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Taktieren um den Ballbesitz ist beim Rollstuhl-Rugby gefragt. Peter Schreiner (Mitte) hat beim TV Knielingen eine neue Freizeitgruppe gegründet. Neue Mitglieder sind willkommen. | Foto: Jörg Donecker

Rollstuhl-Rugby in Karlsruhe

Bei den „Griffins“ ist Taktik gefragt

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Mit den „Rebels“ feierte er im Rollstuhl-Rugby internationale Erfolge, mit der Nationalmannschaft fuhr er zu den Paralympics nach Sydney und Athen. Jetzt hat Peter Schreiner wieder ein Team gegründet: Die „Griffins“ nennen sie sich, angelehnt an den badischen Greif. Die im Moment acht Mitglieder kommen nicht nur aus Karlsruhe, sondern aus der ganzen Region, etwa aus Waghäusel oder Heidelberg. Alle sind an mindestens drei Gliedmaßen in ihrer Bewegung eingeschränkt – das ist Voraussetzung, denn die Sportart wurde speziell für Menschen mit starken körperlichen Behinderungen, zum Beispiel Querschnittsgelähmte, entwickelt.

Barrierefreie Sporthallen sind rar in Karlsruhe

Die Gruppe, die beim TV Knielingen angesiedelt ist, sei eher zufällig entstanden, erzählt Schreiner. „Wir waren für die Rebels auf der Suche nach einer neuen Halle, weil wir nicht mehr in die Friedrich-List-Schule können.“ Wegen der neuen Brandschutzverordnungen seien viele Hallen nicht mehr für Rollstuhlfahrer zugänglich, außerdem sei es in Karlsruhe generell schwierig, überhaupt noch irgendwo freie Hallenzeiten zu finden. Beim TV Knielingen ist der Zugang zu Halle und Umkleiden barrierefrei, es gibt Behindertentoiletten und speziell ausgewiesene Parkplätze – und am Mittwochabend war im Hallenbelegungsplan noch eine Lücke frei.

„Just for fun, ohne Druck“, sagt Schreiner, soll nun trainiert werden. Die Spieler sind unterschiedlich schwer behindert, manche können eingeschränkt noch laufen. Andere brauchen Hilfe beim Einstieg in den Rugby-Rollstuhl und haben jemanden dabei, der hin und wieder auch als Ersatzspieler in den Rollstuhl steigt. Der Stuhl hat eine schräg nach hinten sinkende Sitzfläche für besseren Halt und abgeschrägte Räder für mehr Dynamik – ähnlich wie beim Rollstuhl-Basketball, aber nicht gleich.

Die Basketballer haben Angst um ihre Stühle

„Die Basketballer spielen nicht so gerne mit uns, die haben Angst um ihre Stühle“, meint Schreiner schmunzelnd. Denn Rollstuhl-Rugby ist nichts für Zimperliche, da rumsen die Räder aufeinander, das Gummi der Reifen wetzt sich schnell ab. „Obwohl die Rugbyspieler viel schwerer behindert sind, ist Rugby viel anstrengender“, sagt Schreiner. Vor allem seien taktische Manöver wichtiger und variantenreicher.

