Auf diesem Foto sind noch Gaffer zu sehen, die auf der gesperrten A5-Fahrbahn in Richtung Süden umherspazieren.
Beidseitig gesperrt war die A5 nach dem Unfall am Dienstag. Mancher Autofahrer hat das nicht ernst genommen - und spazierte zu Fuß zur Unfallstelle. | Foto: Bentz

Freiheitsstrafe möglich

Schwierige Beweislage: Gaffer werden selten bestraft

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Am Dienstag hat es in der Baustelle auf der A5 wieder einmal gekracht – und wieder waren Schaulustige schnell zur Stelle. Doch diesmal sind die Gaffer wortwörtlich noch einen Schritt weiter gegangen.

Wie die Polizei berichtete, kletterten rund 50 Personen über die Leitplanke der nach dem Unfall beidseitig gesperrten Autobahn, um über die Gegenfahrbahn zur Unfallstelle zu spazieren. Die Polizei musste zum Lautsprecher greifen und die Gaffer auffordern, zu ihren Fahrzeugen zurückzukehren.

Leider, so Sabine Doll von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe, hätten die Beamten vor Ort keine Möglichkeit gehabt, auch nur eine einzige Personalie eines Gaffers aufzunehmen. „Die Kollegen waren so beschäftigt mit der Unfallaufnahme“, so Doll.

Zudem seien Gaffer so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Um die Schaulustigen richtig verfolgen zu können, müssten Polizisten bei einem Unfall freigestellt werden. Doch dafür sei kein Personal da.

Wie wird Gaffen bestraft?

Der Vorfall auf der A5 am Dienstag ist kein Einzelfall. Gaffer und Verstöße gegen die Rettungsgasse gibt es häufig nach Unfällen. Doch mit welchen Konsequenzen müssen die Schaulustigen eigentlich rechnen? Sven Ohlinger, Anwalt für Verkehrsrecht bei der Kanzlei Baier & Depner in Karlsruhe, meint: „Das kann von einem Bußgeld bis zur Freiheitsstrafe reichen.“

Laut Ohlinger komme es auf den Verstoß an, also, ob ein Gaffer etwa den Unfall gefilmt oder die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit stark behindert habe. Auch Persönlichkeitsrechte spielten bei dem Thema eine wichtige Rolle.

Keine klare Grenze

Dass eine klare Grenze, ab wann Schaulustige sich strafbar machen, schwierig zu ziehen sei, ist laut Ohlinger eines der großen Probleme der Gafferthematik. Aber: „Wenn eine andere Person geschädigt wird, dann liegt keine Ordnungswidrigkeit mehr vor.“ Das Filmen oder Fotografieren einer Unfallstelle etwa sei bereits eine Straftat.

Das personelle Problem der Polizei führt Ohlinger ebenfalls an: „Die Polizei ist da ein bisschen ohnmächtig.“ Um später Beweise für die Straftat vorliegen zu haben und gerichtlich gegen Gaffer vorgehen zu können, müsste der Verkehr während der Unfallaufnahme gefilmt werden.

Mehr Möglichkeiten

Dass sich Gaffervorfälle und Verstöße gegen die Rettungsgasse in letzter Zeit häuften, möchte Ohlinger nicht pauschal sagen. Er glaubt, dass die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vermehrt auf dem Thema liege. „Neugierig waren die Menschen schon immer“, so der Anwalt. Nur heute seien die Möglichkeiten größer, etwa einen Unfall mit dem Smartphone zu filmen. Und: „Es sind viel mehr Autos unterwegs.“

Die Gaffer denken gar nicht darüber nach, was sie tun.

Auf Ohlingers Tisch sind bisher keine Verfahren gegen Gaffer gelandet. Dafür Verstöße gegen die Rettungsgasse. Alle Verfahren zu dem Thema, bei denen der Anwalt tätig wurde, seien jedoch eingestellt worden – aus Mangel an Beweisen.

Eine mögliche Lösung für das Problem sieht Ohlinger in Anti-Gafferwänden, die der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) jüngst vorstellte. Und: Dass Gaffen verboten ist und bestraft wird, müsse erst in den Köpfen der Leute ankommen. Das sieht auch Sabine Doll von der Polizei so: „Die Gaffer denken gar nicht darüber nach, was sie tun.“ Dabei seien erst vor ein paar Monaten die Strafen erhöht worden.