Blick auf das schweizerische Lenk im Simmental im Winter.
„Der schönste Talschluss der Alpen“: Lenk im Simmental ist eine Bilderbuchidylle und hat sich Familienfreundlichkeit und Ursprünglichkeit auf die Fahnen geschrieben | Foto: wit

Skifahren im Simmental

Heile Heidi-Herrlichkeit im schweizerischen Lenk

Anzeige

An die Lenk? Dem Badener mit alemannischem Zungenschlag geht diese Ortsangabe nur schwer über die Lippen. Wenn schon müsste es doch eigentlich Lenk an der Simme heißen, wenn vom Schweizer Bergort die Rede ist. Lenk im Simmental kuschelt sich gemütlich an das nur 55 Kilometer lange, aber sich ziemlich wild gebärdende Flüsschen gleichen Namens im Berner Oberland.

Blick auf das schweizerische Lenk im Simmental im Winter.
Den wild zerfurchten Wildstrubel im Rücken kuschelt sich Lenk an die Simme. | Foto: wit

Ein Grat als Namensgeber

Dieses „an“ ist nicht etwa sprachlichen Verwirrungen im hintersten Winkel des Simmentales geschuldet, sondern einem Grat am Oberlaubhorn, die lange Egg. „Und weil das Dorf am Fuß der ‘langen Egg´liegt, sagen wir an der Lenk“, so die Erklärung von Tourismusdirektor Albert Kruker zur Namensfindung.

Durchs wildromantische Simmental

Ob nun an oder in der Lenk? Im beschaulichen 2300-Seelen-Dorf mit dem wild zerfurchten Wildstrubel im Rücken herrscht allseits heile Heidi-Herrlichkeit. Schon die Fahrt von Spiez durchs wildromantische Simmental hinauf auf 1068 Meter ist ein einmaliges Erlebnis. Eingeklemmt zwischen Fluss und Fels schlängelt sich die Straße in unzähligen Schlenkern hinauf. Die Bahn wählt stattdessen die Direttissima durch den Tunnel.

Gleitschirmflieger auf den Skihängen im Schweizerischen Lenk im Simmental
Gleitschirmflieger lieben das Pistenrevier rund um Lenk. | Foto: wit

Der „schönste Talschluss der Alpen“

Erst in Zweisimmen weitet sich der Talboden. Rechts geht es nach Gstaad ins Tal der Milliardäre. Links wartet das familienfreundliche Lenk. Der Blick schweift im Simmental über einen ansehnlichen Kranz aus Dreitausendern.

In Lenk selbst ist dann Schluss, was findige Werbestrategen zum Slogan vom „schönsten Talschluss der Alpen“ inspirierte. Der Rawilpass, der schon zu römischer Zeit begangen wurde, bleibt den Wanderern Richtung Wallis vorbehalten. Und über den Hahnenmosspass hinüber ins zehn Kilometer entfernte Adelboden radeln im Sommer die Mountainbiker und düsen im Winter die Skifahrer.

Blick auf das schweizerische Bergdorf Lenk im Simmental
Schweizer Bilderbuchidylle mit verschneiten Bergspitzen und noblen Holzhäusern. | Foto: wit

Familienfreundlich und ursprünglich

Der Schweiz-Fan will ohnehin nicht weg aus diesem Dorf, das sich Familienfreundlichkeit und Ursprünglichkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Zwischen dem kantigen Turm der Reformierten Kirche und der hübschen Mauritiuskapelle herrscht pure Schweizer Bilderbuchidylle: Von der Sonne schwarz versengte Holzhäuser mit grünen Fensterläden, kunstvollen Schnitzereien und verschnörkelten Sinnsprüchen konkurrieren gegeneinander.

Dazwischen haben sich einige wenige Relikte aus der Belle époque-Ära verirrt: Denn es waren die Engländer, die den weiten Talboden im späten 19. Jahrhundert entdeckten und für die Feldschützen Schießwettbewerbe organisierten.

Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch

Die Auflagen für Neubauten sind streng, architektonische Bausünden praktisch nicht vorhanden. Stattdessen gibt es stattliche Bauernhöfe, mit dem Misthaufen vor der Tür und Kühen auf der Weide. Fast 3000 der robusten Simmentaler Rinder, deren Fleisch ebenso schmackhaft wie mager ist, leben im Tal., Menschen sind es nicht ganz so viele, wenn man die zahlreichen Ferienhausbesitzer, Hotelgäste und Jugendgruppen unberücksichtigt lässt. An winterlichen Tagen kann man die gutmütigen Fleisch- und Milchlieferanten dampfend und schnaubend durch den Schnee stapfen sehen.

Der „Youtube“-Star von Lenk

Längst ist der Tourismus für den Gemeindesäckel von Lenk ebenso wichtig wie die traditionelle Landwirtschaft. Wenn die unzähligen Almhütten unterhalb des Metschstands und des Leiterli in einem dicken Flokati aus Schnee verschwinden, hat Jürg Klopfenstein seinen großen Auftritt.

