die Plaza del Cabildo in Sanlúcar de Barrameda an der Costa de La Luz in Spanien.
Ein Ort, der Geschichte schrieb: In Sanlúcar de Barrameda – hier die Plaza del Cabildo – startete Magellan zur ersten Weltumseglung. | Foto: ©andreslebedev / Adobe Stock

An Spaniens Costa de La Luz

Auf dem Guadalquivir in alle Welt

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Das bitte soll Spanien sein? Das Sonnenparadies der Costa de la Luz mit stets sommerlichen Temperaturen? Das Urlaubsmekka, wo sich die Touristen in der Hauptsaison auf die Füße treten? Ein kühler Wind fegt über den menschenleeren, goldgelben Strand, der sich am Horizont verliert. Nicht jener warme Levante, der Strandläufern und Sonnenanbetern ein belebendes Sandpeeling beschert, sondern der berühmt-berüchtigte Nordwind.

Der Nationalpark Coto de Doñana an der Costa de la Luz in Spanien
Spaniens wichtigstes Feuchtgebiet: Der Nationalpark Coto de Doñana mit dem feudalen Palacio de las Marismillas ist ein Paradies für Zugvögel und zählt zum Weltnaturerbe. | Foto: wit

Der Nationalpark Coto de Doñana

Er scheppert gerne einmal mit mehr als sieben Beaufort durch die Dörfer an der Costa der la Luz. Er peitscht den Atlantik gegen den Strand; er wühlt den behäbig dahinfließenden Guadalquivir in seinem breiten Bett auf, rüttelt wütend an den Ankerketten zahlreicher Fischer- und Freizeitboote. Doch auch wenn sich der ungeliebte Besucher verziehen würde – die kilometerlange Sandküste gegenüber von Sanlúcar de Barrameda wäre noch immer genauso einsam wie Robinson Crusoes Eiland.

Ein unverbautes Stück Natur

Keine Straße führt zu diesen paradiesischen Gestaden. Keine Bettenburg reckt sich hier gen Himmel. Kein Einkaufszentrum verschandelt die Landschaft. Gelegentlich schaut eine Barke vorbei, um die paar naturbegeisterten Wanderer aufzulesen. Denn gleich hinter dem Strand beginnt einer der letzten unverbauten Naturabschnitte der spanischen Südküste: der Nationalpark Coto de Doñana
mit seinem Flickenteppich aus Pinienwäldern, Korkeichenhainen, Wanderdünen und sumpfigem Marschland.

Dass Spaniens wichtigstes Feuchtgebiet – zum 54 000 Hektar großen Nationalpark gesellt sich eine 26 000 Hektar große Pufferzone – sowohl dem Bauboom widerstanden hat, als auch vor sterilen Plastikfolien-Gewächshäusern verschont blieb, grenzt an ein Wunder.

Einst Jagdrevier der Könige

Schon während der Franco-Diktatur wurde der ökologische Wert des einstigen Jagdreviers der spanischen Könige erkannt. 1969 wurde das Juwel als Nationalpark ausgewiesen und der Schutz der Küste sowie der Marisma gesetzlich festgeschrieben: jene flachen Landstriche, die regelmäßig überschwemmt werden und wo selbst am Ende eines heißen Sommers noch Brackwasser steht.

Seit 1994 Weltnaturerbe

Seit 1994 zählt die Doñana zum Weltnaturerbe, doch die Gier nach Wasser für Andalusiens Landwirtschaft ist groß. Illegale Bohrlöcher graben dem kleinen Flüsschen Rocina, der „Mutter der Marsch“, das Wasser ab. Sie sorgen dafür, dass einst sumpfiges Marschland trocken fällt.

am Ufer des Guadalquivir in Sevilla
An den Ufern des Guadalquivir – hier in Sevilla – startete vor 500 Jahren die erste Weltumseglung. | Foto: wit

Wer sich von Sanlúcar de Barrameda auf die andere Seite des über 650 Kilometer langen Guadalquivir übersetzen lässt, fühlt sich auf den ersten Blick wie am Wattenmeer oder auf Sylt. Bis zu 40 Meter hohe Dünen ragen in den Himmel, trennen den Fluss von Überschwemmungsflächen, zeugen von den riesigen Mengen Sand, die der Guadalquivir in seinem Delta ablagert.

