Kirche zur Heiligen Anna im österreichischen Leogang-Hütten
Kunstgeschichtliches Kleinod: Der heiligen Anna ist die kleine Kapelle in Leogang geweiht, die einst zum Gasthaus Hüttwirt gehörte. | Foto: wit

Winterurlaub in Leogang

Österreichs größtes Skirevier gibt sich ganz schön lässig

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Österreichs größtes Pistenrevier nennt sich ziemlich frech „Home of lässig“ und es ist sogar grenzüberschreitend. Denn Fieberbrunn liegt auf Tiroler, die drei Partner Saalbach, Hinterglemm und Leogang auf Salzburger Seite. Auf 270 Abfahrtskilometer bringt es das Quartett. Das Freizeitangebot ist riesig: Es gibt sogar Lama-Trekkingtouren wie in den Anden.

Mit dem Lama zum Lauchsee

Mit „Loriot“ und „Ronaldo“ fing alles an. Als Barbara Steinacher vor einigen Jahren den elterlichen Hof übernahm, suchte sie nach einem neuen Standbein. „Denn von der Landwirtschaft kann heute keiner mehr leben“, erzählt die 39-jährige Chefin des Luchdhofes in Fieberbrunn.

Kinder lieben das Sextett

Kühe, Schweine, Hühner und Ziegen gab es dort schon immer; mit „Loriot“ und „Ronaldo“ kamen zwei Vierbeiner dazu, die man eher in den Anden, denn in Tirol vermuten würde. Simon, Kroko, Felix und Diego kamen später dazu, denn die Trekking-Touren mit den gutmütigen Lamas sind gefragt – nicht nur bei Kindern, die angesichts der mannshohen Paarhufer ganz andächtig werden.

Pillerseetal als Winter-Wunderland

Zwei Stunden dauert die Tour zum wildromantischen Lauchsee. Die Schneefälle im Jänner, die Räumdienste und Hausbesitzer an ihre Grenzen brachten, haben das Pillerseetal in ein Winter-Wunderland verwandelt, das selbst ältere Semester nur noch von Schwarz-Weiß-Aufnahmen kennen. Meterhoch türmt sich die weiße Pracht rechts und links des Weges auf. Häuser und Hütten haben sich weiße Pudelmützen übergezogen. Die glasklare Luft schimmert silbern. Ein paar Hausbesitzer nutzen den sonnigen Wintertag, um zumindest die Dachüberstände von den Schneemassen zu befreien.

Lamatouren im österreichischen Fieberbrunn, dem "Home of lässig"
Anden-Export: Trekkingtouren mit den Lamas vom Luchdhof sind ein Vergnügen für jung und alt. | Foto: Frei

„Abenteuer Lama“ floriert

Die sechs Lamas, Verwandte des Kamels, ficht dies nicht an. Brav trotten sie vorwärts, als gäbe es nichts Schöneres als diese fluffige Unterlage. „Lamas sind genügsam“ erzählt Besitzerin Barbara, die sich noch gut an die zweifelnden Blicke ihrer Nachbarn erinnern kann: Schließlich geben Lamas weder Milch, noch landen sie irgendwann auf dem Teller. Doch das Unternehmen „Abenteuer Lama“ floriert.

Aufräumen mit Vorurteilen

Barbara Steinacher ist längst zum alten Hase im Umgang mit dem Anden-Export mutiert. „Am Anfang sind mir die Beiden gelegentlich ausgebüxt, aber mittlerweile habe ich das Sextett fest im Griff“, erzählt die Tirolerin, die während der Touren mit vielen Vorurteilen aufräumt.

Lamas seien keineswegs so stur wie Esel, und auch Spuckattacken müssten Tourengeher nicht befürchten. „Das tun sie nur untereinander, um die Rangordnung festzulegen, oder wenn sie sich bedroht fühlen“, so die 39-Jährige. Ob sie einen Favoriten hat? Die Frau aus Fieberbrunn zögert keine Sekunde „Das ist wie bei Kindern! Jedes hat seinen eigenen Kopf, und deshalb liebt man es ja.“

Blick auf die Leoganger Steinberge
„Home of lässig“ nennt sich Österreichs größtes Pistenrevier – mit den Partnern Fieberbrunn, Saalbach, Hinterglemm und Leogang. | Foto: wit

Die „Viererbande“ startet durch

Entschleunigen. Die Natur genießen. Die Stille aufsaugen. Das Lama-Trekking ist genau das Richtige, wenn man Pistentrubel und Hüttengaudi entfliehen will. Der neugierige Zeitgenosse wäre zu gern dabei gewesen, als die Tourismus-Chefs von Saalbach, Hinterglemm, Leogang und Fieberbrunn nach dem passenden Namen für ihr Kind suchten.

Das Quartett hätte als größtes Skirevier Österreichs ins Rennen gehen können. Doch das war den Herrschaften dann doch zu brav. Hip sollte der Name sein, wie das feierfreudige junge Völkchen, das in den Bars von Saalbach allabendlich abrockt. Aber auch bodenständig, wie das Groß der Familien, die sich in Hotels und Pensionen einquartiert. Und natürlich durfte auch ein englischer Einsprengsel als Beweis für Internationalität nicht fehlen. Heraus kam der Name „Home of lässig“, der ganz gut das Urlaubsgefühl in den vier Partnergemeinden beschreibt.

Hochzeit zwischen Pillersee- und Glemmtal

Als im Dezember 2015 die Hochzeit zwischen Tiroler Pillerseetal und Glemmtal im Salzburger Land gefeiert wurde, gab es auch kritische Stimmen. Nicht wenige Hoteliers befürchteten, dass der Zuwachs zu Preisdumping führen würde – weil Fieberbrunn mit seinem kleinen, aber feinen Skigebiet schon immer deutlich billiger war als der Weltcup-Skiort Saalbach, wo sich das Partyvolk seit 25 Jahren zum „Rave on snow“ treffen. Doch klar ist. Profitiert haben alle Seiten, denn die vier Orte kommen sich mit ihrem differenzierten Angebot nicht in die Quere.

Pisten in Österreichs größtem Skirevier, dem "Home of Lässig"
Pisten für jeden Geschmack gibt es im „Home of Lässig“. Die Mehrheit ist blau markiert.

Pisten für jeden Geschmack

270 Abfahrtskilometer sind ein schlagkräftiges Argument im Werben um skiverrückte Urlauber. Wenn morgens die Gondeln der Steinbergbahn Richtung Kleiner Asitz hochschaukeln, liegt ein schier endloses Pisten-Dorado vor den Brettelfans. Die weniger Geübten zeichnen weite Schwünge in den jungfräulichen Schnee rund um Wildenkarkogel und Großen Asitz. Die Asse zieht es zu den steilen Pisten am Schattberg; die Kilometersammler gondeln von Lift zu Lift hinüber nach Hinterglemm.

Mit der TirolS nach Fieberbrunn

Wer nach Fieberbrunn möchte, das schon seit langem als Hotspot der Freeride-Szene bekannt ist, steht an der Bernkogelbahn an. Zurück geht es dann mit der TirolS, der bundesländer-übergreifenden hypermodernen Seilbahn, die einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet hat. Die Talstation steht in Tirol, die Bergstation im Salzburger Land. Dass 200 Meter vom Ausstieg entfernt der „Grenzübertritt“ stattfindet, wissen allerdings die wenigsten Skifahrer.

die Hütte "Alte Schmiede" oberhalb von Leogang in Österreichs größtem Pistenrevier "Home of Lässig"
Hüttenherrlichkeit: Die „Alte Schmiede“ oberhalb von Leogang ist eine der schönsten Hütten im „Home of lässig“…
die Hütte "Alte Schmiede" oberhalb von Leogang in Österreichs größtem Pistenrevier "Home of Lässig"
… und im Innern fühlt man sich wie in einem Museum. | Foto: wit

60 Hütten sind Rekord

Die geraten leicht auf Abwege – nicht etwa abseits der Pisten, sondern an den Theken. Sagenhafte 60 Hütten soll es im „Home of lässig“ geben, darunter solche Kleinode wie die 300 Jahre alte Pfefferalm am Reiterkogel oder die „Alte Schmiede“ oberhalb von Leogang, wo am Wochenende bei heißen Grooves regelmäßig der Bär steppt.

Wer die Tür zu dem urigen Berglokal öffnet und einen Platz an der Theke ergattert, fühlt sich wie in einer musealen Fundgrube mit Tausenden Exponaten, die Sepp Altenberger jun. gesammelt hat. Namensgeber der Hütte war übrigens ein gewaltiger, uralter Schmiedehammer aus dem Kaiserbachtal in Tirol.

der Embachhof in Leogang, teil des Hotels "Puradies".
Der Embachhof in Leogang ist seit über 50 Jahren eine hervorragende Urlaubsadresse. Ergänzt um einen stylischen Neubau ist er Teil vom „Puradies“. | Foto: wit

Das „Puradies“ in Leogang

Michael und Philipp Madreiter sind im Leoganger Familienbetrieb einen anderen Weg gegangen. In ihrem „Puradies“ dominiert modernes Design; für das alpenländische Flair hat das unvergleichliche Bergpanorama der Leoganger Steinberge zu sorgen.

Ferien im Embachhof

Schon in den 50er Jahren vermieteten die Madreiters Ferienzimmer auf dem Embachhof, einem stattlichen Pinzgauer Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert. Später kamen die ersten Almhütten auf dem 50 Hektar großen Familienbesitz dazu.

Die nachfolgende Generation ließ sich vom schlichten Design Asiens inspirieren und verwandelte den Embachhof in ein mit Preisen überhäuftes Refugium mit Bio-Bauernhof, einem Gourmet-Restaurant, dem Badhaus „Innere Mitte“ sowie einem eigenen Badeteich. Erschaffen aus rauem Gebirgsstein, kühlem Glas und hellem Holz schmiegt sich der Neubau harmonisch an den historischen Bauernhof an.

Harmonie zwischen Natur und Architektur

Im Innern ist es gelungen, durch die Reduktion auf wenige Materialien und Farben eine perfekte Harmonie zwischen Natur und Design herzustellen. Der Clou ist die Bar „Freiraum“ gleich neben der Rezeption. 16 000 Eichenholzwürfel waren nötig, um die dynamisch geschwungene Sitzlandschaft samt Wendeltreppe zu bauen. Einen schöneren Platz, um die Zacken der Berge im Licht der untergehenden Sonne erglühen zu sehen, gibt es in ganz Leogang nicht.

 

 

Zum Einfahren: Über 1 000 Höhenmeter liegen zwischen Kleiner Asitz und Leogang. So spektakulär sich dies anhört: Die Abfahrt ins Tal ist selbst von Anfängern gut zu bewältigen, denn die Pisten sind Tiefblau. Für die etwas geübteren gibt es eine rote Alternative.

Zum Abfahren: Wer sich an die Leogang-Runde wagt, wird mit einem prächtigen Alpenpanorama belohnt. Elf Lifte, 4 300 Höhenmeter und 26 Kilometer warten auf den Skifan. Das Beste an der Leogang-Runde. Durch geschickte Pistenwahl muss man kein Meister auf Ski sein, um sie zu bewältigen.

Zum Rumfahren: Sie ist das ultimative Pistenerlebnis für Ausdauerkünstler: die Challenge. Der Name sagt eigentlich alles: Wer diese Runde in Angriff nimmt, auf den warten 65 Pistenkilometer und 12 400 Höhenmeter. Etwas längeres gibt es im gesamten Alpenraum nicht. Wer sich für dieses Meisterstück entscheidet, sollte allerdings früh auf der Piste sein

das Schwarzleotal im österreichischen Leogang.
Winter-Wunderland: Im „Home of lässig“ gibt es auch stille Ecken – beispielsweise im Schwarzleotal.

Informationen

Der Skizirkus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn hat insgesamt 270 Pistenkilometer zu bieten. 140 Kilometer sind leicht, 112 Kilometer mittelschwer. Die schwarzen Pisten bringen es auf insgesamt 18 Kilometer.

Für Rodelfans gibt es zahlreiche Bahnen, darunter die beleuchtete Rodelbahn am Reiterkogel in Hinterglemm sowie eine Naturrodelbahn in Fieberbrunn. Auf Langläufer und Winterwanderer hat sich der Nordic Parc Saalfelden Leogang spezialisiert. Für spätabendliches Vergnügen gibt es die beleuchtete Ritzensee-Loipe.

Skipasspreise: In der Hauptsaison kostet der Sechs-Tage-Pass für Erwachsene 263 Euro. Jugendliche (Jahrgang 2000 bis 2002) zahlen 197,50 Euro, Kinder (Jahrgang 2003 bis 2012) 131,50 Euro. In der Nachsaison kosten die Sechs-Tage-Pässe 223,50 Euro für Erwachsene, 167,50 für Jugendliche und 112 Euro für Kinder.

Osterbonus: Besonders sparen können Eltern nach dem 16. März. Kinder erhalten den Skipass gratis, wenn ein Elternteil einen Pass für mindestens vier Tage kauft.

Empfehlenswert: die Family Card. Gegen einen Aufpreis von 15 Euro können Mütter und Väter von Kleinkindern den Skipass abwechselnd benutzen. Die Kinder dürfen aber nicht älter als drei Jahre sein.

Übernachten: Das „Hofe of Lässig“ bringt es auf insgesamt 30 000 Gästebetten in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Saalbach-Hinterglemm hat allein fast 20 000.

Das „Puradies“ in Leogang (Rain 9, 5771 Leogang, Telefon (00 43/ 65 83 82 75) liegt in unmittelbarer Nähe der Asitz- sowie der Steinbergbahn. Abfahrten sind bis ans Haus möglich. Das Vier-Sterne-Superior-Haus verfügt neben 76 Hotelzimmern auch über exklusive 14 Chalets für bis zu sechs Personen, teils mit eigener Sauna.

Der „Midweek Wintertraum“ kann ab 430 Euro pro Person gebucht werden. Die Pauschale umfasst drei Übernachtungen, Frühstück, Nachmittagsjause, ein Fünf-Gänge-Menü am Abend sowie eine Wellnessbehandlung.

Das „Familien-Schneevergnügen“ schließt fünf Übernachtungen mit der Genießerpension ein. Zwei Kinder in Alter von 0 bis fünf Jahren übernachten kostenlos im Zimmer der Eltern. Zudem ist der Skipass für den Nachwuchs gratis. Die Eltern zahlen für die Pauschale ab 760 Euro pro Person.

Extratipp: In Fieberbrunn ist Barbara Steinacher (Lauchseeweg 24, 6391 Fieberbrunn, Telefon (00 43/ 67 66 40 83 06) mit ihren Lamas daheim. Sie bietet regelmäßig geführte Trekking-Touren an. Zwei Stunden dauert beispielsweise die zweistündige Lauchseetour, ein Klassiker sommers wie winters. Kosten: 60 Euro pro Person.

Auskünfte: Saalfelden Leogang Touristik, Mittergasse 21a, 5760 Saalfelden, Telefon (00 43) 6 58 27 06 60.