Luambe Nationalpark in Sambia
Tierparadies in Sambia: Im Osten des Landes liegt der nur 254 Quadratkilometer große Luambe Nationalpark. | Foto: Luambe Conservation Ltd

Von Karlsdorf nach Afrika

Safaricamp in Sambia als Steckenpferd

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Michael Riffel ist unheilbar mit dem Afrika-Virus infiziert. Im Hirschberger Industriegebiet, wo seine Beratungsfirma Rifcon ihren Sitz hat, ist erst ein Hauch von Frühling zu spüren. Doch im Innern des Bürogebäudes ist der heiße Kontinent ganz nah. Wilde Tiere blicken auf den Betrachter herab – Flusspferde mit weit aufgerissenem Maul, wachsame Leoparden, hellwache afrikanische Windhunde, die auf das nächste Beutetier warten. Zehn, 20, gar 30 ästhetische Aufnahmen in schwarz-weiß aus dem Safaricamp im Luambe Nationalpark in Sambia. Der gebürtige Karlsdorfer weiß wahrscheinlich selbst nicht, wie oft er den unbeschreiblichen, gleichzeitig gefährdeten Tierreichtum des schwarzen Erdteils mit der Kamera festgehalten hat.

Michael Riffel, Pächter eines Safaricamps in Sambia.
Ein Safaricamp in Sambia als Steckenpferd: Der Biologe Michael Riffel geht ungewöhnliche Wege. | Foto: wit

Eigentlich hat der Nordbadener, Jahrgang 1963, ja genügend zu tun: Seine Firma, die sich mit Verbraucher-, Umwelt-, Natur- und Artenschutz beschäftigt, läuft prächtig. Seine 200 Mitarbeiter, Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt, haben einen exzellenten Ruf, wenn es um die Zulassung von Chemikalien, Ökobilanzen oder Artenschutzgutachten geht. So könnte sich der Firmengründer beruhigt zurücklehnen, angesichts der Tatsache, wie gut sich sein Kind in den vergangenen 17 Jahren entwickelt hat. Seine Afrika-Leidenschaft wäre auch im Urlaub in irgendeiner Luxus-Lodge in Südafrika, Botswana oder Simbabwe zu stillen. Doch diese Touristenrolle reicht dem Biologen nicht aus. Als sich ihm vor einigen Jahren die Möglichkeit bot, ein Safari-Camp nebst angeschlossenem Nationalpark in Sambia zu übernehmen, griff Michael Riffel zu. „Und ich habe es keinen Augenblick bereut“, erzählt der 54-Jährige.

Mit Glück zum Safaricamp

Die Geschichte, wie ein deutscher Biologe Pächter einer Lodge im vergleichsweise kleinen, nur 254 Quadratkilometer großen Luambe Nationalpark wurde, ließe sich mit einem Satz umschreiben: zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen. Ein anderer hätte höchstwahrscheinlich dankend abgewunken; schließlich ist ein Safaricamp mitten in der Savanne von Sambia – vier holprige Autostunden vom nächsten kleineren Flughafen entfernt – eine logistische Herausforderung, vor der selbst ein Hotelfachmann zurückschrecken würde. Und Sambia, dieses bitterarme Land im Süden Afrikas, wo der Tourismus im Vergleich zu den Nachbarn Südafrika und Namibia in den Kinderschuhen steckt, ist auch nicht Österreich oder die Schweiz, was Infrastruktur oder staatliche Verwaltung angeht.

Tal des Luangwa in Sambia, Afrika
Das Tal des Luangwa, wo das Luambe Safaricamp liegt, ist völlig unverbaut. | Foto: Luambe Conservation Ltd

Michael Riffel zögerte dennoch keine Sekunde: „Mit dem Projekt im Luangwatal hat sich die Chance eröffnet, über Ökotourismus den Großtierbestand des kleinen Nationalparks zu stabilisieren und zu vergrößern“, erzählt der Hirschberger. Einen ersten Erfolg gab es bereits zu feiern: Luambe, das zwischen dem bekannten South Luangwa und dem North Luangwa Schutzgebiet liegt, wurde zum weltweit ersten klimaneutralen Nationalpark gekürt.

Biologie als Berufung

Die Begeisterung für die Natur – bei Michael Riffel wurde sie bereits in der Jugend geweckt. Im Teenageralter war der Schüler des Bruchsaler Justus-Knecht-Gymnasiums im Deutschen Jugendbund für Naturbeobachtung aktiv. Nach dem Abitur folgte das Biologiestudium in Heidelberg und die Promotion, die sich mit der Anpassung von Fischen an bestimmte Gewässer befasste. Riffel arbeitete für das Zoologische Institut der Universität Heidelberg und für die KABS, die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage.

Ob der Bacillus thuringiensis, der hierzulande höchst erfolgreich den Schnaken den Garaus macht, auch gegen Stechmückenplagen in den Tropen eingesetzt werden kann, lautete die Aufgabenstellung für den Wissenschaftler. Funktioniert nicht, „weil dort die Insekten rund um die Uhr schlüpfen“, stellte der damalige KABS-Mitarbeiter fest. Im Jahr 2000 gründete er schließlich Rifcon, zunächst als Einzelfirma, von 2005 an als GmbH. Und 2014 ist das Luambe Camp an der Mündung des Munyamadzi-Mündung in den Luangwa dazu gekommen, ein Herzensobjekt des Naturfreundes. „Wer einmal gesehen hat, wie sich 60, 70 oder 80 Hippos im Fluss tummeln, vergisst dies nie“, so Michael Riffel.

Sambia – das „wahre Afrika“

Sambia, das sich als „wahres Afrika“ bezeichnet, ist verglichen mit anderen Ländern im Süden des Schwarzen Kontinents, ein touristisches Entwicklungsland. Das ehemalige Nordrhodesien, doppelt so groß wie Deutschland, mit 15 Millionen Einwohnern aber viel dünner besiedelt, hat zwar 40 Prozent seiner Fläche als Nationalparks und Jagschutzgebiete ausgewiesen, doch allerorten fehlt es an touristischer Infrastruktur. „Es gibt nur eine Handvoll Überlandstraßen, und auch bei denen handelt es sich eher um Pisten, denn um richtige Straßen“, erzählt der Safaricamp-Betreiber aus dem Badischen. Entsprechend selten kommen Touristen in das Land. Knapp eine Million waren es in der Vergangenheit pro Jahr; allein der südafrikanische Kruger Nationalpark bringt es auf eineinhalb Millionen.

Flusspferde im Luambe Nationalpark in Sambia, Ostafrika
Der Luambe Nationalpark ist bekannt für seine Flusspferdherden. Je nach Wasserstand im Munyamadzi-Fluss tummeln sich bis zu 700 Hippos vor dem Safaricamp. | Foto: Luambe Conservation Ltd.

Dabei ist das südostafrikanische Sambia ein Garten Eden, wo eine artenreiche Flora und Fauna erhalten geblieben ist. Das Tal des gut 1 000 Kilometer langen Luangwa ist komplett unverbaut – reichlich Platz also für tierische Bewohner. Krokodile, Impalas, Pukus, Warzenschweine und Wasserböcke halten sich in den lieblichen Auen auf. Auch nächtliche Jäger wie Leoparden. Elefanten, Büffel und Antilopen nutzen den kleinen Park als sicheren Korridor zwischen dem Luangwa und den Bergen im Hinterland, in die sie sich während der Regenzeit zurückziehen. Weil sich der Nebenfluss des Sambesi zudem regelmäßig aufstaut, sammeln sich hier die Flusspferde in schier unglaublicher Zahl. „Wir haben je nach Wasserstand zwischen 100 und 700 Hippos vor der Lodge. Die höchsten Zahlen finden wir am Ende der Trockenzeit im Oktober. Nur das Spitzmaulnashorn ist aus dem Luambe Nationalpark verschwunden“, erzählt Michael Riffel.

Stammeshäuptling gründete das Safaricamp

Es war der Stammeshäuptling Luambe, der das traumhaft schöne Stück Land 1938 zum Wildschutzgebiet erklärte und mitten in diesem tierreichen Kleinod ein erstes Camp mit einigen wenigen Betten errichtete. Doch richtig in die Gänge kam die Safarilodge nicht, obwohl das Reservat 1972 zum Nationalpark erhoben worden war. Seine Abgeschiedenheit ließ Safarifreunde zögern. Wilderer, die über die grüne Grenze zu Malawi kamen, dezimierten den Tierbestand. Zuletzt mühte sich ein deutscher Tierarzt als Pächter, den Betrieb des kleinen Camps mit bescheidenen Mitteln aufrecht zu erhalten.

Safaricampi im Luambe Nationalpark in Sambia
Mitten in der Natur leben Gäste des Safaricamps im Luambe Nationalpark. | Foto: Luambe Conservation Ltd.

