Konstatinsbogen und Colosseum in Rom
Geschichte auf Schritt und Tritt: Den Konstantinsbogen und das Colosseum lässt kein Rom-Besucher aus. | Foto: wit

Küche und Kultur

Streifzug für Genießer durch Rom

Rom für Genießer guter Küche: Anna hat nun wirklich wenig Ähnlichkeit mit einer italienischen Mama. Schlank und rank steht sie da und ist lebendes Beispiel dafür, dass Pizza und Pasta nicht unbedingt auf den Hüften landen müssen. In Sachen italienischer Kochkunst macht der flotten Brünetten mit der schwarzen Schürze so schnell keiner was vor. „Das wichtigste am Pizzateig ist das Kneten, das Gehen des Teigklumpens und der richtige Ofen“, erklärt die Mitvierzigerin den Eleven ihrer „Pizza Cooking Class“. Die lieben zwar den knusprigen Hefeboden mit reichlich Tomatensauce, Salami, Mozzarella und anderen Zutaten. Doch so richtig hat sich noch keiner in der heimischen Küche an Italiens kulinarisches Aushängeschild herangetraut.

Trevibrunnen in Rom
Anlaufpunkt für die Selfie-Generation: Der Trevi-Brunnen ist Tag und Nacht von Besuchern umlagert.

Im „That’s Amore“, einem typisch italienischen Restaurant unweit des Trevi-Brunnens in Rom, soll dieser wunde Punkt endlich behoben werden. „Wir haben schon Hunderten Kochjüngern beigebracht, was eine echte italienische Pizza ausmacht“, gibt Anna ihren Schülern aufmunternd auf den Weg, und die wagenradgroßen, köstlich duftenden und üppig belegten Teigfladen, die aus der Küche herausgetragen werden, beweisen, dass sich die Anstrengung lohnt.

Ein Pizza-Backkurs in Rom

Nach Tausenden von Schritten auf ausgetretenem Kopfsteinpflaster, nach all den goldstrotzenden Kirchen und den berühmten Brunnen mit ihrem üppigen Figurenschmuck ist der abendliche Pizza-Backkurs die richtige Abrundung eines anstrengenden Besichtigungstages in der italienischen Hauptstadt. Natürlich könnte der hungrige Zeitgenosse auch in einer der unzähligen Touristenfallen an der Piazza Navona Platz nehmen, um dem Leben und Treiben auf dem riesigen Platz zuzusehen, wo einst das antike Stadion des Domitian stand. Er könnte nach Trastevere pilgern, ins einstige Arbeiterviertel jenseits des Tibers, das ebenso hip wie abends überlaufen ist.

belegte Pizza
Rom für Genießer: Eine echte italienische Pizza gehört einfach dazu. | Foto: wit

Doch selbst zu kneten, den Teigklumpen aus Weizenmehl, Wasser, Olivenöl, Salz und wenigen Gramm Hefe mittels Handballen und Fingerspitzen in die gewünschte Form zu bringen, macht doppelt Spaß. Vom erfreulichen Umstand ganz zu schweigen, dass sich der angehende Pizzabäcker ziemlich großzügig bei schwarzen Oliven, hauchdünnem Schinken, feuriger Salami, reifen Tomaten, frischen Pilzen, köstlichen Muscheln und bestem Mozzarella bedienen darf.

Wenn du Rom nicht mit Haut und Haaren verfällst, bis du selbst schuld!

Giacomo, der Römer mit der Attitüde eines aristokratischen Lebemannes, hat bei der morgendlichen Führung keinen Zweifel daran gelassen, dass er seine Vaterstadt für die aufregendste Metropole der Welt hält. Liegt es an der schier unglaublichen Zahl von Gotteshäusern, die selbst bei täglichem Besuch locker für drei Jahre reichen würden? An den kinoreifen Kulissen, die der Film-Fan beim Gang durch die Stadt entdeckt? Oder an der Tatsache, dass in Rom, der Stadt auf sieben Hügeln, jeder Quadratmeter Boden, jeder Stein mit Geschichte vollgesogen ist? Oft genug einer blutigen.

