geht es um 20 Uhr los.

Übernachten: Die Seezeitlodge (Am Bostalsee 1, 66625 Gonnesweiler, Telefon (0 68 52) 8 09 80) hat insgesamt 98 Zimmer und Suiten. Übernachtung mit Frühstück gibt es ab 198 Euro pro Nacht und Zimmer, Alleinreisende zahlen 138 Euro. Die Pauschale „Seezeit erleben“ schließt drei Übernachtungen mit Halbpension ein und kostet ab 398 Euro pro Person. „Magisches Samhain“ wird vom 28. Oktober bis 1. November gefeiert. Vier Übernachtungen mit Halbpension gibt es ab 438 Euro pro Person im Doppelzimmer.

Auskünfte: Tourist-Information Sankt Wendeler Land, Am Seehafen 1, 66625 Nohfelden Bosen, Telefon (068 52) 9 01 10.

Freizeitzentrum Bostalsee, Seeverwaltung, Am Seehafen 1, 66625 Nohfelden-Bosen, Telefon (0 68 52) 9 01 00.