Polizei in Salisbury
Einsatzkräfte der Polizei stehen vor dem Haus des früheren russische Geheimdienstoffiziers Skripal in Salisbury. | Foto: Frank Augstein/AP

Anschlag mit Nervengift

„Russische Spur“ im Fall Skripal nicht nachweisbar

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Kurz vor einem Sondertreffen des Exekutivrats der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) hat das britische Militärlabor Porton Down eingeräumt, dass eine mögliche russische Herkunft des Nervengifts im Fall Skripal nicht eindeutig festgestellt werden könne. „Wir konnten nachweisen, dass es sich um Nowitschok handelt, um ein Nervengift militärischer Art“, sagte am Dienstag der Labordirektor Gary Aitkenhead dem Sender Sky News. Seine Einrichtung könne aber nichts zur „exakten Herkunft“ der Substanz sagen. Laut Aitkenhead sind jedoch „extrem komplexe Methoden“ zur Herstellung des Gifts vonnöten, über die „nur ein staatlicher Akteur“ verfüge.

Der Laborchef hat nach eigenen Worten die britische Regierung darüber informiert, die auf Basis weiterer Hinweise ihre Rückschlüsse gezogen habe. Aitkenhead, der erst im Januar die Leitung von Porton Down übernahm, schloss die Möglichkeit aus, dass Nowitschok auf britischem Boden hergestellt wurde – ein Vorwurf, der in Russland erhoben wurde. „Es ist absolut unmöglich, dass es von uns kommt oder unsere Mauern verlassen haben könnte“, sagte der Fachmann.

Das Eingeständnis der britischen Experten ist von weitreichender Bedeutung für die aktuelle Krise in den Beziehungen Russlands mit dem Westen, die in einen schweren diplomatischen Konflikt eskaliert ist. Der Kreml bestreitet jegliche Verwicklung in den Anschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia am 4. März im englischen Salisbury. Als Reaktion auf die Vorwürfe der Premierministerin Theresa May gegen Moskau hatten rund 25 Staaten und die Nato etwa 150 russische Diplomaten ausgewiesen. Auch Russland wies daraufhin viele westliche Diplomaten aus.

May müsse sich jetzt entschuldigen, forderte am Dienstag der Vize-Sprecher des russischen Parlaments, Pjotr Tolstoj. Ein Chemieexperte des Verteidigungsministeriums in Moskau widersprach der britischen Darstellung, dass nur ein Staat hinter dem Anschlag stehen könne. Die Agentur Ria Nowosti zitierte Igor Rybaltschenko mit den Worten: „Es ist kein Problem, Nowitschok in einem gut ausgestatteten Labor herzustellen. Man kann alle seine Komponenten kaufen“.