EIFRIG BEMÜHTEN sich die Bewerber Masino, Ansin, Lehnertz, Berggötz und Mende (von links) um die Unterstützung der Bürger bei der Kandidatenvorstellung in Waldbronn | Foto: Klaus Müller

Berggötz oder Masino?

Showdown bei der Bürgermeisterwahl in Waldbronn

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Von Klaus Müller und Heidi Schulte-Walter

Das Kandidatenkarussell der Bürgermeisterwahl in Waldbronn dreht sich trotz der offiziellen Kandidatenvorstellung im vor Menschen überquellenden Kurhaus Waldbronn weiter. Noch am Abend der Veranstaltung meldete sich mit Michael Bauer, Diplom Physiker aus Busenbach inzwischen der sechste Bewerber um das Amt des Bürgermeisters in Waldbronn. Zeitliche und finanzielle Gründe führt er für seine „späte Kandidatur“ an.

Michael Bauer ist der sechste Bewerber um den Rathausposten in Waldbronn | Foto: Klaus Müller

 

Auf dem Stimmzettel taucht er namentlich nicht auf. Mit den Begriffen „Transparenz und Bürgerbeteiligung vor den Entscheidungen“ sowie „Erhalt der dörflichen Strukturen in Waldbronn“ beschreibt er sein kommunalpolitisches Credo. Zudem erhofft er sich – und das nicht nur bei Wahlen – mehr „Beteiligung vom Wahlvolk“. Nein, er werde von keiner Partei unterstützt, so Bauer auf Nachfrage der BNN. Vielmehr trete er auch an, weil er mit dem amtierenden Bürgermeister unzufrieden sei.

Kandidatenvorstellung im Kurhaus

Gemessen an der Zahl der Fragen, die an die Kandidaten gestellt wurden, und gemessen am Applaus, den es für einzelne Antworten gab, läuft die Bürgermeisterwahl in Waldbronn am Sonntag auf ein „Showdown“ zwischen dem amtierenden Bürgermeister Franz Masino ( 64, SPD) und Jonathan Berggötz (30, CDU) hinaus.

„Einer von beiden wird es“

„Einer von den beiden wird es“, so ein Ehepaar aus Waldbronn, das mit seiner Einschätzung die überwiegende Meinung im proppenvollen Kurhaus getroffen haben dürfte. Etliche Besucher, weil das Kurhaus schlicht an seine räumlichen Grenzen stieß, verfolgten stehend, dicht gedrängt oder im Freien die Bewerbervorstellung. Es war die einzige Runde, in der alle fünf Bewerber zu sehen, zu hören und somit zu vergleichen waren.

Finanzlage von Waldbronn ist großes Thema

Viele Waldbronner sorgen sich um die Finanzlage ihrer Gemeinde und stehen Neubaugebieten eher skeptisch gegenüber. Ein Einnahmenproblem in der Gemeinde sieht Masino, der vor acht Jahren antrat, die Schulden deutlich zu reduzieren. Und das lasse er sich von niemanden schlecht reden: „Wir haben Schulden abgebaut.“ (eine Million Euro binnen acht Jahren). Einnahmen möchte der Amtsinhaber über die Erschließung neuer Bau- und Gewerbegebiete generieren. Immer wieder nannte er in diesem Zusammenhang die Fleckenhöhe.

Für oder gegen Fleckenhöhe?

Von einer Bebauung der Fleckenhöhe will der Verwaltungsfachmann Berggötz derzeit nichts wissen. Rück II würde er mittragen, sofern man die Planung kritisch verfolge. Für ihn hat die Gemeinde kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Antworten auf Bürgerfragen, was „beide konkret gegen die schlechte Finanzlage unternehmen wollen“, blieb er aber genauso schuldig wie Masino. Recht allgemein gehalten, sodenn sich nichts ändern sollte, sprach Berggötz von „unschönen Entscheidungen, die man treffen muss“, Masino von „scharfen Schnitten, die man vornehmen muss“. An die „dunkelgelbe Karte“ von der Kommunalaufsicht und damit dem Landratsamt für den Haushalt 2017 erinnerte Berggötz, wohingegen sich Masino mit Blick auf den Haushalt 2018 zuversichtlich zeigte.

Weniger Fragen an andere Kandidaten

Keine Gelegenheit darauf zu antworten, weil nicht gefragt, hatten die drei anderen Kandidaten, die sich aber in ihren Vorstellungsreden zur Haushaltspolitik äußern konnten. Anja Lehnertz (parteilos): Gebraucht werde ein Qualitätsmanagement in der Verwaltung und eine Haushaltskonsolidierung mithilfe externer Fachleute. Rebecca Ansin (Die Partei): Sie forderte – das freilich so gut wie inhaltslos – Gemeinsamkeit und das Aufbrechen alter Strukturen. Fabian Mende (parteilos): Er will Schulden abbauen und die Ausweisung neuer Baugebiete verhindern.

„Will Schulden abbauen“

 

Die Frage, ob Waldbronn für ihn nur ein Sprung auf der Karriereleiter wäre und er gar keine acht Jahre bleiben wolle, verneinte Berggötz. Sein Traum sei es immer schon gewesen, Bürgermeister zu werden. Ähnliches tat Masino kund, der ebenfalls für volle achte Jahre zur Verfügung stehen möchte. Als eine Frau, die sich dank Lebens- und Berufserfahrung die Ausübung des Bürgermeisteramtes zutraue, bezeichnete sich Lehnertz. Lärmbelästigungen durch Verkehr, mehr Tempo-30-Zonen und immer wieder das Thema Finanzen trieben die Fragesteller um; alles Themengebiete, um die sich nach der Wahl der Gewählte/die Gewählte kümmern möchte.

Ist Veranstaltung entscheidend für Wahl am Sonntag?

Und eins zeigte der Abend auch: Für viele, die ins Kurhaus kamen, war die über dreistündige Veranstaltung entscheidend für ihre Entscheidungsfindung – dafür, wem sie am Sonntag ihre Stimme geben.

ANGEMERKT

Politik vor der Haustür ist das, was die Menschen (immer noch) interessiert. Beweis: der Riesenandrang bei der Kandidatenvorstellung im Kurhaus Waldbronn, der die Organisatoren kalt erwischte. Dass eng nachbestuhlt und die Veranstaltung per Beamer ins brechend volle Foyer übertragen wurde, mag gerade noch angehen. Ein „No go“ aber ist, dass Leute im Saal und im Freien – dort obendrein bei Regen – dicht gedrängt mehrere Stunden lang stehen müssen. Dies nur, weil sich der Gemeinderat aus Gründen, die sich wahrscheinlich nur ihm selbst erschließen, auf eine einzige Kandidatenvorstellung festgelegt hat. Warum gab es nicht derer drei, jeweils in Busenbach, Reichenbach und Etzenrot? In der Nachbarschaft – inklusive Ettlingen – ist es üblich, vor einer Bürgermeisterwahl alle Ortsteile „abzuklappern“. Gut so, denn das ist bürgerfreundlich. Der Hinweis der Waldbronner Verantwortlichen, man habe sich schon immer auf nur einen Termin beschränkt, ist von gestern. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere von ihnen in acht Jahren, wenn wieder Wahl ist, und stimmt im Vorfeld dann anders. Die Bürger werden’s nach den Erfahrungen vom Montag danken. Heidi Schulte-Walter