Der 42-Jährige ist nicht nur für die paar Dutzend Pistenfahrzeuge der Lenker Bergbahnen zuständig. Er kümmert sich auch um die Beschneiungsanlagen und ist – ganz nebenbei – der Youtube-Star seiner Gemeinde.

Jürg Klopfenstein, zuständig für die Pistenpräparierung in Lenk im schweizerischen Simmental.
Jürg Klopfenstein ist für die Pistenpräparierung in Lenk zuständig. | Foto: wit

Pistenbericht auf Schwyzerdütsch

„Es tuet liecht, liecht lüftele, dr Himmel isch stahlblau u dr Schnee tuet grad no ä chli brättig…„, verkündet der „Pisten-Jürg“ in herrlichstem Schwyzerdütsch, wenn er die Schar der Skiverrückten über die Pistenverhältnisse am familiären Betelberg und am wuseligen Metschstand informiert.

Wenn einer weiß, wie es um die Talabfahrt am Lenker Hausberg bestellt ist und sich die Weltcuppiste unterhalb des Berges mit dem unaussprechlichen Namen Chuenisbärgli präsentiert – dann ist es der Lenker Schnee-Experte.

Blick auf die Skipisten im Skigebiet Adelboden-Lenk.
Auf über 200 Pistenkilometer bringt es das Skigebiet Adelboden-Lenk. | Foto: wit

Bestnoten für Pistenpräparierung

Am Anfang habe es in schon Überwindung gekostet, vom Sitz seiner Pistenraupe aus mit der Handykamera zu hantieren. Doch mittlerweile ist der Erfinder des „ehrlichsten Pistenberichts der Welt“ ein alter Hase. Seine selbstgedrehten Videos werden ein paar tausend Mal geklickt.

Das Geschäft sei schnelllebiger geworden, erzählt der gelernte Landmaschinenmechaniker, der neben einem Skilift aufgewachsen ist: „Die Leute kommen, wenn gutes Wetter vorhergesagt wird“, bestätigt der Chef des Pistenteams, dessen 18-köpfige Mannschaft ganz offensichtlich prima Arbeit leistet. Das Skirevier Lenk-Adelboden mit seinen gut 200 Kilometer Abfahrten heimste mehrfach Bestnoten für die Pistenpräparierung ein.

Hütte entlang der Skipiste im Skirevier Adelboden-Lenk
Abseits der Skipisten liegen viele Hütten, die sich in einem guten Winter mit dicker Schneehaube präsentieren. | Foto: wit

Erfolg mit heilenden Quellen

So herrlich die breiten Hänge hinüber nach Adelboden sind; so rasant sich der sechs Kilometer lange Schlittelweg vom Berggasthof Leiterli präsentiert; so malerisch die Loipen liegen, die zur Eisskulptur des Simmentaler Wasserfalls führen. Dass der unverfälschte Ferienort auf die touristische Landkarte gekommen ist, verdankt der Ort heilenden Quellen.

Hütte im Skigebit von Lenk im Simmental.
Der richtige Einkehrschwung: Viel Holz dominiert die Hütten im Skigebiet von Lenk. | Foto: wit

Massagen und Trinktherapie

Schon 1689 erteilte der „Schuldtheys und Rath der Stadt Bern“ einem Einheimischen die Konzession für ein Bad. Zwei Jahrhunderte später ging das Geschäft mit der stärksten alpinen Schwefelquelle richtig los.

Mittelpunkt des Badebetriebs: das Kurhaus mit seinen Conversationssälen. Noch in den 50er Jahren brummte das Geschäft, weil auch die Schweiz noch nichts von Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen gehört hatte. Wer etwas für die eigene Gesundheit tun wollte, unterzog sich Mund- und Naseninhalationen. Er nahm Bäder im Schwefelwasser sowie Massagen, oder er machte eine Trinktherapie.

Blick auf das schweizerische Bergdorf Lenk im Simmental
Vom „Lenkerhof“ hat man den schönsten Blick auf das Bergdorf. | Foto: wit

Aus Kurhotel wurde eine Nobelherberge

Doch mit den radikalen Einschnitten im Kurwesen versank das einst noble Kurhotel in Tristesse. Ohne privaten Investor würde in dem mehrstöckigen Gebäude direkt neben der Gondelbahn zum Stoss wohl noch immer der Muff der 50er Jahre herrschen.

Dank millionenschwerer Sanierung präsentiert sich der „Lenkerhof“ heute als Fünf-Sterne-Superior-Hotel. Die hauseigene Schwefelquelle speist das Sportbad und den dampfenden Außenpool. Den Geruch von faulen Eiern muss dennoch keiner fürchten.

Curlingkugeln auf Eisfläche.
Macht Spaß und hält fit: Curling erfreut sich in der Schweiz großer Beliebtheit und kann an etlichen Stellen ausprobiert werden. | Foto: Foto: swiss image/ Kunfermann

Historisches Ambiente und moderne Kunst

Wer sich im noblen “Lenkerhof“ einquartiert schätzt den Service vom Feinsten. Er freut sich über das Miteinander von historischem Ambiente und moderner Kunst. Er genießt die ungezwungene Atmosphäre und natürlich die mit 16 Gault Millau-Punkten dekorierte Küche.

 

Im „Spettacolo“ mit seinen großen Panoramafenstern hat der Feinschmecker die Qual der Wahl: Denn er muss oder darf  aus 15 Gerichten das für ihn passende Menü zusammenstellen. Er dürfte auch alle bestellen, wie Küchenchef Stefan Lünse erzählt, der in der „Talmühle“ in Sasbachwalden gelernt hat. Doch die meisten belassen es dann doch bei sechs Gängen.

 

Informationen

Die beiden Lenker Skigebiete Betelberg sowie Metsch, das Herzstück der Skiregion Adelboden-Lenk, bieten insgesamt 204 Pistenkilometer. Im nur wenige Kilometer entfernten St. Stephan besteht zudem Anschluss ins benachbarte Saanenland mit seinen dortigen Pisten.

Langläufer lieben die 13 Kilometer lange Rundloipe von Lenk zu den wildromantischen Simmenfällen ebenso wie die 3,5 Kilometer lange Höhenloipe nahe der Bergstation Leiterli. Dort beginnt auch die sechs Kilometer lange Rodelpiste. Für Winterwanderer gibt es zahlreiche geräumte Wege.

Skipasspreise: Der Tagespass für Lenks Hausberg  Betelberg mit 42 Kilometer Piste kostet 55 Schweizer Franken für Erwachsene. Senioren zahlen 51 Schweizer Franken, Kinder (sechs bis 15 Jahre) 31 Schweizer Franken und Jugendliche (16 bis 19 Jahre) 46 Schweizer Franken.
Der Sechs-Tagespass für die Skiregion Adelboden-Lenk kostet für Erwachsene 310 Schweizer Franken, für Senioren 296 Schweizer Franken, für Kinder 165 und für Jugendliche 253 Schweizer Franken.

Wer öfter zum Skifahren ins Berner Oberland fährt, für den lohnt sich womöglich das Top-4-Saisonabonnement. Es kostet 666 Schweizer Franken und ist in Adelboden-Lenk, Gstaad, der Jungfrau Skiregion und Meiringen-Hasliberg gültig – alles in allem 666 Pistenkilometer.

Übernachten: In Lenk gibt es zahlreiche Ferienwohnungen, aber auch Frühstückspensionen und mit dem Lenkerhof ein Fünf-Sterne-Superiorhotel. Dass Reka Feriendorf in Lenk hat allein 50 familienfreundlich Wohnungen.
Der „Lenkerhof“ mit seinen 155 Betten ( (Badstraße 20, CH- 3775 Lenk im Simmental, Telefon (0041) 3 37 36 36 36) war bis vor zwei Jahrzehnten ein Kurhaus, das für seine heilende Schwefelquelle bekannt war. Die wird noch immer für eine der größten Wohlfühllandschaften der Schweiz mit Außenschwefelbad, Sportbad und etlichen Saunen genutzt. Im hauseigenen Restaurant „Spettacolo“, mit 15 Gault Millau- Punkten ausgezeichnet, kann  der Halbpensions-Gast sein Menü aus 15 Gerichten zusammenstellen. Die „Blitz-Auszeit“ für zwei Personen gibt es ab 1 300 Franken. Im Preis inbegriffen sind zwei Übernachtungen, das Gourmet-Package, eine tägliche Weinverkostung und die Benutzung des Spa.

Auskünfte: Lenk Simmental Tourismus, Rawilstrasse 3, Ch-3775 Lenk im Simmental, Telefon (0041) 3373635 35.

 

 

Zum Einfahren: Die Gondeln des Stand-xpress schaukeln die Skifreaks nicht nur zum 2 100 Meter hohen Metschstand, sie bringen die Brettelfans auch zum Ausgangspunkt der Piste 39, einer breiten, perfekt präparierten Autobahn, die genau das richtige zum Warmwerden ist.
Zum Abfahren: Wenn es auf der Südseite schon sulzig wird, herrschen auf den Pisten an Betelberg noch immer beste Schneeverhältnisse. Wer will kann auf der blauen Pisten 1 und 2 vom Leiterli auf 2 001 Meter bis zur Talstation auf knapp 1 100 Meter hinunterwedeln. Wer es etwas schwieriger mag. Die Piste 3 fährt ebenfalls hinab ins Tal, mit einer kurzen schwarzen Passage für die Cracks.
Zum Erfahren: Wer es richtig steil mag, muss auf die Piste Nr. 40. Sie führt vom Luegli auf 2138 Metern hinunter nach Geils. Wer sich das nicht zutraut. Es gibt auch eine rote Umfahrung. Von dort ist es nicht mehr weit bis nach Adelboden, wo Weltcup-Pisten warten.