Ausstellung 007 Elements im Tiroler Wintersportort Sölden
Wo 007 den Heuschober zerlegte: Ein Flugzeug aus dem Film „Spectre“ ist eines der Highlights in der Ausstellung „007 Elements“ in Sölden. | Foto: wit

Wintersportort der Superlative

Sölden und der James Bond-Wahnsinn

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Für viele Skicracks ist Sölden in Tirol das Nonplusultra. Am Rettenbachgletschjer starten die Weltcup-Asse traditionell in die neue Saison. Doch der Rest der bis Mai dauernden Saison gehört Skifahrern, Langläufern und Schlittenfans. Und natürlich den James Bond-Anhängern, die den Spuren des Geheimagenten folgen.

007 auf dem Gaislachkogel

Was für ein Kerl! Ein Nacken wie ein Stier. Der Brustkorb eines Bodybuilders und dann noch diese stahlblauen Augen, die das Gegenüber erbarmungslos fixieren. Die holde Weiblichkeit bringt dieser fordernde Blick reihenweise zum Schmelzen; den Gegnern des schillernden Charakters gefriert das Blut in den Adern. „Mein Name ist Bond, James Bond“ hallt es durch die dunkle Halle, und wäre der Fan des besten Mannes ihrer Majestät nicht noch vor wenigen Minuten im gleißenden Sonnenlicht auf dem Gaislachkogel gestanden, 3 000 Meter über dem Meer, er würde sich in einem Kino wähnen.

Skihütte beim Tiroler Wintersportort Sölden.
Der Tiroler Wintersportort Sölden ist für viele Skicracks das Nonplusultra – wegen der Pisten und der vielen Hütten. | Foto: wit

Ein gutes Dutzend Clips zu 50 Jahren 007-Wahnsinn

In rascher Folge zerlegt der berühmteste Geheimagent aller Zeiten Flugzeuge und Heuhütten, räumt treffsicher im Heer seiner Feinde auf und rettet – eingerahmt von willigen Bikinimädchen und wutschnaubenden Metallgebissmännern – ein ums andere Mal die Welt. Mehr als 50 Jahre 007- Wahnsinn, eingedampft in ein gutes Dutzend Clips.

Söldens Macher heißt Jack

Dass der scharfe Bursche mit der Lizenz zum Töten ausgerechnet in Sölden aufgeschlagen ist, verdankt das alte Bergbauerndorf auf 1 368 Meter Höhe dem ungekrönten König des Ötztals. Eigentlich heißt der Chef der Bergbahnen, die Garant für Söldens Verbleib in der Premier League des Weltcup-Zirkusses sind, Jacob Falkner. Doch Jack klingt irgendwie besser, internationaler und geht knallharten Geschäftsleuten leichter über die Lippen.

Friedhof von Sölden im Ötztal
Schmiedeeiserne Kreuze prägen den Friedhof in Sölden. | Foto: wit

Ein knappes Dutzend Mal jettete der 62-Jährige mit dem brav gescheitelten Haar und der schlichten Brille nach London, um mit der leibhaftigen Barbara Broccoli und ihren Anwälten die Pläne einer multimedialen Installation in puristischer Architektur am Berg zu verhandeln. Am Ende hatte Falkner die Bewahrerin des Bond-Imperiums überzeugt.

Die haben erkannt, dass hier in Sölden etwas Nachhaltiges entsteht

erzählt der Tiroler, der als Sprachschüler in London vom Fanvirus für den Agenten ihrer Majestät angesteckt wurde. Jetzt hasten Besucher aus aller Welt im „007 Elements“ durch 24 Bond-Filme. Sie erfreuen sich an den Gadgets aus Q’s Tüftlerwerkstatt und posieren vor dem Originalflugzeug, in dem Bond in „Spectre“ durch einen alpenländischen Heuschober flog – mit atemberaubender Dreitausenderkulisse im Hintergrund: ein eingefrorener Moment Filmgeschichte, der den Betrachter noch aus einem anderen Grund frösteln lässt. Die Gänge und Räume werden nämlich nicht beheizt, denn der Permafrost im Berg soll nicht beeinträchtigt werden. Sonst könnten die darunterliegenden Eisschichten auftauen.

Söldener Bondmania

Das „007 Elements“ ist sozusagen das I-Tüpfelchen auf der Söldener Bondmania. Begonnen hat alles mit den Dreharbeiten für „Spectre“. Der Tiroler Hans Dampf erinnert sich gut an jenen Moment, als die Bond-Macher an der Strippe waren. Eine atemberaubende Film-Location musste her, ein Bond-Set für die Ewigkeit mit himmelsstürmender Architektur und höllisch heißen Bergstraßen, die wilde Verfolgungsjagden erst möglich machten.

Für „Spectre“ den roten Teppich ausgerollt

Das Herz des Ötztales hatte beides zu bieten und noch einiges mehr: Die Gletscherstraße für die Dreharbeiten sperren? Null Problemo in Sölden. Eine Seilbahn, die in wenigen Minuten auf 3 000 Meter schwebt? Längst gebaut. Ein paar noble Herbergen, wo Daniel Craig & Co sich ungestört vergnügen können? Ein Leichtes für die Familie Falkner, zu deren Imperium einige der besten Herbergen im Ort gehören.

Spätestens der futuristische Glaskubus des Restaurants „Ice Q“, der wie ein Eiswürfel neben der Bergstation der Gaislachkoglbahn thront und von dessen Dachterrasse der Blick von der Zugspitze bis zu den Dolomiten schweift, muss den Ausschlag für Sölden gegeben haben: Im 24. 007-Abenteuer um die zwielichtige Organisation namens „Spectre“ wurde der Gourmet-Tempel kurzerhand zur Bergklinik eines reichlich unterkühlten Bond-Girls umfunktioniert.

Postmoderne Architektur statt Almhütten-Herrlichkeit

Ob Broccoli & Co. wussten, dass die postmoderne Optik des Innsbrucker Architekten Johann Obermoser manchen Ötztaler mächtig vergrätzte, weil sie so gar nichts mit alpenländischer Almhütten-Herrlichkeit gemein hat? Das Vorgänger-Modell wurde buchstäblich ein Opfer des Berges. Weil auf den Permafrost kein Verlass mehr ist, wurde das alte Restaurant aus Sicherheitsgründen gesperrt und abgerissen. Ein Neubau musste her, ein architektonisches Sahnehäubchen, an dessen Bau sich der Falkner Jack mit Grausen erinnert. Der Geschäftsmann, dessen Vater Hans zu den Tourismus-Pionieren in Sölden zählte, erzählt:

Der Winter war so hart, dass der Beton bei minus 20 Grad gegossen werden musste

Wer mit der leistungsstarken Seilbahn auf 3 058 Meter gondelt, über Kiefernwälder und Skipisten, über nackten Fels, der mit jedem Meter spitzer und abweisender wird, kommt nicht allein wegen des Hauben-gekrönten Genusstempels, wo man in Skiklamotten nebst -stiefeln Variationen von heimischen Fischen, Rinderfilet auf Kartoffelkräuterpüree oder Wolfsbarsch an Krustentierjus speisen kann.

Das Nonplusultra in Tirol

Sölden ist für viele Skicraks das Nonplusultra – nicht nur für die Weltcup-Asse, die auf dem Steilhang am Rettenbachgletscher traditionell in die neue Saison starten. Wenn andernorts die Schneekanonenbetreiber noch kalten Nächten entgegenfiebern, herrscht in Sölden schon Remmi Demmi. Auf den leicht geneigten Hängen zwischen Rotkogljoch und Hainbachjoch üben Dreikäsekochs den perfekten Schwung. Am Schwarzkorgl stürzen sich die Olympiasieger von morgen in die Tiefe, und im „Fire&Ice“ an der Dorfstraße wird gefeiert als gäbe es kein Morgen.

Hotel Central im Tiroler Wintersportort Sölden
Erste Adresse: Das „Central“ ging aus dem Sporthotel hervor. Heute kommen vor allem Genussmenschen in das Fünf-Sterne-Haus. | Foto: Wyhlidal

Kulinarik und Spa als Alternative

Natürlich gibt es auch das passende Programm für gut situierte Genussmenschen: im „Central“, das von Falkners Schwester Angelika geführt wird. 1969 als Sporthotel eröffnet, in dessen Nachtbar einst Roberto Blanco und die Jacob Sisters auftraten, legt das Fünfsternehotel heute den Schwerpunkt auf Kulinarik und Spa. Jahr für Jahr regnet es Preise: Mal wird das Haus als „weltweit luxuriösestes Skihotel“ gefeiert, mal als „Bestes Wellnesshotel“, mal wird es mit der „Toque d’Honneur“, der ewigen Haube des Gault Millau ausgezeichnet.

Zu gerne hätte man für Daniel Craig den roten Teppich ausgerollt, doch das wollte man nicht – wegen der vielen Stammgäste.

Dann hätten wir ja einen ganzen Flur räumen müssen

erzählt Monika Wöckl. Sollte 007, der Bursche mit den stahlblauen Augen, mal wieder in Sölden auftauchen, hält die Marketing-Expertin ein besonderes Tröpfchen für den Martini-Liebhaber bereit: den Pino 3000, für den drei Spitzenwinzer aus Deutschland, Österreich und Südtirol ihre besten Weine beisteuerten.

Hütte im Skigebiet von Sölden
Die Obstlerhütte liegt an der Abfahrt nach Sölden. | Foto: wit

Informationen

Sölden ist die Top-Skidestination im Tiroler Ötztal. Dank 33 hochmoderner Liftanlagen können bis zu 70 000 Personen pro Stunde befördert werden, auf die 146 Pistenkilometer warten. Dank einer Höhenlage von 1350 bis 3340 Meter wirbt Sölden mit einer Schneegarantie von Oktober bis Mai. Die längste Abfahrt von der BIG 3 Plattform der Schwarze Schneid auf 3340 Meter bringt es auf 15 Kilometer. Dabei wird ein Höhenunterschied von knapp 2000 Meter zurückgelegt. Weitere winterliche Aktivitäten: Tandemflüge ab der Bergstation Giggijoch, Eislaufen und Eisstockschießen auf dem Sportplatz Sölden, Rodeln und Langlaufen.

Skipasspreise: Der Ötztaler Superskipass gilt im gesamten Tal, auch in Obergurgl/Hochgurgl sowie in Hochötz und Kühtai. Der Sechs-Tages-Pass für Erwachsene kostet in der Hauptsaison 302,50 Euro. Kinder (Jahrgang 2005 bis 2011) zahlen 166,50 Euro, Jugendliche (Jahrgang 2000 bis 2004) 242 Euro. Für Senioren (Jahrgang 1955 und älter) kostet der Pass 257 Euro. Die Skipasspreise in der Vor- und Nachsaison sind etwa zehn Prozent billiger.

Kabinenbahn in Sölden in Tirol
Topmoderne Kabinenbahnen bringen die Wintersportler in wenigen Minuten ins Skigebiet. | Foto: Wyhlidal

Element 007: Die cineastische Installation über den berühmtesten Geheimagenten der Welt ist im Innern des Gaislachkogels auf 3058 Meter. Vom 10. November bis zum 26. April 2020 hat die Schau täglich von 9 bis 15.30 Uhr geöffnet. Der Zutritt ist nur in einem gebuchten Zeitfenster möglich. Der Eintritt für Erwachsene kostet 22 Euro, Kinder zahlen zwölf Euro, Jugendliche 17 Euro. Das Kombiticket (Auffahrt und Eintritt) kostet 54 Euro, bzw. 30 Euro und 49 Euro.

Übernachten: In Sölden gibt es Übernachtungen für jeden Geldbeutel. Das vielfach ausgezeichnete „Central“ (Auweg 3, 6450 Sölden, Telefon (0043) 525 422 600) ist eines von zwei Fünf-Sterne-Häusern und liegt mitten im Ort. Das Paket „Powder & Snow Special“ kann für fünf bis sieben Nächte gebucht werden. Übernachtung mit Frühstück, Fünf-Gänge-Menüs am Abend, der Skipass sowie ein dreigängiges Lunch-Menü im „Ice Q“ sowie als Krönung ein Vier-Gänge-Menu im Haubenrestaurant „Ötztaler Stube“ sind im Preis ab 1337 Euro eingeschlossen.

Auskünfte: Ötztal Tourismus, Gemeindestraße 4, 6450 Ötztal, Telefon (0043) 572000.

Pisten-Check

Am Giggijoch: Dort beginnt eine der schönsten Talabfahrten nach Sölden, bei der knapp 1 000 Höhenmeter überwunden werden. Darf es noch etwas mehr sein: Dann einfach mit dem Silberbrünnl-Sessel zum Rotkogljoch gondeln und auf 2 662 Meter in die Talabfahrt einsteigen. Die Cracks wählen natürlich die schwarze Variante.

Am Schwarzkogl: Die Nr. 25 ist eine der schwierigsten Skipisten im gesamten Gebiet. Diese wirklich steile schwarze Piste beginnt am oberen Ende des Schwarzkogl-Vierersessels auf über 3 000 Meter. Wer den oberen Teil heil überstanden hat, wird unten mit etwas flacherem Gelände für weite Schwünge belohnt.

Auf dem Gletscher: Auf dem Rettenbachgletscher beginnt traditionell die Weltcup-Saison. Die meisten Skifahrer zieht es eher auf die sonnigen Hänge des Tiefenbachgletschers. Dabei ist die für eine blaue Piste erstaunlich anspruchsvolle Nr. 34 ein echtes Schmankerl – selbst im späten Frühjahr. Durch die Kombination aus Nordhang, Schatten und großer Höhe ist die Schneequalität selbst am späten Nachmittag noch hervorragend.