Magischer Moment: Dichter Morgennebel liegt über dem Goldgräberstädtchen Arrowtown auf der Südinsel Neuseelands. Auf einem der Berge in der Ferne wurden Szenen von „Herr der Ringe“ gedreht. Foto: Ochs

Neuseeland mit Bus und Bahn

Mystische Kulissen im Morgennebel

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Neuseeland ist einfach zu schön. Faszinierend sind die grandiosen Landschaften und Naturphänomene. Und die Vielfalt: Regenwald, Gletscher, Alpen, Fjorde im Süden und Vulkane, Baumriesen und eine subtropische Inselwelt im Norden. Eine Möglichkeit, viel von beiden Inseln zu sehen, ist eine Rundreise mit Bus, Schiff und Bahn: Drei Zuglinien erschließen das Land und die Fähre, der „Interislander“, überbrückt die 96 Kilometer zwischen der Hauptstadt Wellington und Picton.

Das ist der Moment, auf den viele in der Reisegruppe gewartet haben: Dichter Morgennebel liegt über dem Goldgräber-Städtchen Arrowtown. Einzelne Bergspitzen blitzen wie Inseln aus dem Dunst hervor. Verstärkt wird die mystische Atmosphäre durch die Vorstellung, dass auf einem der flachen Hügel in der Ferne Szenen für den zweiten Teil der Kino-Trilogie „Herr der Ringe“ gedreht wurden – und zwar das Schlachtengetümmel von Helms Klamm. Es braucht wenig Vorstellungskraft, um sich die kühnen Recken aus der Tolkien-Verfilmung in dieser Berglandschaft rund um den neuseeländischen Vergnügungsort Queenstown vorzustellen.

Mit dem Jetboat auf dem Shotover River im Skippers Canon. Die Gegend um Queenstown ist ein Magnet für Vergnügungssuchende. Foto: Ochs

Auch die dramatische Naturlandschaft im nahen Skippers Canyon haben Regisseur Peter Jackson und sein Team zu einer entscheidenden Szene inspiriert. Auf der schmalen Skippers Road kämpft sich der Zehnsitzer über Schotterpisten den Berg hoch. Direkt neben der Piste blühen wilder Oregano und Königskerzen; daneben geht es steil bergab in die Schlucht. Die unvermeidlichen Douglasien und der Ahorn sind im dicken Herbstnebel nur schemenhaft erkennbar. So hat selbst Tour-Guide Wolfgang Ickenroth, der seit 34 Jahren in Neuseeland lebt und Reisegruppen durch das Land führt, Skippers Canyon noch nicht erlebt. In der Schlucht hat sich der Nebel gelichtet. Hier am „Shotover River“ ging 1862 die Goldsuche los. Die Funde waren so immens, dass der Fluss bald als reichster der Goldgräberzeit des 19. Jahrhunderts galt.

Am Kieselstrand Drehort von „Herr der Ringe“

Am Kieselstrand des Flusses wartet auf die Reisegruppe der nächste Drehort: Hier hat im ersten Teil von „Herr der Ringe“ Arwen alias Liv Tyler Hobbit Frodo auf dem Pferd vor den schwarzen Reitern gerettet.
Der Kinohit trägt immer noch zur Anziehungskraft Neuseelands bei. An der Magie der beiden Inseln wird sicher auch der Terroranschlag nichts ändern, bei dem am 15. März 2019 50 Menschen in einer Moschee in Christchurch ums Leben kamen.

Das Las Vegas Neuseelands wird die Stadt Queenstown genannt. Vieles ist hier möglich – von Paragliding bis Bungeejumping. Im Winter verwandelt sich die Stadt zum beliebten Skigebiet. Foto: to

Ein Magnet für viele Vergnügungssuchende ist Queenstown, das „Las Vegas der Südinsel“. Von Bungee-Jumping über Paragliding bis Jetboat-Fahrten – hier ist vieles möglich. Im Winter verwandelt sich der Ort zum beliebten Skigebiet. Die Stadt entstand während des Goldrausches im 19. Jahrhundert und auch heute noch kann man den Wilden Westen spüren.

Viele Hobbywäscher finden auch heute noch Nuggets

In den Flusstälern der Umgebung, vor allem im Skippers Canyon, gibt es immer noch Goldwaschgebiete. „Viele betreiben das heute als Hobby und finden tatsächlich ein Nugget“, erzählt Reiseführer Simon Stone. Der gebürtige Allgäuer hat es selbst ausprobiert – wenn auch nur für einen Tag: „Es war die Hölle. Man ist den ganzen Tag nass, dreckig und friert“, erzählt er lachend.

Bei der Bootsfahrt durch den Fjord Milford Sound bis zum offenen Meer kann man Seehunde sehen und mit etwas Glück auch Delfine und Pinguine. Links und rechts beeindrucken die gewaltigen Berghänge und Wasserfälle. Foto: to

Von Queenstown ist es nicht weit bis an die Westküste zum Fjord Nationalpark, Neuseelands größtes Naturschutzgebiet. Die Straße zum „Milford Sound“ wurde wegen ihrer Naturschönheiten vom britischen Autor Rudyard Kipling als achtes Weltwunder bezeichnet. Die Straße ist der einzige Weg in die Fjordwelt – über Serpentinen und vorbei an unberührten Seen. Bei der Bootsfahrt durch den Fjord bis zum offenen Meer kann man Seehunde sehen und mit etwas Glück auch Delfine und Pinguine. Links und rechts beeindrucken die gewaltigen Berghänge und Wasserfälle. Der höchste ist 161 Meter hoch. Mit 182 Regentagen pro Jahr zählt Milford Sound zu den feuchtesten Orten der Welt.

Der höchste Wasserfall im Fjord Milford Sound ist 161 Meter hoch. Foto: to

Ein Schlecht-Wetter-Image hatte Dunedin ausgerechnet bei den Schotten, die sich 1848 an der Ostküste ansiedelten. Heute ist die lebendige Studentenstadt für viele die attraktivste Neuseelands. Dunedin, das den gälischen Namen der schottischen Stadt Edinburgh trägt, war der erste Ort im Land mit Stadt-Status, Straßenbahn, Universität und Tageszeitung. Der Grund für den Aufschwung war wieder mal das Gold: Im County Otago wurde das Edelmetall gefunden. Ende des 19. Jahrhunderts war Dunedin die reichste Stadt der jungen Kolonie.

Geheimtipp bei Eisenbahnfreunden: Mit maximal 50 Kilometern pro Stunde tuckert die „Taieri Gorge Railway“ in die einsame Canyon-Landschaft des Taieri-Flusses bei Dunedin. Foto: to

Vom schönsten Bahnhof des Landes im Stil der flämischen Renaissance fährt die „Taieri Gorge Railway“ ab. Sie wird allerdings nur noch als Ausflugszug eingesetzt. Mit maximal 50 Kilometern pro Stunde tuckert sie in die einsame Canyon-Landschaft des Taieri-Flusses. Die Fahrt gilt als Geheimtipp bei Eisenbahnfreunden. Viele genießen die Natur bei der Fahrt über Brücken und durch das wilde Flusstal auf den offenen Plattformen zwischen den Waggons.

Drei Zuglinien fahren zwischen Auckland und Greymouth und bieten die Möglichkeit, viel von der Nord- und Südinsel Neuseelands zu sehen. Foto: Ochs

Auch die Fahrt mit dem TranzAlpine-Express von Christchurch nach Greymouth bezeichnen viele Zug-Fans als eine der schönsten Eisenbahnfahrten der Welt. Der Express windet sich auf seiner 225 Kilometer langen Strecke über die südlichen Alpen durch Täler, vorbei an Seen, Schafherden und passiert bis zum Berggebiet auf dem 740 Meter hoch gelegenen Naturpark „Arthur’s Pass“ drei Klimazonen.

Gletscher dank Klimaerwärmung stark zurückgegangen

Auf der Fahrt an die wilde Westküste überschreitet man die Wasserscheide der neuseeländischen Alpen – man könnte auch sagen, die Gegend zwischen Greymouth und Franz Josef ist ein Regenloch. Das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Neuseelands erstreckt sich bis zur Südküste. Dazu zählen das Fjordland im Westen, der Mount Cook im Osten und die beiden Gletscher Fox und Franz Josef – vom Bonner Geologen Julius von Haast nach Kaiser Franz Josef I. von Österreich benannt. Allerdings: „Die Gletscher im Land sind durch die Klimaerwärmung inzwischen dramatisch zurückgegangen“, sagt Tourguide Simon.

Mit dem Cable Car kann man vom Stadtzentrum in Wellington in den botanischen Garten fahren. Foto: to

Wasser, soweit das Auge reicht, sieht man durch die Panoramafenster des Coastal Pacific von Christchurch nach Picton: In gemächlichem Tempo fährt der Zug an der Ostküste entlang – vorbei an Robben, die sich auf Steinen sonnen, Weinanbaugebieten, Fischereihafen und Straßen-Baustellen vom jüngsten Erdbeben. Wunderbare Ausblicke gibt es auch bei der 680 Kilometer langen Bahnfahrt mit dem „Northern Explorer“ von Auckland nach Wellington durch das Herz der Nordinsel mit Blick auf die drei aktiven Vulkane des Tongariro-Nationalparks. Dieser wurde 1894 der erste Nationalpark Neuseelands und einer der ersten Naturschutzparks überhaupt.

Pohutu heißt der größte Geysir der südlichen Hemisphäre. Er bricht im Thermalgebiet von Rotorua einmal pro Stunde aus und erreicht eine Höhe von bis zu 30 Metern. Foto: to

Für seine geothermischen Phänomene ist Rotorua bekannt, im Zentrum der Nordinsel. Die Stadt ist das Thermal-Zentrum des Landes, aber auch die Keimzelle der Maori-Kultur. Besucher erleben in Shows Zeremonien, Gesänge, Tänze der polynesischen Bewohner Neuseelands und ein im Erdofen zubereitetes Festmahl. Die Kultur der Erstbesiedler – in der Geschichte des Landes von den Weißen lange unterdrückt – hat einen hohen Stellenwert.

Im Thermalgebiet „Te Puia“ blubbern, schmatzen und köcheln Schlammtümpel und heiße Becken, Schwefelgeruch hängt in der Luft und jede Stunde bricht der Pohutu aus: Der größte Geysir der südlichen Hemisphäre erreicht eine Höhe bis zu 30 Meter.

Am Cape Reinga fließen Südpazifik und das Tasmanische Meer ineinander. Nach dem Glauben der Maori verlassen hier die Seelen der verstorbenen Maori Neuseeland, um in ihre Urheimat Hawaiki zurückzukehren. Foto: to

Nostalgie kommt bei Zug-Liebhabern auch auf der Coromandel-Halbinsel östlich von Auckland auf: Im Norden des gleichnamigen Örtchens Coromandel hat Töpfer und Ökoaktivist Barry Brickell auf seinem 22 Hektar großen Land eine drei Kilometer lange Schmalspur-Eisenbahnlinie gebaut. Die „Driving Creek Railway“ wurde 1990 eröffnet.

Im Schritttempo durch grüne Landschaften

Fahrgäste tuckern im Schritttempo durch grüne Landschaften, kurze Tunnel, Kauri- und Farnwälder, über Brücken und Viadukte bis zum 165 Meter hoch gelegenen Aussichtsplateau.
Ein Fenster in die Vergangenheit öffnet sich im Puketi Forest: Hier kann man die Kauri-Fichte bewundern, die zusammen mit den kalifornischen Redwoods zu den mächtigsten Bäumen der Erde zählt. Wie es im gesamten subtropischen Norden ausgesehen hat, bevor europäische Siedler vor 200 Jahren fast alle Wälder abholzten, kann man im kleinen Urwald ein gutes Stück nördlich von Auckland sehen.

Der 90 Mile Beach ist eigentlich nur 55 Meilen lang. Er erinnerte Abel Tasman an seine Heimat Zeeland. Nach ihr hat er Neuseeland benannt. Foto: to

Die Geburtsstätte des neuseeländischen Staates liegt im heutigen Sommerferiengebiet, der 150 Inseln großen Bay of Islands, einem der historisch bedeutsamsten Orte des Landes. Die Europäische Besiedlung hat hier in der Bucht mit ihren 144 Inseln begonnen. Für die Maori ist die Nordspitze am Cape Reinga der mystische Ort schlechthin: Sie glauben, dass die Seelen ihrer Toten von hier aus die Heimreise antreten – ins sagenhafte Land Hawaiki.

 

Informationen

Anreise: Über Asien oder die USA – beispielsweise mit Singapore Airlines oder Air New Zealand. Die Flugzeit dauert zwischen 21 und 24 Stunden. Flüge gibt es ab 1.500 Euro.
www.singaporeair.com
www.air-newzealand.com.

Infos zu den drei Zuglinien unter www.greatjourneysofnz.co.nz

Reisezeit: Die wärmsten Monate sind Dezember, Januar und Februar. Im März beginnt der Herbst und ist für viele der schönste Monat. Durch den Nationalfeiertag am 6. Februar, der zeitlich nah am asiatischen Neujahrsbeginn liegt, ist im Februar am meisten los im Land. www.newzealand.com

Pauschalen: Ikarus Tours (Am Kaltenborn 49-51, 61462, Königstein) bietet zwischen Oktober und April die große Neuseeland-Rundreise mit Bahn, Bus und Schiff inklusive Übernachtungen und teilweise Halbpension. Tour ab 4.900 Euro. www.ikarus.com.

Touren: In den botanischen Garten in Wellington fährt man am besten mit der Kabelbahn vom Stadtzentrum und steigt an der Kelburn Station aus.
In der „Garden City“ Christchurch lohnt es sich, durch den 30 Hektar großen botanischen Garten am Avon-
River zu bummeln. Der Eintritt ist frei. Touren starten am Fasanenbrunnen gleich neben dem Eingang zum Canterbury Museum.

Extra-Tipps: Der Sky Tower in Auckland ist mit 328 Metern der höchste Turm Neuseelands. Bei guter Sicht kann man rund 80 Kilometer weit blicken. Adrenalinschübe gibt es beim Gang über den Glasboden. Ganz
Wagemutige können beim „SkyWalk“ auf 192 Metern Höhe auf der Plattform frische Luft schnappen oder in weniger als einer halben Minute per Bungee-Seil in die Tiefe springen.
www.skycityauckland.co.nz/sky-tower.