Blick auf die Insel Porto Santo im Atlantik
Ein Sandkasten im Atlantik: Ein kilometerlanger Strand ist die Trumpfkarte von Porto Santo. | Foto: wit

Atlantisches Lummerland

Porto Santo: Madeiras sandige Schwester

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Jim Knopf hätte seine Freude an diesem atlantischen Lummerland. Ein paar Dunstschleier kräuseln sich um den Pico Facho, den Pico de Ana Ferreira und all die anderen Felsklötze, die wie Matterhorn-Verschnitte aus der kargen Landschaft der Atlantikinsel Porto Santo ragen. Dazwischen liegen ein paar graue Asphaltbänder, wo Radfahrer eindeutig in der Mehrzahl sind; und als Krönung des verträumten Inselparadieses gibt es einen acht Kilometer langen Strand – goldgelb, aus pulverisierten Korallen und so menschenleer, als habe der liebe Gott die Erschaffung des Homo sapiens glatt vergessen.

Für mich gibt es keinen besseren Platz auf Erden. Madeira ist mir viel zu hektisch

erzählt der 56-Jährige José Idalino Vasconcelos, der sein ganzes Leben auf diesem elf Kilometer langen und sechs Kilometer breiten Außenposten Europas verbracht hat. Warum auch sollte er „auswandern“ – nach Madeira, wo sich tagein, tagaus die Kreuzfahrtgäste durch die engen Gassen Funchals quälen, gar aufs portugiesische Festland, wo man den Sorgen und Nöten des alten Kontinentes so gar nicht entrinnen kann. „Meine ganze Familie lebt hier. Meine Eltern und Kinder, meine Neffen und Nichten; nur die Tochter hat sich zum Studium davon gemacht“, erzählt der braun gebrannte Portugiese mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Auf Porto Santo, Madeiras kleiner, sandiger Schwester, ist ohnehin jeder mit jedem verwandt, und vielleicht ist der gut gelaunte José ein Nachfahre jenes berühmten Seefahrers, der im späten 15. Jahrhundert nach Westen blickte und vom Seeweg nach Indien träumte.

Die Hauptstadt der Atlantikinsel Porto Santo
Abendlicher Treffpunkt für Einheimische und Touristen: Am Passeio reihen sich einige der schönsten Häuser Porto Santos auf. Ein kleines Museum erinnert an Columbus. | Foto: wit

Vor seiner legendären Entdeckungsreise, die ihn zwar nicht nach Indien, aber immerhin nach Amerika führte, lebte Christoph Kolumbus für einige Jahre auf dem 42 Quadratkilometer großen Eiland. Der italienische Habenichts hatte die Tochter des Gouverneurs geheiratet, und böse Zungen behaupten, dass der nach Ruhm und Ehre gierende Seefahrer eher an der Mitgift und diversen Seekarten interessiert war, denn an der Braut; die galt mit ihren 25 Lenzen damals bereits als schwer vermittelbar. Allzu lange hielt es der Entdecker nicht bei Frau und Kind aus, und die Casa Colombo im Zentrum der „Inselhauptstadt“ hat er sicherlich nie von innen gesehen. Das Haus, in dem ein kleines, nur in den Sommermonaten geöffnetes Museum untergebracht ist, geht nämlich auf das 17. Jahrhundert zurück.

Vila Baleira, der Hauptort von Porto Santo
Vila Baleira, der Hauptort von Porto Santo mit seiner hübschen Kirche, ist nur wenige Minuten vom Hafen entfernt. | Foto: wit

Wegen der paar kulturellen Sehenswürdigkeiten, die sich am Passeio, dem abendlichen Treffpunkt von Einheimischen und Touristen aufreihen, kommt ohnehin keiner nach Porto Santo. Es ist wie die große Schwester Madeira vulkanischen Ursprungs. Allerdings ist der „Heilige Hafen“ viel älter – was Einheimische nicht ohne Stolz in der Stimme erwähnen – und wurde früher von portugiesischen Seefahrern entdeckt. Der Kontrast zwischen den beiden Inselschönheiten könnte nicht größer sein: hier der opulente Garten Madeira mit seiner überbordenden Fülle an Pflanzen, wo sich bereits im 19. Jahrhundert Europas High Society dem Müßiggang in Hotellegenden wie dem Reid’s Palace hingab; dort das Mini-Inselchen, dem Wind und Wasser tiefe Falten verpasst haben und dessen stufenförmige Terrassen davon zeugen, dass die Landwirtschaft neben der Fischerei einst die wichtigste Einnahmenquelle der Insel war.

Blick zum Strand von Porto Santo
Porto Santo ist wie Madeira vulkanischen Ursprungs. Wind und Wellen haben der Insel tiefe Furchen verpasst. | Foto: wit

Das ist lange vorbei. „Es lohnt sich einfach nicht mehr“, erzählt José Idalino Vasconcelos, während er die Treppen zum Miradouro do Canhão hinaufklettert, einem der schönsten Aussichtspunkte über die Insel. Die imposanten Drachenbäume, deren roter Saft im 15. Jahrhundert unter den adligen Damen in Florenz und Venedig heiß begehrt war, weil er die Haare so schön Rotgold färbte, sind längst verschwunden; stattdessen überziehen Besenerika, wilde Geranien und Strelitzien den kargen Vulkanboden – letztere wurde übrigens aus dem südlichen Afrika eingeschleppt. Noch in den 70er-Jahren galt der Archipel, zu dem neben Madeira und Porto Santo noch einige unbewohnte Inseln gehören, als Portugals Armenhaus. Heute bringt man es dank Tourismus zu bescheidenem Wohlstand. 2 600 Hotelbetten hat Josés Heimat zu bieten. Aber richtig voll wird es nur im Sommer, wenn strandhungrige Festlands-Portugiesen auf Porto Santo einfallen, und die hochmütigen Madeirer eingestehen müssen, dass das Familienmitglied etwas zu bieten hat, was Urlauber auf der Blumeninsel schwer vermissen: einen endlos langen Sandstrand mit schützenden Dünen und einer moderaten Brandung. Dann übersteigt die Zahl der Touristen die der 5 000 Einheimischen um ein Mehrfaches. „Ilha Dourada“, goldene Insel, haben findige Marketingexperten das mit milden Temperaturen gesegnete Eiland getauft, wobei sie wohl weniger an die herrliche Praia, denn an klingende Münze gedacht haben.

Blick auf den Strand von Porto Santo
„Ilha Dourada“, goldene Insel, haben findige Marketingexperten das mit milden Temperaturen gesegnete Eiland getauft. | Foto: wit

Zum Glück ist die Hochsaison in den Sommermonaten ebenso schnell vorbei wie sie gekommen ist. Auf dem Flughafen, den einst die NATO anlegte, drehen die Beschäftigten Däumchen, weil die Inselhüpfer aus Madeira mit ihren 20 Passagieren nur alle paar Stunden einschweben. Die hübschen Sommerhäuschen von gut betuchten Portugiesen sind verrammelt, und die hippe Kartbahn gleich hinter dem Jachthafen hat sich in die obligatorische Winterpause verabschiedet. Wer sich in der Nebensaison in einem der drei ganzjährig geöffneten Hotels einquartiert, hat das verträumte Urlaubsparadies fast für sich allein. Der Einsamkeit Suchende kann sich auf ein Frotteelaken betten und den warmen Sand durch die Fußzehen rieseln lassen; er kann sich aufs Rad schwingen und nach Camacha radeln, wo man den typischen, bernsteinfarbenen Rebensaft der Insel verkosten kann; für Sportbegeisterte gibt es Golfplatz, Reitstall und Tauchschule, und wer gar nicht aufs Auto verzichten kann, mietet sich eines –  ein Tag reicht völlig. In aller Ruhe kann er zum Pico de Ana Ferreira düsen, wo kolossale Basaltsäulen an Orgelpfeifen erinnern, den üppigen, tropischen Garten der Quinta das Palmeiras ansteuern oder den Leuchtturm von Ponta do Pargo ablichten, der in 300 Metern Höhe über dem azurblauen Meer mit seinen weißen Schaumkrönchen schwebt. Wer am nächsten Tag dem eigenen Körper etwas Gutes tun will, lässt sich von Kopf bis Fuß in den wunderbar weichen, warmen Sand einbuddeln, dem heilende Wirkung bei allerlei Gebrechen nachgesagt wird. Im „Hotel Porto Santo“, der ältesten Unterkunft auf der Insel, werden sogar therapeutische Sandbäder in der goldgelben Pracht angeboten.

Der felsklotz Ilheu De Baixo Ou Da Cal vor Porto Santo
Ilheu De Baixo Ou Da Cal heißt der Felsklotz vor der Südwestspitze der Insel. | Foto: wit

José Idalino Vasconcelos schwört eher auf das herkömmliche Sonnenbad am Strand. An der Ponta do Calheto, an der Südwestspitze der Insel, läuft diese kleine, heile Welt spektakulär aus: kein störendes Hotel, keine lärmende Diskothek, nur ein luftiges Restaurant, wo köstliche Ceviche und gegrillter schwarzer Degenfisch serviert werden. Der Atlantik donnert gegen die Kaimauer, der unbewohnte Felsklotz mit dem unaussprechlichen Namen Ilheu De Baixo Ou Da Cal reckt sich imposant in den Himmel. „Ein paar Touristen mehr wären schon gut“, philosophiert José, während er die Vorzüge von Porto Santo – keine Kriminalität, keine Hektik, kein Mcdonald’s, kein Starbucks – aufzählt. Doch irgendwie ist der 56-Jährige auch ganz froh, dass manches aberwitzige Projekt der Finanzkrise zum Opfer fiel. Die umstrittene Seilbahn zur Ilheu De Baixo Ou Da Cal? Gestrichen! Die Pläne für ein weiteres Luxushotel? Vorläufig zu den Akten gelegt! Zwar haben die Fußballstars Cristiano Ronaldo, Déco und Luís Figo eines der letzten großen Strandgrundstücke auf Porto Santo gekauft, angeblich für mehrere Millionen Euro, doch vielleicht ist den drei Multi-Millionären auch einfach der Glamourfaktor zu gering – auf der „Ilha Dourada“, Portugals goldener Insel.

Anflug auf die Atlantikinsel Porto Santo
Schnell hin und schnell zurück: Porto Santo lässt sich per Fähre oder per Kleinflugzeug erreichen. | Foto: wit

Informationen

Anreise: Porto Santo bietet sich beispielsweise als Verlängerung eines Wanderurlaubs auf Madeira an. Mehrmals pro Woche fährt eine Fähre in gut zwei Stunden von Funchal nach Porto Santo. Hin- und Rückfahrt kosten in der Hauptsaison (April bis September) knapp 60 Euro, in der Nebensaison 47 Euro.
Der Flug mit den kleinen Propellermaschinen von Aerovip von Funchal nach Porto Santo dauert nur 15 Minuten. Hin und Rückflug gibt es ab 90 Euro. In den Sommermonaten fliegen Condor und Tuifly ab Düsseldorf nach Porto Santo. Hin- und Rückflug ab 300 Euro.

Anbieter: Etliche Anbieter haben Pauschalreisen nach Porto Santo im Programm, oft auch in Verbindung mit Madeira. „Faszinierende Inselwelten“ ist eine achttägige Kombination aus Madeira und Porto Santo von Dertour überschrieben. Im Preis inbegriffen sind Übernachtung mit Frühstück, Fährüberfahrten und Transfers. Die Tour kann ab 439 Euro pro Person gebucht werden. Wer möchte kann die Tour um weitere Tage in Porto Santo verlängern, Die elftägige Tour gibt es ab 699 Euro pro Person, die 15-tägige Tour ab 899 Euro. Hinzu kommt der Flug

Für Individualisten: Eine Übernachtung im Drei-Sterne-Aparthotel Luamar gibt es ab 32 Euro, im Fünf-Sterne-Haus Pestana Porto Santo Beach Resort & Spa ab 89 Euro pro Person.
Eine fünftägige Pauschalreise ab München ins Luamar kostet im August bei Jahn-Reisen beispielsweise 959 Euro pro Person, im Pestana Colombos Premium Club ab 1 452 Euro. Beide Angebote sind mit Frühstück. Im Oktober kosten die Reisen 771 Euro pro Person bzw. 1 093 Euro pro Person.

Auskünfte: Portugiesisches Fremdenverkehrsamt, Zimmerstraße 56, 10117 Berlin, Telefon (0 30) 2 54 10 60.

Wollen Sie mehr über den Archipel erfahren? Madeira ist nicht nur ein Wander- und Blumenparadies, es ist auch stolz auf den berühmtesten Sohn der Insel:  Christiano Ronaldo. Auf www.bruder-auf-achse.de erfahren Sie mehr über Lorbeerwald, Levadas und Hotellegenden.