Sprachkurs in Sevilla
Sprachen im Ausland pauken - das machen immer mehr aus der Generation 50+. | Foto: TravelWorks

Sprachreisen ins Ausland

Vokabeln pauken und Kulturgenuss

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„Más despacio, por favor“: Die vier Wörter gehören in den nächsten Tagen zur Überlebensstrategie während der Sprachreise nach Sevilla. Der freundliche Taxifahrer bekommt sie zu hören. Gastmutter Gracia, ebenso wie deren Töchterchen Virginia, die die gelegentliche Begriffsstutzigkeit der älteren Dame aus Deutschland charmant übergeht. Selbst Vicky, die junge Lehrerin an der Sprachschule clic, muss gelegentlich gezügelt werden – schließlich ist die muntere Frauenschar vor ihren Augen wild entschlossen, das ziemlich eingerostete Spanischwissen aufzufrischen.

Sprachschüler in Sevilla
Sevilla zählt zu den beliebtesten Städten, um die spanische Sprache zu lernen. | Foto: TravelWorks

Der Lebensrhythmus in Spanien

Allzu lang hält die Wirkung des „Más despacio, por favor“ allerdings nicht an. Schon nach wenigen Sätzen sind die Herrschaften aus Sevilla wieder bei ihrem üblichen Sprechtempo. Dabei wird den Menschen im Süden der iberischen Halbinsel doch ein eher gemächlicherer Lebensrhythmus nachgesagt, wovon die lange Siesta am Nachmittag zeugt. Nur beim Reden lassen es Gracia, Virginia und Vicky partout nicht bedächtig angehen. Das bringt ihr deutsches Gegenüber ein ums andere Mal in Bedrängnis.

Sprachenlernen im Ausland

Wenn die Spanischkenntnisse aus Schulzeiten aus dem Gedächtnis entschwunden sind und VHS-Kurse von allwöchentlich 90 Minuten nicht den gewünschten Erfolg erzielen, bleibt nur eine Alternative: eine Sprachreise gen Süden. Besonders wünschenswert: eine Stadt mit viel Kultur und noch mehr Nachtleben.

Die Generation 50+ erobert den Markt

Was früher die Domäne von Schülern und Studenten war, die bescheidene Noten aufbessern wollten, hat mittlerweile die Generation der Best-Ager erfasst. Sprachreisen für die Generation 50+ erobern den Markt. Sie verknüpfen Unterricht und Kulturerlebnis zu einem Gesamtpaket. Morgens Grammatik und Vokabeln büffeln, nachmittags lustwandeln durch Museen, Kirchen und Paläste.

Stadtführung durch Sevilla
Bei gemeinsamen Unternehmungen lassen sich auch die Sehenswürdigkeiten von Sevilla entdecken. | Foto: TravelWorks

Pauken und genießen

Wer will, kann abends spanische Essgewohnheiten in der netten Tapas-Bar studieren. Er kann sich den „Barbier von Sevilla“ reinziehen oder den Sundowner in der hippesten Bar der Stadt genießen. „Alles kann, nichts muss lautet die Devise solcher Sprachreisen für die etwas ältere Kundschaft“, bestätigt Eva White von der Sprachschule Clic. Die bietet Spanischkurse in Sevilla, Cadiz und Malaga an. Für die Über-50-jährigen gibt es spezielle Programme .

Freie Zeit sinnvoll nutzen

Nach neuesten Untersuchungen des Fachverbands Deutscher Sprachreiseveranstalter (FDSV) gehören zwei Drittel aller Sprachreisenden der Altersgruppe 14 bis 30 an; doch die Älteren sind auf dem Vormarsch. Viele der spät berufenen Sprachschüler sind bereits im Ruhestand. Sie wollen die freie Zeit mit etwas Sinnvollem verbringen und gleichzeitig etwas für die eigene geistige Fitness tun.

Frei von Erfolgsdruck

„Ältere Menschen sind hoch motiviert, wollen das Nützliche mit dem Angenehmen verbringen“, bestätigt Sandra Große-Höötmann, Programmkoordinatorin beim deutschen Sprachreiseanbieter TravelWorks in Münster. Während sich Berufstätige oft nicht frei vom Erfolgsdruck im Job machen können, lernen Ruheständler Just for Fun.

Sie büffeln Französisch, weil sie ein Faible für die „Grande Nation“ haben; pauken Englisch, um entspannt über die Insel zu reisen; lernen Spanisch, weil sie den Lebensabend auf den Balearen oder den Kanaren verbringen wollen. Sie haben Interesse an Land und Leuten, die nötige Zeit für einen zwei- oder dreiwöchigen Urlaub, nicht zuletzt das nötige Kleingeld.

