Blick auf den Jachthafen von Monaco
Spielplatz der Reichsten der Reichen: Der Ministaat Monaco ist nur zwei Quadratkilometer groß. Doch für die Megajachten der Multi-Milliardäre gibt es genügend Platz. | Foto: wit

Die „Seadream“ im Mittelmeer

Monaco: Mondäne Spielwiese für den Jetset

Schön, reich und reichlich dekadent: Nach Monaco, der Spielwiese des Jetsets, fährt keiner, um einen Tag am Strand zu verbringen – auch wenn sich das Mittelmeer am Larvotto-Beach in verlockendem Azurblau präsentiert. Ins goldene Disneyland zu Füßen des Fürsten-Felsens „Le Rocher“ fährt man wegen der Nabelschau der Reichen und Superreichen, wegen den „Google-Boys“, den Abramowitsch‘s und all den anderen Milliardären, die mit kapitalistischer Urgewalt den gut zwei Quadratkilometer messenden Ministaat überrollen. In Monaco ist es eng, voll und teuer. Seine 38 000 Einwohner, die sich im Steuer-Himmel wähnen dürfen, drängen sich auf einer Fläche, die so groß ist wie der Botanische Garten von Dresden. Statt der einstigen Belle Époque- und Art-déco-Bauten gibt es gesichtslose Wohntürme, die dicht an dicht die steilen Hänge hinaufklettern; statt öffentlicher Strände gibt es exklusive Jachthäfen, statt bezahlbarer Pensionen sündhaft teure Fünfsternehotels, deren Suiten pro Nacht schon mal das Jahresgehalt eines Durchschnittverdieners kosten können.

Der Jachthafen von Monaco
Im Jachthafen von Monaco dümpeln Millionenwerte im Becken. | Foto: wit

Jack, mit seinen karierten Shorts, der Sonnenbrille und dem Baseballkäppi ein Amerikaner wie aus dem Bilderbuch, ist hingerissen von der Aussicht auf „Reiche gucken“. Wo sonst kann man den massigen Körper in einen Ferrari zwängen, um in Rennfahrermanier über die Formel-1-Strecke inmitten der Häuserschluchten zu rasen, während sich die kaufwütige Gemahlin in den futuristischen Aluminium-Pavillons vor dem traditionsreichen Hôtel de Paris mit Chanel, Balenciaga, Prada, Gucci und Miu-Miu eindeckt. All die Bentleys mit verspiegelten Scheiben, all die Porsches und Bugattis mit russischen Nummernschildern, die den Vorplatz der türmchenverzierten Spielbank von Monte Carlo in einen Exerzierplatz für die Reichen dieser Welt verwandeln, all der Bling-Bling für Mensch und Tier in den Auslagen der Nobelboutiquen zaubern ein seliges Lächeln auf das Gesicht des Texaners. Dass der funkelnde Rosé von den Hängen der Provence schlappe 18 Euro kostet und der abendliche Absacker mit Freunden selbst die morgendliche Ferrari-Spritztour übersteigt, nimmt der US-Amerikaner gelassen. Schließlich ist man nicht jeden Tag in einem echten Fürstentum zu Gast, dessen Herrscher nebst Gattin und Zwillingen von Postkarten, Tischsets und T-Shirts herablächelt.

Straße in Monte Carlo, Monaco
Hollywoodschauspielerin Grace Kelly hat viel zum Glamour des Ministaates Monaco beigetragen.

Neun Tage lang sind Jack und die anderen Passagiere der „Seadream II“ im Mittelmeer unterwegs, vom italienischen Civitavecchia bis zum spanischen Barcelona. Der zweitägige Aufenthalt in dem winzigen Stadtstaat, dessen Glamour durch die Einheirat der Hollywood-Schauspielerin Grace Kelly in die Fürstenfamilie noch verstärkt wurde, ist sicherlich ein Höhepunkt der Reise mit der blau-weißen Yacht: Sie kann  dank ihrer kompakten Länge von 108 Metern auch in jenen Häfen anlegen , um die die großen Kreuzfahrtpötte einen Bogen machen müssen. Verglichen mit der „Dilbar“, einem von vielen teuren Spielzeugen des russischen Oligarchen Alisher Usmanow, wirkt der Traum der Weltmeere wie eine etwas zu groß geratene Nussschale. Der cremeweiße Gigant, mit 156 Metern Länge angeblich die größte Jacht der Welt, ist ja auch ein rechter Hingucker – schnittig wie ein Schnellboot, futuristisch wie ein Sternenkreuzer, mondän wie die teuersten Luxusherbergen an Land mit Pool, Hubschrauberlandeplatz und stolzen 4 000 Quadratmeter Wohnfläche. Die Fotoapparate der Schaulustigen klicken ununterbrochen, denn ein solch protzige Preziose ist selbst im Zwergenstaat von Albert II. keine Alltäglichkeit.