Die Münzen im Trevi-Brunnen

Giacomo, dem Maler, macht es riesigen Spaß, den Fremden seine Stadt zu zeigen. Gemächlichen Schrittes spaziert er mit seinen Schäfchen durch ein Labyrinth aus schmalen Gassen, in denen sich der Fremde hoffnungslos verlieren würde, wenn er keinen guten Hirten bei sich hätte. Er führt sie zur Ponte Milvio, wo Kaiser Konstantin seinen Rivalen Maxentius besiegte und sich heute Abertausende Verliebte ewige Treue schwören. Er streift mit ihnen durch Trastevere, das noch vor wenigen Jahren ein Wohnquartier der einfachen Leute war – mit Tante-Emma-Läden und bunten Marktständen; heute kann sich kaum ein Alteingesessener mehr die horrenden Mieten leisten. Und natürlich kennt er die Antwort auf die Frage, was eigentlich mit all den Münzen in Italiens berühmtestem Brunnen geschieht.

die spanische Treppe in Rom, Italien
An der Spanischen Treppe beginnen viele geführte Rundgänge durch die Stadt. | Foto: wit

Wahrscheinlich wäre die Fontana di Trevi, dieses opulente Oeuvre aus dem Spätbarock mit Meeresgestalten und anderen Fabelwesen, nur ein Brunnen von vielen – wäre dort nicht die atemberaubend kurvenreiche Anita Ekberg in „La Dolce Vita“ baden gegangen. Der romantische Brauch, Münzen zu werfen – mit der rechten Hand über die linke Schulter – ist ebenfalls einem Film geschuldet: dem ziemlich schwülstigen „Drei Münzen im Brunnen“ aus dem Jahr 1954. Richard Nixon soll sich während eines Rom-Besuchs dem obligatorischen Münz-Wurf unterzogen haben. Fest steht: Täglich landen rund 3 000 Euro im herausgeputzten Trevi-Brunnen, der Tag und Nacht von selfie-verrückten Menschentrauben umlagert ist.

Rom hat Hunger aufs Geld

Bislang landete der Millionenbetrag in Euro, US-Dollar und Yen im Säckel der Caritas, die damit Hilfsprojekte für Bedürftige finanzierte. Doch in Zeiten klammer Stadtkassen sind die Begehrlichkeiten groß. Die Idee, es Anita Ekberg nach zu tun, sollte man gründlich überlegen. Schon das bloße Eintauchen heiß gelaufener Füße wird mit saftigen Geldstrafen geahndet, genau wie der Versuch, die eigene Urlaubskasse mit einigen Münzen aufzubessern. Die Zeiten eines Roberto Cercelletta sind ein- für allemal vorbei. Der stadtbekannte Trevi-Fischer hatte sich mehr als einmal die Taschen gefüllt, trotz hoher Bußgelder, die er aber nie bezahlte. 2001 schaffte es der uneinsichtige Kleptomane immerhin auf die Titelseite der „New York Times“.

Spezialitätengeschäft beim Pantheon in Rom, Italien.
Ein Fest für Genießer: Dieses wunderbare Spezialitätengeschäft liegt in der Nähe des Pantheons. | Foto: wit

Rom macht regelrecht süchtig. Es fällt nicht schwer, in Goethes Lobeshymne über die Stadt am Tiber einzustimmen, die er seinem Reisetagebuch anvertraute:

Zu dieser Höhe, diesem Glück der Empfindung bin ich später nicht wieder gekommen

Wären da nur nicht die leidigen Auswüchse des Tourismus, die über 13 Millionen Besucher pro Jahr mit sich bringen. Am Kolosseum, das im Licht der Nachmittagssonne golden glänzt, sind ganze Horden zudringlicher Hobby-Gladiatoren unterwegs, die direkt dem Asterix-Heft entschlüpft zu sein scheinen und nachdrücklich ein saftiges Trinkgeld für den Schnappschuss einfordern. Selbst am Vatikan, wo doch eigentlich Besinnung herrschen sollte, ist der Tourist vor Abzocke nicht gefeit.

die berühmte Wendeltreppe der Vatikanischen Museen in Rom
Über die berühmte Wendeltreppe der Vatikanischen Museen laufen täglich Tausende Besucher. | Foto: wit

Straßenhändler verscherbeln schrecklichen Kitsch; Imbissbuden verkaufen Paninis, Süßigkeiten und Getränke zu astronomischen Preisen. Seriös gekleidete Herrschaften mit weniger seriös aussehenden Ausweisen umschwirren die Wartenden vor Petersdom und Vatikanischen Museen – wie Motto das Licht . Ihr Versprechen: den Fremden gegen einen ordentlichen Obolus an den Warteschlangen vorbei zu schleusen. Innehalten unter Michelangelos Offenbarung in der Sixtinischen Kapelle, ein Gebet zur Muttergottes im Petersdom – dieser Wunsch bleibt für viele Gläubige nur ein Traum.

die Via Appia in Rom
Auf historischen Wegen: Die Via Appia Antica ist ein beliebtes Ziel für Radfahrer.