Bilder wie in Afrika

Vom kleinen Landungssteg geht es nur noch zu Fuß oder per bulligem Geländefahrzeug weiter; der Anblick würde auch in die Savanne Afrikas passen. Die breiten Reifen graben sich tief in den sandigen Untergrund ein; sie bahnen sich ihren Weg vorbei an uralten Pinien, an den steinzeitlich anmutenden Häuschen einer längst verlassenen Siedlung und dem ziemlich feudalen Palacio de las Marismillas, wo sich Spaniens Ministerpräsident von schlechten Wirtschaftsdaten erholen kann.

Souvenirgeschäft an der Costa de la Luz in Spanien
Die Costa de la Luz ist ein beliebtes Urlaubsziel. Entsprechend groß ist das Angebot an Souvenirs – wie hier in Vejer de la Frontera. | Foto: wit

Die wenigsten Besucher kommen allerdings wegen des schneeweißen Gebäudes, das eher an eine Finca, denn an einen Palast erinnert. Sie lockt der Tierreichtum des Nationalparks. Die Doñana ist ein Paradies für Zugvögel, die in den seichten Uferabschnitten und den Lagunen einen reich gedeckten Tisch vorfinden.

Quartier für Zugvögel

Schätzungsweise sechs Millionen der gefiederten Gäste legen hier eine Pause ein, wenn sie im Frühjahr und Herbst die halbe Welt queren. Rosa Flamingos stapfen durch flache Wasserstellen. Löffler und Reiher gesellen sich dazu. Selbst der Spanische Kaiseradler kreist majestätisch in den Lüften. Damhirsche, Wildschweine und verwilderte andalusische Pferde ziehen unbehelligt durch den Park. Für den Iberischen Luchs, von dem es nur noch einige wenige Dutzend Exemplare gibt, ist das Schutzgebiet die letzte Zufluchtsstätte.

die Wallfahrtskirche El Ro´cio an der Costa de la Luz in Spanien
Ziel der Wallfahrer: Abertausende pilgern jedes Jahr zu Pfingsten zur Ermita des 800-Seelen-Ortes El Rocío. | Foto: ©german_click / Adobe Stock

Wallfahrt nach El Rocío

Einmal im Jahr erwacht das nahegelegene El Rocío zum Leben. Dann ist das 800-Seelen-Dorf Ziel der größten Wallfahrt ganz Spaniens . Den Rest des Jahres wirken die zweigeschossigen weißen Häuser rund um die Wallfahrtskirche Ermita del Rocío wie die perfekte Kulisse eines Westernfilms – herausgeputzt, aber irgendwie tot.

Hoch zu Ross zur Reina

Zu Pfingsten aber platzt der verschlafene Ort aus allen Nähten, wenn sich eine Million Pilger, viele davon hoch zu Ross, zum gemeinsamen Gebet vor der Statue der Jungfrau versammeln. Fröhliche Gesänge mischen sich während der Pfingstsause mit Tränen, Seufzern und inbrünstigen Gelöbnissen. Geschmückte Kutschen folgen der Heerscharen der Bruderschaften, deren größtes Glück die flüchtige Berührung der „Reina de los Marismas“ ist. Es wird gelacht und getrunken. Teller mit Iberico-Schinken, Käse und Tortilla machen die Runde, denn Spaniens größte Wallfahrt ist eine spektakuläre Explosion aus Farben und Musik; ein frommes Schauspiel zwischen Tagesanbruch und Sonnenuntergang, das niemanden Schlaf finden lässt.

Startpunkt der ersten Weltumseglung

Dass an den Gestaden des Guadalquivir einst epochale Entdeckungsreisen geplant wurden, scheint die Menschen an der Costa de la Luz nicht sonderlich zu beeindrucken. Dabei begann hier, vor exakt 500 Jahren, Magellans erste Weltumseglung, die einige Jahre später ziemlich tragisch endete. Ein von Würmern zerfressenes, von Stürmen gebeuteltes Segelschiff namens „Victoria“ trieb in der Mündung des großen spanischen Flusses, an Bord 18 verwilderte Gestalten – der kümmerliche Rest jener 265 Matrosen, die auf fünf Schiffen zu ihrer Reise um die Welt aufgebrochen haben.

die Eisfabrik in Sanlúcar de Barrameda an der Costa de la Luz in Spanien.
Von der Eisfabrik in Sanlúcar de Barrameda ist nur noch die prächtige Fassade mit der Kachelkunst übrig. | Foto: wit

Auf Spurensuche nach Magellan

Im alten Fischereihafen von Sanlúcar de Barrameda braucht es schon gehörigen Spürsinn, um die Kunde von Aufbruch und Ankunft, von Start und Ziel zu entschlüsseln. Keine Tafeln, keine Denkmäler erinnern an den Portugiesen in spanischen Diensten, der die Heimat nie wiedersehen sollte; nur eine Straße erhielt seinen Namen.

Bootsbau hat Tradition

Noch immer zeugen hölzerne Schiffsrümpfe von der Jahrhunderte alten Tradition des Bootsbaus. Doch die Touristen kommen aus anderen Gründen. Sie bummeln durch die Altstadt mit ihren prachtvollen Kirchen und Palästen, genießen den weiten Panoramablick vom Castillo de Santiago oder besuchen die Eisfabrik von Anfang des 20. Jahrhunderts, die heute ein Besucherzentrum beherbergt.

Bodega an der Costa de la Luz in Spanien.
Der Besuch in einer Bodega an der Costa de la Luz ist Pflicht. | Foto: wit

Ein Hoch auf den Sherry

Hinter den weiß getünchten Mauern der Weinlager reift der hochgeschätzte Manzanilla, ein blass-gelber sherry-ähnlicher Wein, dessen Geschmack auf die Kombination aus sandigem Boden und dem hohen Salzgehalt der Meeresluft zurückzuführen ist. In den Bodegas des alten Fischerviertels werden Garnelen, frittierte Seeanemonen und in Weinessig eingelegte Sardellen aufgetischt.

Auf der anderen Seite des Guadalquivir ist längst Ruhe eingekehrt. Die wenigen Touristen, die durch den Nationalpark streiften, sind heimgekehrt. Die Abertausend Vögel sind wieder unter sich. Nur der berühmt-berüchtigte Nordwind kommt nicht zur Ruhe und peitscht unablässig über das weite Land.

Informationen

Anreise: Condor fliegt dreimal wöchentlich ab Frankfurt nach Jerez de la Frontera. Flüge gibt es ab 50 Euro pro Strecke.

Rundreisen: Jerez, Cádiz, Ronda, Granada und Córdoba stehen auf dem Programm der achttägigen „Großen Andalusien-Rundreise“ von Neckermann. Im Preis inbegriffen sind sieben Übernachtungen in Vier-Sterne-Hotels, Halbpension, der Flug sowie die Transfers und die Führungen. Das Paket kann ab 1 019 Euro pro Person gebucht werden.

Die Mitwagenrundreise „Faszinierendes Andalusien“ von Thomas Cook führt ebenfalls nach Sevilla, Córdoba, Ronda und nach Puerto de Santa Maria. Im Preis inbegriffen, ist die Übernachtung mit Mahlzeiten, der Flug sowie der Mietwagen. Kosten ab 629 Euro pro Person.

Übernachten: Fast alle Pauschalreiseanbieter haben die Costa de la Luz im Programm. Sieben Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstück im Fünf-Sterne-Hotel Iberostar Andalucía Playa in Novo Sancti Petri gibt es bei Thomas Cook Signature ab 656 Euro.

In Islantilla liegt das Vier-Sterne-Hotel Ama Islantilla Sentido, das Neckermann im Programm hat. Das Hotel liegt in der Nähe des Nationalparks Doñana und ist ideal für Ruhesuchende und Golfer. Sieben Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstück gibt es ab 497 Euro pro Person. Wer die Anreise selbst organisieren möchte, zahlt ab 245 Euro pro Person.

Touren in den Doñana-Nationalpark: Mehrere Veranstalter bieten Touren in den Nationalpark an. Donanavisitas (Telefon 00 34 / 9 59 43 04 32) startet zweimal täglich ab Sanlúcar zu vierstündigen Exkursionen im Geländebus. Kosten: 30 Euro für Erwachsene und 15 Euro für Kinder zwischen vier und acht Jahren.

Doñanareservas bietet neben der klassischen Tour auch spezielle Programme für Vogelkundler und Fotografen an. Auch private Touren ab drei Personen sind möglich. Sie dauert fünf Stunden und kostet 60 Euro pro Person.

Auskünfte: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt, Telefon (0 69) 72 50 38.