Rollstuhl-Rugby
Nach der Definition des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands ist Rollstuhl-Rugby ein Sport „für Personen mit Einschränkungen an mindestens drei Gliedmaßen. Dazu zählen überwiegend Menschen mit Querschnittslähmungen, anderen Lähmungen, Amputationen und Spastiken.“
Gespielt wird auf einem Basketballfeld mit Standardgröße in der Halle. Zwei Mannschaften mit je vier Spielern versuchen, den Ball über die acht Meter breite gegnerische Torlinie zu fahren. Ein Spiel dauert viermal acht Minuten plus Auszeiten. Es gewinnt die Mannschaft, die am Ende der Spielzeit die meisten Tore erzielt hat. Der Ball darf gepasst, geworfen, gedribbelt und auf dem Schoß transportiert werden.
Die Spieler werden je nach Grad der körperlichen Behinderung auf einer Punkteskala von 0.5 bis 3.5 klassifiziert. Je höher die Punktzahl, desto geringer der Behinderungsgrad. Die Klassifizierung dient dazu, möglichst gerechte Wettkampfbedingungen zu schaffen. Nach internationalen Regeln dürfen die Spieler eines Teams zusammen nicht mehr als acht Mannschaftspunkte haben. National wird mit sieben Mannschaftspunkten gespielt, damit auch Schwerstbehinderte unter fairen Bedingungen an Wettkämpfen teilnehmen können.
Rollstuhl-Rugby ist im Wettkampfbetrieb mit gemischten Mannschaften organisiert, da nur sehr wenige Frauen den Sport ausüben. Um den Anteil weiblicher Spieler zu fördern, bekommen Mannschaften je einen halben Punkt Vorteil für jede Frau im Team: Eine Mannschaft mit drei Männern und einer Frau beispielsweise darf auf nationaler Ebene mit bis zu 7,5 Mannschaftspunkten – statt maximal sieben Punkten bei einem reinen Männerteam – zum Wettkampf antreten.

 

Die Sportgeräte sind Maßanfertigungen, die Preise für einen Rugby-Rollstuhl beginnen bei 9 500 bis 11 000 Euro, erklärt Schreiner. Es gibt „Lowpointer“- oder Defensiv-Stühle, die von stärker eingeschränkten Spielern benutzt werden und im Spiel zur Verteidigung dienen: Sie halten die Offensivspieler davon ab, den Ball über die Ziellinie zu bringen und ein Tor zu machen. Spieler mit weniger Einschränkungen, die „Highpointer“ (siehe Stichwort), können sich besser bewegen und sind meist Offensivspieler. Die Lowpointer-Stühle sind auf Blockade getrimmt, die Highpointer-Stühle darauf ausgerichtet, möglichst wenig Angriffsfläche zum Einhaken zu bieten.

Sport und Austausch mit Gleichgesinnten

„Ich habe früher schon Sport gemacht, auch vor dem Unfall“, erzählt Dimi Tsiropoulos. In den 90er Jahren hatte er auf dem Arbeitsweg einen Autounfall und ist seither querschnittsgelähmt. „Aber auch die soziale Komponente ist mir wichtig. Und dass ich einen Ausgleich habe.“ Er habe in der Tourismusbranche gearbeitet und sei viel gereist. Das tut er auch heute noch, zumindest einmal im Jahr. „Das geht auch im Rollstuhl, man muss eben nachfragen und auch bereit sein, Hilfe anzunehmen.“

Das Zusammensein mit Gleichgesinnten sei für die meist durch Sport- oder Verkehrsunfälle körperlich behinderten Spieler sehr wichtig, sagt auch Schiedsrichter Günther Wickenhäuser, der beim Mittwochstraining regelmäßig dabei ist. „Es hilft auch im Alltag total“, erklärt er, „man hat ähnliche Probleme und kann sich gegenseitig Tipps geben, mit einer speziellen Einschränkung zurechtzukommen.“
Sportliche Ziele haben die „Griffins“ dennoch: Ende März fahren sie zu ihrem ersten großen Turnier nach Köln, dem Bernd-Best-Turnier. Und am 23. Juni richtet die Mannschaft ihren eigenen Regionalliga-Spieltag in Karlsruhe aus.

Mitspieler gesucht
Die „Griffins“ suchen noch weitere Männer und Frauen, die Lust haben, das Team zu verstärken. Trainingszeiten sind mittwochs von 20 bis 22 Uhr in Halle 3 beim TV Knielingen, Frauenhäusleweg 3. Interessierte können sich per E-Mail an office@tv-knielingen.de oder telefonisch unter (07 21) 56 26 39 melden. Weitere Infos auch unter www.tv-knielingen.de