Eine der Top-Sehenswürdigkeiten in Budapest ist das Parlamentsgebäude. | Foto: Bernd Kamleitner

Im Paris des Ostens

Sightseeing mit allen Sinnen in Budapest

Dieser Schlüssel zur Großstadt hat drei Räder. Und Bertalan Torok hat ihn. Der 22-jährige Student besitzt ein TukTuk. Mit dem Schlüssel kann er in seinem Nebenjob einen zum Mini-Taxi umgebauten Vespa-Roller starten und bis zu zwei Touristen zu den schönsten Plätzen in Budapest kutschieren – auch im Winter, bei schönem Wetter sogar mit offenem Verdeck. Sightseeing mit allen Sinnen.

Ein Wahrzeichen von Budapest: die Kettenbrücke. | Foto: Bernd Kamleitner

Dank Sondererlaubnis dürfen Torok und Kollegen ihre Mini-Taxis auch auf den Top-Aussichtspunkt in Budapest rollen lassen: zur 235 Meter hoch gelegene Zitadelle mit dem früheren Helden- und heutigen Freiheitsdenkmal.

Traumhafter Blick vom Gellertberg auf die Stadt

Auf dem Gellertberg haben Budapest-Besucher einen der schönsten Rundumblicke auf die Metropole und den Donaubogen. Selbst am Abend, wenn sich die Stadt in ein Lichtermeer verwandelt, tummeln sich Unmengen von Menschen auf dem Hügel, den schon die Römer als strategisch wichtig einstuften und mit einem Signalturm bedachten. Heute dominiert hier oben ein Volkssport: Mit gezücktem Handy werden Selfies gemacht.

Tuk-Tuk-Kunden können noch ganz andere Einblicke erhalten. „Wir kommen auch durch schmale Straßen“, nennt der junge Mann einen Vorteil seines knallroten Gefährts, unter dessen Frontscheibe der Werbeslogan „Key to the City“ prangt. Mit der Kundschaft tuckert der perfekt Englisch sprechende Chauffeur und Fremdenführer Torok keineswegs nur im Schneckentempo dahin.

TukTuk – ein Schlüssel zur Großstadt

Wenn es sein muss, ist ein Tuk-Tuk fast 60 Stundenkilometer schnell – flott genug, um sich im Verkehrsgetümmel der ungarischen Hauptstadt problemlos zwischen Luxuslimousinen, Kleinwagen oder Bus einzufädeln. Sich als Gast in der Stadt mit 23 Bezirken und 1,8 Millionen Einwohnern zwischen reichlich Weltkulturerbe zu orientieren, fällt leichter als erwartet.

Zum einen ist der Personennahverkehr gut ausgebaut, zum anderen gibt es neben Taxi, Tuk-Tuk oder einer Schiffsfahrt auf der Donau auch noch das individuellste aller Fortbewegungsmittel: Man geht zu Fuß.

„Wer nicht mehr weiter weiß, fragt einfach nach Duna“, empfiehlt Reiseleiterin Noemi Csondor mit einem Augenzwinkern. Sie weiß natürlich, wovon sie spricht: Viele historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten im „Paris des Ostens“, das im Jahr 1873 aus den beiden Stadtteilen Buda auf dem rechten Ufer und Pest auf dem linken Ufer zusammenwuchs, liegen direkt an der „Duna“ oder gar nicht so weit von der Donau entfernt – ein Fluss als Ersatzkompass.

Wer nicht mehr weiter weiß, fragt einfach nach Duna

An die 200 Museen und Galerien, 40 Theater sowie das prächtige Opernhaus, das unter dem österreichischen Kaiser und ungarischen König Franz Joseph mit der Vorgabe errichtet wurde, nicht größer als das in Wien zu sein und derzeit saniert wird, lassen bei Kulturfreunden keine Langeweile aufkommen.

Stadt der Heilbäder

Obendrein darf Budapest unter den Großstädten ein Alleinstellungsmerkmal für sich in Anspruch nehmen: die Stadt der Heilbäder. Stolz verweist Fremdenführerin Csondor auf an die 40 Bäder. Insgesamt sprudeln über 100 Heilquellen. Die tiefsten und mit 75 Grad heißesten nutzt eines der bekanntesten: das Széchenyi-Heilbad in Pest. Mit über 20 Becken, dazu Saunen und Dampfbad ist es einer der größten Badekomplexe Europas, die Wassertemperaturen liegen zwischen 32 und 38 Grad.

Wer das Angebot auskosten möchte, sollte sich ausreichend Zeit für die Wellnessangebote nehmen. Der Tipp der erfahrenen Reiseleiterin: Statt eines Schließfaches kann man eine eigene Umkleidekabine mieten und dort seine persönlichen Sachen deponieren. Ein Armband dient als Schlüssel. Wer im großen Außenbecken einige Bahnen schwimmen möchte, sollte aber eine Badekappe tragen, die nur dort gefordert wird – sonst ertönt ein schriller Pfiff der Badeaufsicht …

In der Matthiaskirche wurden Franz Joseph und Sisi gekrönt

Bei der individuellen Planung eines Budapest-Aufenthalts steht der Tourist bei der Vielzahl der Möglichkeiten vor der Qual der Wahl: Fischerbastei mit viel Touristenrummel, aber grandiosem Blick auf die Pester Seite; die benachbarte Matthiaskirche – hier wurden Franz Joseph und seine Frau Sisi am 8. Juni 1867 zum ungarischen König und zur Königin gekrönt – und Hunderte von denkmalgeschützten Gebäuden im Bezirk 1 (Schlossberg); der mächtige Burgpalast, von dem man mit der Kettenbrücke nicht nur ein Budapester Wahrzeichen im Blick hat, die St. Stephans-Basilika und das pulsierende Treiben in der alten Markthalle mit traditionellen Marktständen. Natürlich gibt es dort auch Paprika und Salami. Souvenirläden und Imbissbuden sollten bei einem ersten Besuch auf keinen Fall ausgelassen werden.

Parlamentsgebäude mit fast 700 Räumen

Zum Standardprogramm zählt auf jeden Fall ein Besuch des mächtigen Parlamentsgebäudes am Donauufer, ein Bau der Superlative mit fast 700 Räumen, 27 Eingängen und 29 Treppenhäusern. Vorbild war der Palace of Westminster, Sitz des britischen Parlaments in London.

Das Ticket für eine Führung sollte vorab im Internet gebucht werden, denn der Andrang ist groß. Im Normalbetrieb wird alle 15 Minuten eine Besuchergruppe durch das Haus geschleust, wie eine Mitarbeiterin des Besucherzentrums betont. Das am 8. Oktober 1902 eingeweihte Gebäude hat eine Länge von 268 Metern und eine Breite von 123 Metern. Die Kuppel bringt es auf eine Höhe von 96 Meter. Mit der St.-Stephans-Basilika ist das Parlamentsgebäude das höchste in Budapest – und eines der meistfotografierten.

Im Kuppelraum wird die „heilige Krone“ bewacht

Fotografieren verboten heißt es im prächtigen Kuppelraum: In einem Glaskasten ist die Krone des ehemaligen Königreichs Ungarn mit Reichsapfel und Zepter ausgestellt. Die Szent Korona („heilige Krone“) wird von zwei Soldaten bewacht. Kleine Kuriosität am Rande: Auf dem Korridor erinnern goldene und nummerierte Zigarrenhalter an vergangene Zeiten: Hier durften die Parlamentarier einst rauchen. Im Sitzungssaal war das verboten!

Ruin Pubs genießen Kultstatus

Wer Sehnsucht nach Shoppingerlebnissen hat, kann seiner Einkaufslust in der Fußgängerzone frönen – Edelmarken sind reichlich vertreten. Kneipengänger kommen im alten jüdischen Viertel der Stadt auf ihre Kosten: in den so genannten Ruin Pubs wird es abends fast immer eng. Die vielfach spärlich beleuchteten und mit viel Trödel eingerichteten Szenekneipen genießen Kultstatus.

Auch das leibliche Wohl kommt in der Metropole nicht zu kurz. Angebote gibt es in allen Preisklassen. Gehoben ist das Restaurant Borkonyha Winekitchen nahe der Basilika mit einem großen Weinangebot.

Im Gundel speisten schon Queen Elisabeth II.  und Papst Johannes Paul II.

Das Restaurant Gundel im Budapester Stadtwald neben dem Zoo-Haupteingang war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eines der exklusivsten Europas und ist inzwischen wieder eine der ersten Adressen in Budapest. Das Orchester des Hauses spielte schon für prominente Besucher wie Queen Elizabeth II. und andere gekrönte Häupter sowie Papst Johannes Paul II..

Im Gerbaud war auch schon Sisi zu Gast

Wer auf Süßes steht, sollte in der 1858 gegründeten Traditionskonditorei Gerbaud eine Kaffeepause unter Kronleuchtern und Stuck-Decken einlegen. Dort verkehrte einst auch die figurbewusste und äußerste beliebte Königin Sisi, auf deren Spuren man in Budapest natürlich sehr oft stößt. Ein Muss für alle Sisi-Fans ist ein Abstecher in das rund 40 Autominuten von Budapest entfernt liegende Schloss Gödöllö: Das „ungarische Versailles“ war ihr Lieblingsschloss und das Krönungsgeschenk der Ungarn an Sisi und Franz Joseph.

Schloss Gödöllö bei Budapest war Sisis Lieblingsschloss. | Foto: Bernd Kamleitner

Hier soll die begeisterte Reiterin, um die sich viele Legenden ranken, unbeschwerte Zeiten und mehr Nächte als in Schönbrunn in Wien verbracht haben. „Es wäre schön, wenn Wände erzählen könnten“, flüstert die Schloss-Gästeführerin.

 

www.budapest.com

Flüge: ab Stuttgart, Flugzeit: rund 1,5 Stunden. Der Airport liegt 15 Kilometer vom Zentrum entfernt. Anschlüsse mit Bus, Bahn und Taxi.

Budapest-Card: Fahrkarte für öffentliche Verkehrsmittel plus ermäßigter oder freier Eintritt in über 60 Museen. Für 24 Stunden: 19 Euro, für 48 Stunden: 29 Euro, für 72 Stunden 37 Euro pro Person.

 

 Ziele in der Umgebung

Rund 35 Kilometer von Budapest entfernt liegt der Lázár Reitpark, ein Reiterhof mit rund 100 Pferden, Reitvorführungen, Kutschfahrten und Erlebnisgastronomie. Eigentümer sind die Weltmeister im Gespannfahren. Anmeldung erforderlich!

Eine Attraktion im Lázár-Reitpark sind die Reitvorführungen. | Foto: Bernd Kamleitner

www.lazarteam.hu

Die Barockstadt Eger, rund 100 Kilometer von Budapest entfernt, ist bekannt für ihre Heilquellen und für den Wein aus der Umgebung – der Egri Bikaver („Erlauer Stierblut“) ist international bekannt. Die Minoriakirche ist eine der schönsten Barockkirchen Mitteleuropas.

 

Rund 150 Kilometer bis Miskolctapolca lohnen sich für eine besondere Attraktion: ein Erlebnisbad in einem Höhlen-Thermalbad.

Ein Anziehungspunkt für Touristen: das Höhlen-Thermalbad in Miskolctapolca. | Foto: Bernd Kamleitner