So verrückt es klingen mag: Wer der Hektik sowie dem allgegenwärtigen Gedränge und Gehupe in Italiens Hauptstadt entfliehen will, schwingt sich aufs Rad. Die Römer fahren zwar wie die Henker, ihr Fahrstil ist ziemlich waghalsig und Fußgängerüberwege wohl nur geschaffen, um sie geflissentlich zu übersehen. Doch hat der Pedalritter erst mal das ziemlich protzige Vittorio Emanuele-Monument hinter sich, das Oval des Circus Maximus und die Ruinen der Caracalla-Thermen, trifft er auf Natur mitten in der Stadt. „Manchmal fahre ich mit meinen Kunden am Tiber entlang, vorbei an prächtigen Kirchenkuppeln und stuckverzierten Palazzi. Doch die schönste Tour führt hinaus auf die Via Appia“ erzählt Marcus, der Neurömer mit Münchner Wurzeln, der für Elebike Rome arbeitet. Schnurgerade zieht sich die Kopfsteinpflasterstraße in die Ferne. Mit Brombeeren überwucherte Mauern liegen am Wegesrand, kleine Kastelle, an denen schon die Soldaten des römischen Reiches vorbeigezogen sind. Die Reize der Landschaft wollten die Erbauer der Via Appia sicher nicht erkunden; ihnen ging es um rein strategische Gründe. Doch schöner radeln lässt sich nirgendwo in Rom als auf der von Zypressen und Pinien gesäumten „regina viarum“.

die Piazza Navona in Rom.
Die Piazza Navona zählt zu den schönsten Plätzen Roms.

Anreise

Rom hat zwei Flughäfen – Fiumicino und Ciampino. Ryanair fliegt beispielsweise in knapp zwei Stunden von Karlsruhe/Baden-Baden nach Ciampino. Flüge gibt es bereits ab 17 Euro pro Strecke (ohne Gepäck). Von dort fahren Shuttle Busse in einer knappen Stunde in die Innenstadt. Die Hin- und Rückfahrt kostet neun Euro.

Der Flughafen Fiumicino (Aeroporto Leonardo da Vinci) ist der größere der beiden und Roms Hauptverkehrsflughafen. Er wird beispielsweise von der Lufthansa angeflogen. Alle 30 Minuten fährt der „Leonardo-Express“ in 35 Minuten zum Hauptbahnhof Termini. Die Fahrt kostet 14 Euro pro Person. Billiger geht es mit dem Bus, der alle 20 bis 45 Minuten fährt. Das Ticket kostet fünf Euro. Allerdings braucht der Bus auch fast eine Stunde.

Vatikanische Museen

Wer die Vatikanischen Museen besuchen möchte und keine Lust auf stundenlange Wartezeiten hat, kommt um eine Vorausbuchung der Tickets nicht herum. Am preiswertesten geht dies über die Internetseite der Vatikanischen Museen. Dort gibt es die Eintrittskarten „ohne Warteschlangen“ für 21 Euro.

Wer zudem den Petersdom ohne Warteschlange besuchen möchte, für den empfiehlt sich ein erweitertes Ticket. Die geführte Tour kostet ab 39,90 Euro. Zudem gibt es die Möglichkeit, die Sixtinische Kapelle und die Vatikanischen Museen am frühen Morgen ohne Menschenmassen zu besuchen. Kosten: 46 Euro pro Person. Der „Pass „Das Beste von Rom“ schließt neben den Vatikanischen Museen und dem Petersdom den Besuch im Kolosseum, im Forum Romanum sowie den Zutritt zum Platin mit ein. Er kostet ab 75 Euro pro Person. Gute Adressen für Buchungen: getyourguide und tiquets.

Extratipp

Den Pizza-Backkurs gibt es in unterschiedlichen Variationen. Mal als vierstündige Pizza- und Pasta-Cooking-Class (ab 150 Euro), mal als Food-Rundgang mit Mittagessen (ab 99 Euro). Den 90-minütigen Backkurs im „That‘s Amore“ gibt es ab 70 Euro pro Person. Im Preis inbegriffen sind Bruschetta, Pizza sowie Dessert, Wasser und Wein sowie ein Nudelholz für daheim.

Auskünfte

Italienische Zentrale für Tourismus, Enit, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt, Telefon (0 69) 23 74 34.