Skigebiet von Obertauern
Schneesicher bis weit in den Mai: Obertauern im Salzburger Land ist ein absolutes Schneeloch, dank seiner Lage auf über 1 700 Metern. | Foto: Obertauern Tourismus-Schartner

Wo die Beatles „Help!“ drehten

Obertauern: Logenplatz der „Schneeforscher“

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Der Ort in den Radstädter Tauern gilt als die Schneeschüssel Österreichs. Die Schneesicherheit von Oktober bis Mai ist legendär, der Status bei Beatles-Fans ebenso. Denn hier drehten die vier Pilzköpfe aus Liverpool ihren Film „Help““ und strecken als übergroße Figuren ihre Arme in den Himmel – ganz in der Nähe der Skipisten. 

Sündenpfuhl Obertauern?

Freudenhaus? Für einen winzigen Augenblick kommen Zweifel auf, ob man tatsächlich im richtigen Ort gelandet ist. Der verräterische Name klingt eher nach sündiger Meile, nach verruchter Reeperbahn statt nach einem Dorf mit etwas mehr als 200 Einwohnern. Bis in die 60er Jahre hatte es noch nicht mal einen richtigen Namen, sondern war nur als Radstädter Tauern bekannt.

Die Sorge, in einem Sündenpfuhl gelandet zu sein, entpuppt sich als unbegründet, auch wenn der Urlauber im Freudenhaus von Obertauern ganz schön Knete lassen kann. Die tollen Renncarver für den Sohnemann sind kein Schnäppchen. Die hundsbequemen Skistiefel für die Frau Mama und die wohlig-warmen Handschuhe für den Herrn Papa, weil der die Fäustlinge daheim vergessen hat, reißen ein Loch in die Urlaubskasse.  Winterurlaub, noch dazu mit sportlicher Betätigung auf der Piste, geht ganz schön ins Geld.

Lürzer Alm in Obertauern.
Die Lürzer Alm ist eine der beliebtesten Après-Ski-Bars in Obertauern. | Foto: wit

Die Lürzers – Institution in Obertauern

Den originellen Namen für das Sport- und Modehaus mit seiner Handvoll Dependancen haben sich die Lürzers ausgedacht, eine Institution in Sachen Tourismus in Obertauern. Mit einer einfachen Pension mit zehn Zimmern, Aufenthaltsraum und Stallungen fing alles an. 60 Jahre später herrscht das Brüder-Trio Heribert, Gerhard und Harald über ein Tourismusimperium. Dazu gehören drei Hotels, das Shopping-Dorado, die Skischule, ein eigenes Taxiunternehmen, Restaurants sowie zwei Almen, darunter die legendäre urige Lürzer Alm. Hier rocken Jungs und Mädels in Skistiefeln zu jenen Rhythmen ab, auf die schon ihre Eltern abfuhren.

Bildstock in Obertauern
Der Bildstock steht fast neben der Piste. | Foto: wit

Almhütte wurde zum Hotel

Die „Almhütte Kesselspitze“ hat sich längst in ein Vier-Sterne-Superior-Hotel verwandelt, dessen Gäste sich in der hauseigenen Therme und dem halben Dutzend Saunen erholen oder sich im gut ausgestatteten Fitnessstudio austoben. Geblieben ist die persönliche Handschrift von Senior Herbert Lürzer, der es vom Skilehrer zum stolzen Hotelbesitzer brachte.

Heugabel als Wandschmuck

An den Wänden hängen schwarz-weiße Familienbilder – von ihm als Knirps in speckigen Lederhosen, von seiner späteren Frau Emilie – ein niedliches Mädel mit Schillerlocken und Blumenkranz im Haar –, von den Söhnen, die heute das erfolgreiche Familienunternehmen fortführen. Die Heugabel des Großvaters hängt ebenso an der Wand wie Zeitungsausschnitte über jenes Ereignis, das untrennbar mit dem 1 700 Meter hoch gelegenen Schneeloch im Salzburger Land verbunden ist: dem Einfall der „Beatles“ in Obertauern.

Passstraße in Obertauern.
Auf fast 1800 Metern Höhe liegt Obertauern. deshalb ist der Ort schneesicher bis in den Mai. | Foto: wit

Die Beatles in Obertauern

Eigentlich hatten die vier berühmten Liverpooler ihren Klamaukstreifen „Help!“, den man mit etwas gutem Willen als Bond-Parodie betrachten kann, in Kitzbühel drehen wollen. Doch weil Mitte der 60er Jahre noch Mutter Natur für die weiße Pracht sorgen musste und es im Nobelort an Schnee mangelte, wich die Filmcrew auf die Passhöhe am Übergang zwischen Pongau und Lungau aus. Residiert haben die vier Pilzköpfe im fünften Stock des Hotels „Edelweiß“, das Herbert Lürzer Jahre später kaufte. Gefeiert wurde im „Marietta“, wo Paul McCartney heftig mit der Tochter des Hauses, der damaligen Miss Austria, flirtete.