Plaza Espana in Sevilla.
Nachmittags bleibt Zeit für Entdeckungstouren. | Foto: wit

Im Kreis von Gleichgesinnten

Grace, die silberhaarige Pensionärin aus New York, hat nicht zum ersten Mal einen Sprachurlaub gebucht. „Für mich ist dies der beste Weg, um mein Spanisch zu verbessern“, erzählt die quirlige US-Amerikanerin.  Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie den zweiwöchigen Kurs in Spaniens viertgrößter Stadt gebucht. Andere – wie das Ehepaar aus Finnland – sind noch ganz am Anfang ihrer Sprachkarriere. Wieder andere freuen sich auf die gemeinsame Zeit im Kreis von Gleichgesinnten.

Kurse für jedes Niveau

An unterschiedlichen Kursformen herrscht kein Mangel. Es gibt Standard-, Intensiv- oder Crash-Kurse, Kompakt-, Konversations- und Business-Wochen, Minigruppen oder Einzelunterricht. Doch die 30 Studierenden fortgeschrittenen Alters, die sich zu Beginn des Kurses einem Einstufungstest unterziehen, haben sich bewusst für die Sprachreise 50+ entschieden.

„Ich genieße die Freiheit vor Ort, kann Reisen und Lernen verbinden, kann – wenn ich möchte – an Führungen und Besichtigungen teilnehmen“, erklärt „Wiederholungstäterin“ Siggi, warum sie sich für diese Kursform entschieden hat.

Wohnen bei der Gastfamilie

Die ehemalige Lehrerin aus Hannover wohnt wie die meisten Kursteilnehmer bei einer Gastfamilie, die nur wenige Gehminuten von der Sprachschule Clic entfernt leben. Der enge Kontakt spielt beim Sprachenlernen eine wichtige Rolle, unterstützt dabei, das Gelernte umzusetzen.

Anpassungsfähigkeit ist Pflicht

Das Miteinander setzt allerdings auch ein gehöriges Maß an Anpassungsfähigkeit voraus. Nicht jedem gestandenen Erwachsenen, der daheim allein in den eigenen vier Wänden wohnt, fällt es leicht, Küche, Bad und Wohnzimmer mit anderen zu teilen. Wer dies nicht möchte, kann auch ein kleines Studio buchen und sich selbst verpflegen.

Flexibel mit Bausteinen

Jeder dritte Sprachschüler bucht den Kurs ohne Unterkunft, denn das Angebot 50+ ist wie ein Bausteinprogramm aufgebaut. Das heißt: Zum Kurs können nach Belieben Unterkunft, An- und Abreise sowie der Flughafentransfer dazu gebucht werden.

Spanische Lebensart

Gracia, die 52-jähige Modedesignerin, ist ein alter Hase als Gastmutter. Neben der Nordbadenerin leben die japanische Studentin Seiko und die Münchner Angestellte Anastasia sowie die 22-jährige Tochter Virginia in der hübschen Fünf-Zimmer-Wohnung nahe der berühmten Kathedrale von Sevilla. Der Umgang ist familiär, wenn auch nicht immer konfliktfrei. Dass spanisches Frühstück eher spartanisch ausfällt und das Abendessen selten vor 21 Uhr serviert wird, daran müssen sich die beiden Gäste aus Deutschland erstmal gewöhnen.

Sprachschule in Sevilla
Im Kreis von Gleichgesinnten lässt es sich gut lernen. | Foto: TravelWorks

Übung macht den Meister

Auch der Umstand, dass sich fünf putzsüchtige Ladies ein Bad teilen müssen, verlangt nach Kompromissen. Dafür gibt es ein ungeschminktes Bild in spanische Lebensverhältnisse, unzählige Informationen über politische und gesellschaftliche Verhältnisse und endlose Möglichkeiten, das am Vormittag gelernte im Gespräch einzusetzen.

Nach wenigen Tagen Unterricht und nach unzähligen Übungen geht einem das Spanisch schon ziemlich locker über die Lippen. Das „Más despacio, por favor“ verblast zur Erinnerung. Eine dürfte sich über die Fortschritte der Spanisch-Schülerin aus dem fernen Deutschland besonders freuen: die Lehrerin an der örtlichen Volkshochschule.

