Russische Botschaft
Russische Botschaft: Zahlreiche Diplomaten mussten Großbritannien verlassen. | Foto:  Rain/EPA

Kommentar

Signal der Stärke

Man sollte den Rauswurf Dutzender russischer Diplomaten im Westen nicht überschätzen: Die Standardnummer aus dem Repertoire aus Zeiten des Kalten Kriegs entspricht einer mittleren Eskalationsstufe, eine rote Linie ist damit aber noch nicht überschnitten. Regierungen lassen so in Krisenlagen den Dampf ab, senden scharfe Warnungen an politische Gegner und nötigen ihnen letztlich Respekt ab. Aber unterschätzen sollte man den kollektiven Paukenschlag auch nicht.

Immerhin hat sich mehr als die Hälfte der EU-Staaten zusammengerauft, um dem Kremlchef Wladimir Putin die Folgen seiner destruktiven Außenpolitik vor Augen zu führen. Dazu gehören auch Länder, deren bilaterale Beziehungen mit Russland nicht belastet sind. Das Attentat auf den Ex-Spion Sergej Skripal mit einem Nervengift mutmaßlich russischer Herkunft ließ der Gemeinschaft keine andere Möglichkeit als gemeinsam zu reagieren. Sie hätte sich sonst erpressbar und angreifbar gemacht. Und sie hätte auch jegliche Glaubwürdigkeit ihrer ohnehin nicht sehr stringenten Außenpolitik verspielt.

Ein richtiger Schritt also – und wohl der einzige, der Putin beeindrucken kann. Denn Russlands Präsident respektiert keine schwachen Gegenspieler. Nur sollte dies eben keine Kriegserklärung an Russland sein. Das Land bleibt ein wichtiger Partner Deutschlands und anderer EU-Staaten. Gemäßigte Töne wie von Außenminister Maas sind gut gewählt. Wer einen Warnschuss abgibt, sollte als Nächstes an Deeskalationsstrategien denken.