Die "Seadream" im Hafen von Monaco
Die „Seadream kann auch in Häfen anlegen, um die große Kreuzfahrtpötte einen Bogen machen müssen. | Foto: wit

Im zentralen Port Hercule im Business-Viertel La Condamine schwimmen Millionenwerte im Wasser, während die Gattinnen und Gespielinnen der neureichen Bootsbesitzer schnell ins „Carré d‘Or“ mit seinen Luxusboutiquen eilen. Und wer sich die exorbitant hohen Liegegebühren nicht leisten kann, schwebt eben mit dem eigenen Privatflugzeug nach Nizza ein, um die restlichen paar Kilometer per Hubschraubertaxi zurückzulegen. Was erklärt, warum ein unaufhörliches Brummen, Wummern und Geknatter in der Luft liegt.

die Oper von Monaco
Die Oper von Monaco grenzt direkt an das weltberühmte Casino an. | Foto: wit

Als Normalverdiener könnte man sich angesichts der Stolz zur Schau getragenen Unbescheidenheit ein wenig ausgeschlossen fühlen. Wenn man nicht gleich von Neid und Missgunst zerfressen wird beim Blick auf Millionensummen, die schon für schnuckelige Singlewohnungen von 40 Quadratmetern fällig werden. Doch diese Welt voller Glanz und Glamour hält auch für den weniger begüterten Besucher einige Amüsements bereit. In Straßenklamotten darf er tagsüber durch das Casino von Monte Carlo streifen, das mit seinen kunstvollen Fresken, den Glasfenstern und Kristalllüstern sowie dem reichlich verwendeten Blattgold ein Juwel des Belle Époque ist. Lautlos gleitet er – natürlich videoüberwacht – mit öffentlichen Aufzügen, Förderbändern oder Rolltreppen nach oben, um kurz vor zwölf Uhr der feierlichen Wachablösung im Hof des Palastes beizuwohnen. Und im Stadion Louis II. im weit weniger mondänen Stadtteil Fontvielle gelangt man mit etwas Glück sogar auf den heiligen Rasen, wo der AS Monaco seine Heimspiele absolviert. Weil Platz im Fürstentum rar ist, wurde das knapp 19 000 Fußballfans fassende Stadium kurzerhand auf einem Parkhaus errichtet, mit Sport- und Spielstätten im Bauch des Architekturwunders.

Der Fürstenpalast von Monaco
Stippvisite beim Fürsten: Auf dem Felsen „Le Rocher“ steht der Fürstenpalast der Grimaldis. Teile des Palastes sind zeitweise für die Öffentlichkeit zugänglich. | Foto: wit

Sollte Jack vom „Reiche gucken“ irgendwann genug haben und die Frau Gemahlin neben vielen Einkaufstüten auch ein paar bildliche Erinnerungen an good, old Europe mit nach Hause nehmen wollen – das Kontrastprogramm liegt gleich um die Ecke. Cannes, Nizza und Antibes, das Alberts Vorfahre im 16. Jahrhundert übrigens an Frankreich verkaufte, sind zwar auch noch ziemlich mondän, doch an der azurblauen Küste gibt es noch immer jene verwunschenen Orte aus einer anderen Zeit, in denen der Entspannung Suchende vor Hollywood-Stars, Finanzmogulen, russischen Oligarchen und allen anderen Selbstdarstellern sicher ist. Wer mit dem Zug Richtung Westen fährt, verliebt sich augenblicklich in die weltberühmte Küste zwischen Menton und Cassis, das Sehnsuchtsland so vieler Nordeuropäer. Hinter jeder Kurve tut sich ein weiterer atemberaubender Blick auf die betörend schöne Diva auf, auf bizarre Felswände, auf schneeweiße Sandbuchten und bunte Boote, die auf den Wellen dümpeln. Unter dem gleißenden Licht, das schon die Impressionisten gefangen nahm, mischt sich das Azurblau des Meeres mit dem satten Grün von Palmen und Olivenbäumen, paart sich mit dem Violett der Bougainvillen, die fast jedes Haus umgarnen.