Double für die Pilzköpfe

Skifahren konnten John, Paul, George & Ringo allerdings nicht, weshalb Doubles verpflichtet wurden. „Die sind umgefallen wie ein Sack Mehl“, erinnert sich Herbert Lürzer, der ausgestattet mit Perücke und Zylinder Paul McCartney mimen durfte. Mehr noch: Weil das Quartett keine Lust auf kreischende Teenagerhorden hatte, mussten die jungen Skilehrer auch falsche Autogramme unterzeichnen: Die haben womöglich einen Ehrenplatz in österreichischen Wohnzimmern gefunden.

Denkmal für die Fab Four

Herbert Lürzer steckte das gute Salär – immerhin 1 000 Schilling am Tag – in den stetig wachsenden Familienbetrieb. Noch immer kann der eingefleischte „Beatles“-Fan in jenen Räumen im „Edelweiß“ nächtigen, in denen die Pilzköpfe die Nacht zum Tag gemacht haben. Im Seekarhaus, das etwas abseits des Zentrums liegt, gibt es eine Beatles-Bar, wo viele schöne Erinnerungsstücke aus den „Help“-Tagen in Vitrinen aufbewahrt werden. Und seit einigen Jahren hat Obertauern auch das passende Denkmal der „Fab Four“: sieben Meter breit, vier Meter hoch, 1,5 Tonnen schwer stehen sie da mit ausgetreckten Armen, dem Plattencover von „Help!“ nachempfunden. Doch so imposant das wie für die Ewigkeit gemachte Monument nahe des Kirchbühellifts ist: Eine Pilgerstätte für Beatles-Fans will das Skidorf nicht sein, das verwaltungstechnisch zu Untertauern im Pongau und Tweng im Lungau gehört.

Denkmal für die Beatles im Skigebiet von Obertauern
Das Denkmal für die „Fab Four“ steht mitten im Skigebiet von Obertauern. | Foto: Tourismusverband Obertauern

Schneesicher bis in den Mai

Was die „Help!“-Filmcrew im März 1965 auf den dünn besiedelten Pass, 90 Kilometer südlich von Salzburg verschlug, ist heute von unschätzbarem Wert. Obertauern brüstet sich damit, von Oktober bis Mai schneesicher zu sein. Es gilt als die „Schneeschüssel Österreichs“. Wenn andernorts die Schneekanonen noch gut verpackt im Depot lagern, rücken im lang gestreckten Dorf inmitten schneebedeckter Gipfel die „Schneeforscher“ an. Zu der Gruppe skibegeisterter Promis gehören beispielsweise Fußball-Legende Uwe Seeler, Zehnkampf-Olympiasieger Willi Holdorf und der „Kaiser“. Franz Beckenbauer. „In Obertauern trägt man die Ski immer an den Füßen, nie auf der Schulter“, lautet einer der Werbeslogans des Ortes. Das handelt sich mitnichten um eine reißerische Botschaft.

Ein Netz aus Liften und Pisten

Die Lage macht’s, der Logenplatz zu Füßen der Gamsleitenspitz, dem Seekareck und der Plattenspitz. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich die Hotels und Pensionen an der Passstraße auf. Gleich dahinter türmen sich sonnenüberflutete Hänge auf, über die ein Netz aus Liften und Pisten gelegt wurde. Entsprechend kurz sind die Wege zum nächsten Lift. Egal welchen Einstieg der Brettlfan wählt, irgendwann landet er automatisch auf der sogenannten Tauernrunde. Die führt mal im, mal gegen den Uhrzeigersinn um die Schneeschüssel. Echte Asse brauchen nicht mehr als eine Stunde, um Obertauern im Zick-Zack-Kurs zu umcarven.

Gamsmilchbar im Skigebiet von Obertauern
Direkt an der Bergstation Zehnerkarbahn auf 2200 Meter Höhe liegt die Gamsmilchbar, die höchstgelegene Skihütte in Obertauern. | Foto: wit

Schatzsuche im Schnee

Schon morgens tummeln sich die Alpinjünger auf den sonnenbeschienenen Pisten zwischen Seekareck und Schnaidbergbahn. Dort sind Insidern zufolge die heißesten Almen im gesamten Alpengebiet zu finden. Der Nachwuchs, dessen Fahrtempo oft in einem aberwitzigen Widerspruch zur Körpergröße steht, tobt sich am Übungsgelände beim Kirchbühellift aus. Standfeste Fahrer und Buckelpistenfans lassen sich zur Gamsleitenspitze hochgondeln; die ist im Frühjahr Schauplatz der wohl verrücktesten Schatzsuche der Alpen: des Gamsleiten-Kriteriums.