Sprachschule in Sevilla
Wer eine Sprachreise ins Ausland plant, sollte qualifizierte Anbieter auswählen. | Foto: TravelWorks

Was Sie über Sprachreisen wissen sollten

 

Rund 145 000 Deutsche sind 2017 ins Ausland gereist, um eine Fremdsprache zu erlernen. In der Rangliste der beliebtesten Fremdsprachen ganz vorne. In der Rangliste der beliebtesten Fremdsprachen liegt Englisch noch immer ganz weit vorn: Fast drei Viertel aller Sprachschüler entschieden sich dafür.

Auf dem zweiten Platz liegt Spanisch mit rund zwölf Prozent, gefolgt von Französisch mit gut acht Prozent. Immerhin noch knapp fünf Prozent entschieden sich für einen Italienisch-Kurs. Der Rest verteilt sich auf Türkisch, Russisch, Polnisch, Griechisch oder Portugiesisch. Aber auch Japanisch, koreanisch und chinesisch werden studiert.

Die meisten Kursteilnehmer reisen ins Mutterland der jeweiligen Sprache. Doch auch andere Länder gewinnen an Attraktivität. Wer spanisch auf Kuba oder in Ecuador pauken oder Englisch in Südafrika büffeln möchte, dem sind Kultur und Sightseeing mindestens ebenso wichtig wie das Sprachen lernen.

Die Kurse

Die klassische Sprachreise mit Unterricht am Vormittag, beim Intensivkurs auch am Nachmittag, kombiniert mit der Unterbringung in einer Gastfamilien ist die am meisten gebuchte Variante. Der Standardkurs umfasst in der Regel 20 Lektionen pro Woche; beim Intensivkurs können es 25 bis 30 Lektionen sein. Der Einzelunterricht ist die ideale Alternative für Sprachreisende, die nur wenig Zeit zur Verfügung haben.

Die Anbieter

So viele Anbieter, so viele Möglichkeiten: In Deutschland gibt es Dutzende Sprachreiseveranstalter. Die 29 führenden haben sich im Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter zusammengeschlossen. Sie garantieren ausgebildete und qualifizierte Sprachlehrer, haben maximal 15 Teilnehmer pro Kurs, bieten Einstufungstests für Schüler und Erwachsene an, kümmern sich aber auch um alle Belange vor, während und nach der Reise und stehen bei eventuellen Konfliktfällen zur Seite.

Außerdem genießt man nur dann den Schutz des deutschen Reiserechts und ist gegen Insolvenz des Veranstalters versichert. Sprachreiseanbieter müssen sich einer ausführlichen Prüfung durch Experten unterziehen, um die Zertifizierung nach DIN EN 14804 zu erlangen.

Der Kurs 50+

Sprachreisen für ältere Menschen sind eine Kombination aus Sprachunterricht am Vormittag und Sightseeing am Nachmittag sowie am Abend. Zum Programm in Sevilla gehören eine Führung durch die Kathedrale, der Aufstieg zum Giralda, dem ehemaligen Minarett der Hauptmoschee, Besuche der Plaza de España und des Kunstmuseums sowie eine Flamenconacht.

Auch am unterrichtsfreien Wochenende werden Ausflüge organisiert. TravelWorks wird sein Angebot an 50+Sprachreisen im Jahr 2019 weiter ausbauen. Neben Sevilla und Cadiz werden Teneriffa, Nerja und Ibiza als Standorte aufgenommen.

Die Kosten

Die Sprachreisen 50+ dauern in der Regel zwei Wochen, können aber auch verlängert werden. Der zweiwöchige Aufenthalt in Sevilla kostet 1159 Euro (ohne Flug). Im Preis enthalten ist der Spanischkurs, das Kulturprogramm, das Lehrmaterial sowie ein Einzelzimmer bei einer Gastfamilie mit Halbpension. Wer etwas mehr Privatheit schätzt, kann ein Appartement mit Selbstverpflegung buchen. Kosten ab 1327 Euro pro Person, ebenfalls ohne Flug.

Bildungsurlaub

Seit Juli 2015 haben Beschäftigte in Baden-Württemberg einen Anspruch darauf, sich zur Weiterbildung von ihrem Arbeitgeber für bis zu fünf Tagen pro Jahr freistellen zu lassen. In dieser Zeit, die auch für eine Sprachreise genutzt werden kann, wird das Arbeitsentgelt weitergezahlt. Zudem können Sprachkurse wie auch die damit verbundenen Reise- und Unterkunftskosten unter bestimmten Voraussetzungen bei der Einkommenssteuererklärung als Werbungskosten oder Sonderausgaben geltend gemacht werden. Nähere Informationen gibt es beim Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter.