Ein Star in der Zirkusszene ist René Casselly jr. mit seiner Elefantennummer. Noch bis zum 7. Januar ist er damit beim Karlsruher Weihnachtscircus zu sehen. | Foto: Andrea Fabry

Karlsruher Weihnachtscircus

René Casselly sen.: Wir sind keine Tierquäler

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Sie sind ein sehr erfolgreicher Tierlehrer. Tierschützer kritisieren aber immer wieder die Haltung der Tiere im Zirkus und deren Präsentation in der Manege. Wie geht es Ihnen, wenn Sie mit solcher Kritik konfrontiert werden und die Forderung nach einem Verbot von Wildtieren wie Elefanten hören?

Casselly: Erst einmal finde ich es ganz gut, dass sich Leute für Tiere einsetzen. Aber die sollen das da tun, wo es notwendig ist. Bei uns werden die Tiere vom Veterinär kontrolliert – und die befinden das für gut, so wie wir mit unseren Tieren umgehen.

Ich glaube, dass es eine hohe Prozentzahl an Zuschauern gibt, die für Tiere im Zirkus sind

Ich finde, in einem gut geführten Zoo oder einem gut geführten Zirkus sind die Wildtiere besser aufgehoben als etwa in Afrika, wo Elefanten zum Beispiel wegen des Elfenbeins abgeschossen werden. Ich bin in unserer Familie Tierlehrer in der sechsten Generation, meine Kinder sind die siebte. Wir haben die ganze Welt umreist, wurden mehrmals zum renommierten Zirkusfestival in Monte Carlo eingeladen. Wenn wir schlechte Tierlehrer wären, würden wir nicht einmal eingeladen werden. Auch hier beim Karlsruher Weihnachtscircus kommen unsere Tiernummern beim Publikum gut an. Das sieht man an den begeisterten Reaktionen. Ich glaube, dass es eine hohe Prozentzahl an Zuschauern gibt, die für Tiere im Zirkus sind.

René Casselly sen. sieht sich nicht als Tierquäler. Seine Elefanten sind für ihn nicht Kapital, sondern Familienmitglieder | Foto: Bernd Kamleitner

Tierschützer werfen Ihnen Tierquälerei vor…

Casselly: Wir sind keine Tierquäler. Die Versorgung der Tiere steht bei uns im Vordergrund. Bei uns wird auch kein Pferd, kein Schwein, nichts wird geschlachtet. Die Tiere kriegen bei uns das Gnadenbrot und leben in einem Altersheim für Tiere. Da sind die gut aufgehoben. Unsere Elefanten sind keine Tiere aus der Wildnis, sondern aus dem Zoo. Mein Bulle ist jetzt 35 Jahre alt. Mit zwei Jahren ist er zu mir gekommen und jetzt 33 Jahre bei uns. Der Elefant ist für uns nicht so etwas wie Kapital, sondern er ist wie ein Familienmitglied. In der Manege nutzen wir Stimme und Körpersprache und keine Elefantenhaken.

Genau das werfen Ihnen Tierschützer aber vor. In einem Video wird im Internet immer wieder ein Beispiel aus dem Karlsruher Weihnachtscircus angeführt, in dem Sie einen Elefanten mit einer Art Haken beeinflussen…

Casselly: Es heißt immer wieder, ich hätte da dem Elefanten einen Eisenhaken reingehauen. Was ich da in der Hand habe, ist ein Hufkratzer aus Plastik. Dann wäre auch jedes kleine Mädchen ein Tierquäler, das seinem Pony die Hufe auskratzt. Ich brauchte das Teil nur für einen Trick. Weil ich es aber nicht die ganze Zeit in der Hand halten wollte, habe ich es danach in den Hosenbund gesteckt, weil meine Kostümhose keine Tasche hatte. Wir müssen damit leben, dass diese Bilder immer wieder erscheinen. Das ist natürlich traurig, aber ich kann gut schlafen. Meine Tiere haben keine Wunden, sind gut gepflegt und gut genährt. Die Tierschützer fotografieren dann aber ein Tier so, dass es gerade miserabel aussieht.

Artisten aus der Familie Casselly bei einem Auftritt beim Zirkusfestival in Monte Carlo im Jahr 2008 | Foto: dpa

Sie sprechen die jüngsten Vorwürfe an, in dem ein Bild angeführt wird, das einen kläglich wirkenden Elefanten auf Betonboden zeigt…

Casselly: Im Original ist der Bulle keineswegs abgemagert, sondern schneckenfett wie man es auch in der Manege sieht. Wenn der vorwärts läuft, ist das wie ein Panzer. Das Bild ist bei schlechten Licht entstanden, als der Bulle gerade beim Aufstehen war. Da wurden wir für eine Show in eine Eislauf-Arena in Ungarn eingeladen. Der Betonboden ist nicht das Problem, auf dem stehen oft auch Zootiere, aber es hat einfach blöd ausgesehen. Ich finde das Bild auch nicht schön, aber die Veterinäre, die diesen Bullen hier in Karlsruhe live gesehen haben, meinten, der sieht ja ganz anders aus. Auch Menschen sehen nicht auf jedem Bild schön aus. Wenn Tiere aus dem Zirkus verbannt würden, wäre das ein Berufsverbot.

Wenn Elefanten aus dem Zirkus verbannt würden, wäre das ein Berufsverbot

Es gibt in einigen Ländern in Europa schon ein Wildtierverbot in Zirkussen. Was bedeutet das für Sie?

Casselly: Da können wir nicht mehr auftreten. Wir hatten eine Einladung zum größten Zirkus der Welt in den USA. Dann hat sich aber herausgestellt, dass wir mit den Elefanten nicht mehr wieder nach Europa hätten zurückkehren können. Wenn das Engagement zum Beispiel über vier Jahre gegangen wäre, wäre das durchaus dennoch interessant gewesen. Da wären wir schon vor der Ankunft die Stars gewesen. Aber die Elefanten hätten immer auf Betonboden arbeiten müssen. Da hat es bei mir Klick gemacht: Meine Tiere sollen ihren Sand, ihre Wasserkuhle und ihren Matsch haben. Dann fühlen die sich wohl. Erst wenn meine Tiere sich wohl fühlen, dann geht es mir auch gut.

Die Tiere müssen sich immer wieder an neue Orte gewöhnen. Glauben Sie, dass denen das schwer fällt?

Casselly: Das ist schön für die Tiere. Bei jedem Platzwechsel haben die am neuen Standort auch eine neue Umgebung, neue Bäume, eine neue Wiese oder eine neue Sandgrube. Ich finde das gut.

Werden die Tiere auch an Tagen ohne Vorstellung bewegt?

Casselly: An Tagen ohne Vorstellung werden sie trainiert. Dafür haben wir ein Außengehege mit Scheuerbaum, Matsch und Sand. Da lasse ich die auch relaxen und selbst bestimmen, was sie tun. Zum Ablaufen und zum Spielen werden sie aber bewegt. Ich merke auch, dass unseren Tieren das Auftreten in der Manege Spaß macht. Da sind wir ein eingespieltes Team. Wenn mein Sohn vom Elefanten hochgehoben wird und einen Salto dreht, dann sehe ich, wie der Elefant meinen Sohn beobachtet und mal schnell einen Schritt nach vorne macht, damit er auch gut auf seinem Rücken landet.

Einen Elefanten kann man nicht mit Gewalt zu etwas zwingen

Das kann man einem Tier nicht lernen. Und man kann es auch nicht mit Gewalt zu etwas zwingen. Dafür sind Elefanten zu stark. Wir haben die Show auch etwas umgestellt, so dass mehr die Menschen arbeiten und die Tiere eher die Runde laufen. Der dreifache Salto vom Schleuderbrett von meinem Sohn ist einzigartig. Da bin ich sehr stolz.

Wie lange kann denn ein Elefant in der Manege auftreten?

Casselly: In Afrika wird er um die 50 Jahre alt. Sieben mal im Leben bekommt er neue Zähne für seine abgenutzen, das geschieht so alle sieben Jahre. Im Zirkus oder im Zoo kann ein Elefant 65 und mehr Jahre alt werden. Da gibt es mundgerechtes Futter und die besten Doktoren. In der Manege kann ein Elefant bis ins hohe Alter auftreten.

In der Altersresidenz für asiatische Elefanten im Zoo Karlsruhe isst am 23.06.2017 bei sommerlichen Temperaturen die 34 Jahre alte Elefantendame Jenny eine „Eisbombe“. | Foto: Uli Deck (dpa)

Könnten Sie sich vorstellen, dass einer ihrer Elefanten einmal in die Elefanten-WG im Karlsruher Zoo kommt?

Casselly: Das weiß ich nicht. Weil der ja so etwas wie ein Familienmitglied ist, würde ich den gerne so lange mitführen wie es möglich ist. Das ist uns in der Vergangenheit auch immer gelungen.