Das Schöne am Pistenangebot ist: Man kann es nutzen, muss aber nicht. Wer die Gamsleiten-Piste in den Waden hat, Kategorie tiefschwarz, ist abends froh über ein wenig Muße. Ein paar Runden im Hotelpool, ein schweißtreibender Aufguss in der Sauna, ein gemütlicher Absacker an der Hotelbar. Die Vergnügungstempel Hasnstall, Almrausch und Lazy Flamingo müssen bis morgen warten. Ganz oben zu sein, wo die Luft dünn wird, ist schon anstrengend genug.

Rund 100 Kilometer Pisten

Auf beiden Seiten der Passhöhe gibt es rund 100 Kilometer Pisten zu entdecken, die meisten sind rot, es gibt aber auch etliche schwarze Pisten, wie die Gamsleitenabfahrt. Die 26 Liftanlagen können bis 50 000 Skifahrer in der Stunde befördern. Montags und donnerstags wird die Piste bei der Edelweißbahn für den Nachtskilauf beleuchtet. Eine Handvoll Loipen, darunter die zehn Kilometer lange Weltcuploipe, sowie Rodelbahnen, Pferdeschlittenfahrten und ein Eislaufplatz runden das winterliche Angebot ab.

 

Informationen

Skipasspreise: In der Hauptsaison (vom 22. Dezember bis zum 11. Januar sowie vom 2. Februar bis 22. März und vom 13. bis zum 23. April) kostet der Sechs-Tages-Pass für Erwachsene 244,50 Euro, in der übrigen Zeit 221,50 Euro. Jugendliche (Jahrgang 2000 bis 2002) zahlen 183,50 Euro in der Hauptsaison und 116,60 Euro in der Nebensaison. Kinder (Jahrgang 2003 und jünger) zahlen 122,50 Euro während der ganzen Saison. Wer seltener fahren will, oder auch mal einen Ruhetag einlegen möchte, für den lohnt sich eine Punktekarte. Erwachsene zahlen für die 400 Punkte-Karte 36,50 Euro, Kinder 20,50 Euro. Für die Tauernrunde gegen den Uhrzeigersinn braucht man beispielsweise 280 Punkte.

Übernachten: In Obertauern gibt es Unterkünfte aller Preiskategorien, sowie sechs Jugendhäuser. Für Familien sind sie eine günstige Alternative. Wer es komfortabler mag: Das Vier-Sterne-Superior-Hotel Kesselspitze (Alpenstraße 1, 5562 Obertauern, Telefon 00 43 / 64 55 74 00) liegt direkt bei der Schaidbergbahn und besticht durch seine Tauerntherme, den Hot-Whirlpool im Freien sowie die großzügige Saunalandschaft. Die Pauschale „März Special“ umfasst drei bis fünf Nächte inklusive der Halbpension, die komplette Skiausrüstung sowie den Skipass für die Dauer des Aufenthalts. Drei Tage gibt es ab 566 Euro.

Das Sporthotel Garni Edelweiss (Römerstraße 75, 5562 Obertauern, Telefon 00 43 / 64 56 72 45) liegt mitten im Ort, direkt neben der bekannten Lürzer Alm. Das Vier-Sterne-Haus verfügt über Hallenbad, Whirlpool, Saunen sowie ein Fitnesscenter. Das Skipackage mit sieben Übernachtungen mit Frühstück, die komplette Leihausrüstung, den Sechs-Tages-Skipass sowie zwei Stunden Privatunterricht gibt es ab 999 Euro.

Auskünfte: Tourismusverband Obertauern, A-5562 Obertauern, Telefon (00 43) 64 56 72 52.

 

 

Für Steilwandliebhaber: Die schwarze Gamsleitenabfahrt ist die richtige Piste für all jene, denen es gar nicht steil genug sein kann. Weil sie nachmittags im Schatten liegt, sind hier die Schneeverhältnisse auch noch im fortgeschrittenen Frühjahr gut.
Für Kilometersammler: Wer vor allem fahren möchte, der muss einfach nach dem S7-Symbol Ausschau halten. Das blaue Schild mit der orangefarbenen Schrift markiert die höchsten Punkte des Skigebiets. Von dort steht dem Brettelfan endloses Abfahrtsvergnügen bevor. Sie ist auch von weniger Geübten zu schaffen.
Für Entdeckungslustige: Tauernrunde nennt sich die Krönung des Skilaufs in Obertauern. Mal geht es im Uhrzeigersinn um den Ort herum, mal gegen den Uhrzeigersinn. Die Lifte sind so perfekt aufeinander abgestimmt, die Route so gut ausgeschildert, dass auch weniger geübte Skifahrer einen Heidenspaß haben.