Zwischen den Meeren: Die Glass Window Bridge auf Eleuthera | Foto: gw

Bahamas – Freiheit im Meer

Einmal alles, bitte

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Die Freiheit? Liegt wie ein unsauber gesponnener Wollfaden im Wasser, meist ganz dünn, mal etwas dicker, an den Enden im Norden leicht verknäult und im Süden ausgefranst. Auf der einen Seite der schönen Schnur: aufbrausend-leidenschaftlich und tiefblau der Atlantik. Auf der anderen: seicht-verträumt und sanft türkisfarben die karibische See. Willkommen auf Eleuthera & Harbour Island, willkommen in der Wiege der Bahamas. „Willkommen auf der Insel der Freundlichkeit“, sagt Jeremy, der auf dem rund 130 Kilometer langen Steinfaden geboren wurde und dort seit gut 40 Jahren zu Hause ist.

Aufbrausend und sanft

Eleuthera, griechisch für „Freiheit“, ist die längste der mehr als 700 Inseln umfassenden Bahamas. Ihren hellenischen Namen erhielt das lang gezogene Eiland einst von britischen Puritanern, die dort ungestört ihre Religion ausüben konnten. Ungestört lässt’s sich auch heute noch leben auf dem zart besiedelten Außenposten der weit- wie lang gestreckten bahamaischen Inselwelt. Das nutzen nicht zuletzt Promis und Super- sowie Super-Super-Reiche, für die die Bahamas ohnehin ein Paradies mit einer Art Privat-Garantie sind. „Du wirst hier nicht gefunden“, bemerkt C.J., während er sein Schnellboot an David Copperfields Privatinsel auf den Exumas vorbeilenkt – die sieben Inseln des schwerreichen US-Unternehmers John Fry („Frys Electronics“) hat er gerade hinter sich gelassen.

Temporäre Schönheit: Sandbank bei den Exumas. | Foto: gw

Für Paparazzi mögen die Exumas mit ihren 305 Inselchen ein Alptraum sein, für alle anderen: ein wahr gewordener Traum. Die Fahrt entlang der auf mehr als hundert Kilometer aneinandergereihten Cays und Inseln ist ein prachtvolles Spiel der Farben. Das Wasser seicht grün, leuchtend türkis, hell- und tiefblau, die weißen Strände, die teils üppig grün bewachsenen Inseln. Wem das noch nicht genug ist, der springt hinein ins Meer und die fantastische Unterwasserwelt, und wem das immer noch nicht reicht, der schnorchelt in die sagenhafte „Thunderball-Grotte“ bei Staniel Cay: in ihr ging einst Sean Connery im Bond-Streifen „Feuerball“ in geheimdienstlicher Mission baden.

Schweine & Bond: Besondere Bade-Erlebnisse

Wem Fische zu langweilig sind, der geht halt mit Schweinen ins Wasser. Es waren Farmer, die vor rund 30 Jahren die Viecher auf Big Major Cay wohl in erster Linie aus praktischen Erwägungen aussetzten – auf der unbewohnten Insel braucht zum Beispiel man keine Zäune. Mittlerweile gelten die Schweinchen als eine der Haupt-Attraktionen – wobei sie ihrerseits mehr an dem Brot interessiert sind, das die Touristen-Guides parat haben, als daran, mit Touristen ein paar Runden zu drehen. Entsprechend rücksichtslos paddeln die Wasser-Wutzen inmitten der Menschen herum.

Flink sind sie jedenfalls, die Schweine, das muss man ihnen lassen. Aber attraktionsmäßig abgehängt werden sie, als C.J. nach dem Sauen-Bad eine Sandbank bei Pipe Cay inmitten des türkis-grün-blauen Wasserwunders ansteuert. Dort bereitet er frischen Conch-Salat zu, der direkt verspeist wird, während die langsam steigende Flut die Füße umspült. Die Conchs – Meeresschnecken in und mit einem imposanten Gehäuse – hat C.J. zuvor aus dem Meer geholt. Ein kürzerer Weg zum Endverbraucher ist nicht mehr möglich.