Nicht gerade die besten Voraussetzungen für Michael Riffel. „Als ich den Ort inmitten von Mopanewäldern zum ersten Mal gesehen habe, mit den Flusspferden, die sich zu Dutzenden im Fluss aalen, war es um mich geschehen“, versichert der Nordbadener. Lokale Mitarbeiter des früheren Pächters hatten das Safaricamp jahrelang ohne Bezahlung bewacht. Den Niedergang hatten sie nicht verhindern können: Die Anlage war in einem jämmerlichen Zustand. Die für den Busch so typischen Zelte waren kaputt, die Stromversorgung funktionierte nicht, und der Ranger, der im Auftrag des Staates das Gebiet bewachte, hatte weder Gewehr, noch einen fahrbaren Untersatz.

Safaricamp im Luambe-Nationalpark in Sambia, Ostafrika
Ziemlich feudal, und gleichzeitig umweltfreundlich geht es im Safaricamp zu. | Foto: Luambe Conservation Ltd.
Safaricamp im Luambe Nationalpark in Sambia, Afrika.
… und noch ein Bild aus der Lodge im Luambe Nationalpark. | Foto: Luambe Conservation Ltd.

Drei Jahre später läuft der Betrieb wie geschmiert. Die neuen Luxuszelte haben einen unverbauten Blick zum Badeplatz der Hippos. Eine nagelneue Solaranlage liefert Energie, und selbst das leidige Transporter-Problem wurde dank glücklicher Zufälle gelöst. Eigentlich hätte der Mann aus dem Ländle auf den Stern aus Sindelfingen zurückgreifen können, doch eine befreundete Familie aus Südafrika machte ihm klar, dass es in Sambia nur ein unverwüstlicher Leyland Daf sein darf – wegen der Ersatzteilfrage. Doch woher sollte man einen solchen Lastesel bekommen? Michael Riffel fand das gesuchte Teil schließlich bei einer Firma in England, die sich auf den Verkauf von Militärfahrzeugen der britischen Armee spezialisiert hat. „Wir mussten das Gefährt nur noch weiß streichen, nach Namibia verschiffen und dann nach Sambia bringen lassen“, erzählt der Afrika-Fan. Jetzt hilft der Transporter beim weiteren Ausbau des Camps mit.

Dickhäuter vor dem Safaricamp im Luambe Nationalpark in Sambia, Ostafrika.
Auf Tuchfühlung mit Dickhäutern -im Luambe Nationalpark sind sie noch häufig anzutreffen. | Foto: Luambe Conservation Ltd.

„Ohne die Unterstützung von vielen hätte ich es nicht geschafft, das Camp zum Laufen zu bringen“ räumt Michael Riffel ein. Er wäre kein Biologe, wenn er im Luambe Nationalpark nicht auch andere Ziele verfolgen würde. „Use them or lose them“ lautet das Motto für den Ökotourismus, durch dessen Einnahmen die einzigartige Tierwelt des Schwarzen Kontinents geschützt werden soll. Die meisten Angestellten des Safaricamps kommen aus dem kleinen Dorf Chitungulu, die meisten Wilderer sind ebenfalls dort daheim. „Wir müssen die Menschen mitnehmen, in das Projekt einbinden und ihnen klar machen, dass Touristen nur wegen des Tierreichtums kommen“, erklärt der 54-jährige sein Konzept. Elefantensichere Maisspeicher, um die Ernte der Dorfbewohner vor den Dickhäutern zu schützen, sowie neue Brunnen sollen helfen, die Einheimischen mit ins Boot zu holen.

Safaricamp erlaubt Forschung

Weil Forschung außerdem das Steckenpferd des Biologen ist, arbeitet er eng mit dem Zambia Carnivore Programme zusammen, das sich den Erhalt einer der letzten Hochburgen für große Fleischfresser auf die Fahnen geschrieben hat. Die Kamerafallen nahe des Camps dokumentieren dies nachdrücklich: Die Bilder zeigen stark bedrohte Afrikanische Wildhunde, Impalas, Elefanten, ganze Löwenfamilien.

Die Zelte abbrechen?

Wenn Michael Riffel über „sein Camp“ spricht, spürt man die Begeisterung – für Afrika, dessen Tierreichtum, die Menschen und deren Kultur. „Es ist ein großes Privileg, dort etwas machen zu können“, bestätigt der Hirschberger, während sein Bild über die Tieraufnahmen schweift. Ob er davon träumt, irgendwann die Zelte im Badischen abzubrechen? Noch ist da die eigene Firma, der Freundeskreis, der Sohn und die 14-jährige Tochter, die noch zur Schule gehen. Doch wer weiß, was die Zukunft bringt.