Das Örtchen Èze, nur wenige Kilometer von Monaco entfernt,
Das Örtchen Èze, nur wenige Kilometer von Monaco entfernt, wirkt wie ein Freiluftmuseum | Foto: wit

Keine zehn Kilometer von Monaco entfernt ist der Passagier von der „Seadream“ in einer anderen Welt gelandet. Noch eine kurze Fahrt mit dem Bus über eine serpentinenreiche Landstraße – schon liegt einem das schönste Panorama der Côte d’Azur zu Füßen. Einen malerischeren Ort wie das Örtchen Èze kann man sich kaum vorstellen: ein verträumtes Freiluftmuseum, das weithin sichtbar auf einem 430 Meter hohen Felssporn thront. Die liebevoll restaurierten Steinhäuser mitsamt der mit rotem Backstein gepflasterten Gassen formieren sich wie ein Labyrinth um die alte Burgruine aus dem 12. Jahrhundert. Torbögen, antike Brunnen und wehrhafte Türme erzählen von der Jahrhunderte alten Geschichte des Ortes, der lange zur Herrschaft des Hauses von Savoyen gehörte und erst 1860 zu Frankreich kam.

Abschnitt der Côte d’Azur bei Monaco
Schon Friedrich Nietzsche liebte diesen Abschnitt der Côte d’Azur. | Foto: wit

Kein Wunder, dass sich Künstler und Kunsthandwerker in dem der Neuzeit trotzenden Kleinod niedergelassen haben. Selbst Denker wie Friedrich Nietzsche waren hier, um in der Abgeschiedenheit des Mont Bastide neue Kraft zu sammeln. Hier feilte er an seinem Werk „Also sprach Zarathustra“. Nach ihm, dem berühmten Philosophen, wurde ein etwa fünf Kilometer langer, ziemlich steiler, aber gut ausgeschilderter Pfad benannt, der Èze-sur-Mer mit Èze Village verbindet: Rund 90 Minuten dauert der anstrengende Aufstieg, etwas entspanntere 45 Minuten der Abstieg. Und wenn man dann noch weiß, dass Walt Disney gleich mehrere Monate in dem Märchenort verbracht hat, versteht man auch, warum jedes mittealterliche Dorf in den Zeichentrickfilmen haargenau wie Èze aussieht.

Informationen

Die beiden luxuriösen Schwesterschiffe Seadream I und Seadream II bieten Platz für nur wenig mehr als 100 Passagiere. Beide Schiffe sind im Winterhalbjahr in der Karibik unterwegs, von April bis Oktober im Mittelmeer. Angeboten werden die unterschiedlichsten Touren: So geht es beispielsweise im Mai 2018 von Civitavecchia über Sardinien, Korsika, Elba, San Remo und Monaco nach Nizza. Im Juni geht es von Civitavecchia über Sizilien, Kotor, Dubrovnik und Hvar nach Venedig, und im September von Athen über den Kanal von Korinth, Zakynthos und Kotor nach Montenegro. Die Reisen sind in der Regel zwischen fünf und elf Tagen lang. Im Preis sind Übernachtung mit Vollpension, die Getränke an Bord sowie zahlreiche Aktivitäten wie Wassersport und Wanderungen enthalten. Die Preise beginnen bei 2 500 Euro. Es lohnt sich allerdings nach Last-Minute-Schnäppchen Ausschau zu halten.

Auskünfte: Seadream Yacht Club, 601 Brickell Drive, Suite 1050, Miami, Florida 33131.

Touren mit den beiden Schiffen können auch über etliche Kreuzfahrtportale gebucht werden, wie dreamlines, kreuzfahrten.de oder cruisestar.

 

Monaco war nur eine Station auf der Kreuzfahrt durch das Mittelmeer. Wenn Sie mehr über den Hafen Portovenere und die Cinque Terre erfahren möchte, hier geht es zum Beitrag über Liguriens schönste Küste