Sandbank-Snack: Yellow und C.J. bereiten frischen Conch-Salat zu. | Foto: gw

Die Conchs spielen eine große Rolle auf den Bahamas; man isst sie als Salat, frittiert oder in einer Art Eintopf. Die Gehäuse, die man nicht mehr ins Meer zurückwerfen darf, weil der schlaue bahamische Meeresbewohner schon einmal bewohnte Conch-Shells und deren Umgebung strikt und dauerhaft meidet, finden sich somit allerorten.

Die Conchs – allgegenwärtig

Jeremys Kumpel auf Harbour Island, Jimmy, entlockt den zwei, drei Kilo schweren Schalen kräftig pustend erstaunliche Töne, sogar halbwegs passend zur Musik, die aus dem „Sweet Spot Café“ dröhnt. In der Bar müht sich der Rasta-Man-DJ mit aufgeregten Einheiz-Zwischenrufen die überschaubare Anzahl von Gästen drinnen und draußen auf der Strandpromenade bei Laune zu halten. Was ihm gelingt. An die Aufgeregtheit des DJ reichen in Dunmore Town auf Harbour Island – einem losen Faden vor dem nördlichen Eleuthera-Knäuel – ansonsten nur noch die Hühner heran, wenn sie aufgeschreckt von einem der Golf-Cars, dem Hauptverkehrsmittel hier, über die Straße flitzen. Meist folgen auch die gefiederten Einwohner – außer Conchs ein weiteres Hauptnahrungsmittel – dem Insel-Gebot der Gelassenheit. Sie picken auf der Straße nach den Überresten von „Terries First & Last Stop“, wo sich die Bahamaer morgens früh zum Kaffee, mittags zum Burger und abends gegenüber in „Tikis Bar“ auf ein paar „Kalik“-Biere treffen – und manchmal auch auf weit gereiste Insel-Gäste.

Conchs – die Meeresschnecken mit dem imposanten Gehäuse sind allgegenwärtig | Foto: gw

Stress macht man sich hier nur selbst. Dann etwa, wenn bis zum letztmöglichen Moment auf der Atlantikseite geschwommen, aber auch der Cocktail zum Sonnenuntergang auf der Karibik-Seite nicht verpasst werden soll. Zum Glück sind’s keine zehn Minuten zu Fuß von der einen auf die andere Seite.
Wer beides haben will, wird bei der „Glass Window Bridge“ glücklich, die im Norden von Eleuthera einen atlantisch-karibischen Durchbruch überbrückt. Schwimmen kann man hier allerdings nicht, und auch der Cocktail müsste selbst mitgebracht werden – die Natur-Attraktion kommt glücklicherweise ohne Imbiss- und Souvenirbuden aus. Die Aussichten, die sich hier bieten, zählen zu den markant-schönsten Eleutheras.
Alle paar Meter gibt es hier ja etwas zu erzählen: Vom winzigen Gregory Town, wo Rockstar Lenny Kravitz ein Musikstudio hat. Von den blauen Höhlen von Rock Sound, die im Süden locken. Von Cupid’s Cay, wo das erste Gefängnis der Bahamas steht: ein winziges Häuschen, verbarrikadiert (und jetzt unbewohnt) an jenem Land-Zipfel in der Mitte der Insel, an dem 1648 Schiffbrüchige von den Bermudas anlandeten.

Stress macht man sich hier nur selbst

Etwas weiter südlich findet sich das vorgelagerte Windermere Island, ein Urlaubsdomizil des britischen Königshauses. Berühmt wurde das Eiland, als 1982 Fotos der schwangeren Lady Diana am Strand von Windermere um die Welt gingen. Wer heute in Gregory Town in „Monicas Dis & Dat“ Ananas-Marmelade kauft, der bringt ein Glas „Lady Di’s Tropical Delights“ mit heim. Die Geschichte der Ananas, Zeichen der Gastfreundschaft, ist gleichwohl wie die der britischen Prinzessin eine traurige. Von den großen Plantagen auf Eleuthera sind kaum noch welche übrig. Und davon, dass Eleuthera einst auch Nassau mit Milch versorgte, zeugen nur noch die grauen Beton-Silos, die auf dem Weg von Governor’s Harbor gen Norden die Straße säumen.

Landwirtschaft ist fast zum Erliegen gekommen

Die Landwirtschaft ist mehr oder weniger zum Erliegen gekommen; nicht nur hier. „Gerade für junge Menschen ist das nicht mehr attraktiv“, sagt Eric Carey vom National Trust. In der Tourismusbranche ist das Geld schneller und leichter verdient. Vor nicht einmal einem Jahr hat bei der Hauptstadt Nassau auf der Insel New Providence der nächste Mega-Hotel-Komplex eröffnet, das Baha Mar, das unter anderem das Grand Hyatt beherbergt. Allein diese Nobelherberge bietet deutlich über 1 000 Zimmer, rund 7 000 Arbeitsplätze sollen insgesamt entstehen. Das ist freilich noch nichts gegen das protzige Atlantis auf Paradise Island, direkt vor dem von Kreuzfahrt-Touristen überschwemmten Nassau. Rund 12 000 Gäste können in dieser Parallelwelt in diversen Kategorien unterkommen, ebenso viele Menschen arbeiten hier.

Paradiesische Strände bietet Harbour Island.

Weil die Landwirtschaft brachliegt, muss fast alles eingeführt werden – ein Grund für die hohen Lebenshaltungskosten, die für einen Teil der rund 350 000 Einwohner erdrückend sind. Ein anderes Problem der Bahamas ist, dass der Tourismus viel Geld auf die Inseln bringt – vieles davon aber auch gleich wieder wegschwimmt. Von einem US-Dollar, so rechnet ein Mitarbeiter der Tourismus-Behörde vor, gehen 85 Cent zum Beispiel direkt zurück in die USA. Die nahen Vereinigten Staaten sind nicht nur diejenigen, aus denen der Großteil der Besucher kommt. Viele Hotels sind in US-Besitz oder in anderen ausländischen Händen. Eine Einkommensteuer wird ebenso wenig erhoben wie eine Vermögenssteuer, fällig wird nur etwas beim Erwerb eines Grundstücks und einer Bebauung. Wer gleich eine ganze Insel kaufen will, der kippt bei den dafür fälligen Abgaben – Informationen dazu liegen in fast jedem Hotelzimmer aus – aber keinesfalls von dem vermutlich in diesem Fall ohnehin schon bestens gepolsterten Stuhl.
Vom Plastiksitz haut es dagegen jeden, wenn auf der Rückfahrt von Harbour Island nach Nassau die Sonne vorne ins Meer taucht, im Rücken der Vollmond aufgeht und dabei die milde Meeresluft das Gesicht umweht. So schmeckt Freiheit.

Die Bahamas: Die Bahamas liegen südlich von Florida und östlich von Kuba. Die Welt der rund 700 bahamaischen Inseln erstreckt sich über eine Fläche von fast 14 000 Quadratkilometern – die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 650 Kilometer, die West-Ost-Breite rund 750 Kilometer. 35 Inseln sind ständig bewohnt, von den rund 353 000 Einwohnern leben fast 250 000 auf New Providence mit der Hauptstadt Nassau.
Die Bahamas – entdeckt 1492 von Christoph Kolumbus – sind seit 1973 unabhängig, aber weiter Mitglied im Commonwealth. Gefahren wird links, aber bezahlt wird mit Dollar (US- oder Bahamas-Dollar).
Anreise: Condor fliegt von November bis Mai von Frankfurt am Main jeweils einmal die Woche direkt nach Nassau, zurück geht es mit einem kurzen Stopp in Havanna. Mit British Airways geht es dreimal die Woche via London nach Nassau. Auch über die USA (Miami) gibt es Verbindungen.

Reisen auf den Bahamas: Alle Inlands-Flüge gehen jeweils und nur von und nach Nassau. Direktes Insel-Hopping ist also nur mit dem eigenen Boot möglich. Wer sehr viel Zeit hat, kann die vielfältige Inselwelt der Bahamas mit dem Postschiff bereisen und entdecken.

Unterkunft: Hotels, Appartements und Ferienhäuser gibt es in allen Preisklassen – vor allem aber im gehobenen Preissegment. Reiseveranstalter bieten diverse Pauschalpakete an. Aber die Bahamas lassen sich auch prima individuell bereisen.

Reisezeit: Die beste Zeit ist zwischen Dezember und Mai. Hurrikane können zwischen August und November auftreten.

Informationen: www.bahamas.de.