Man ist so alt, wie man sich fühlt… Oder etwa doch nicht? | Foto: © Ljupco Smokovski – stock.adobe.com

Aufgefallen

Alter schützt vor Jungsein nicht

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Hallo, junge Frau! Guten Tag, junger Mann! Freuen Sie sich, wenn Sie so begrüßt werden? Ärgern Sie sich darüber? Finden Sie die Anrede herablassend? Oder einfach nur blöd, weil Sie erkennbar der Generation 50+ angehören? Wenn letzteres zutrifft, versuchen Sie am besten, cool zu bleiben. Sie sind längst nicht der einzige, der verbal in seine Jugendzeit zurückkatapultiert wird.

Wie alt ist jung?

Wie alt ist eigentlich jung? Im Kollegenkreis haben wir wieder mal darüber diskutiert. Es ging um die Frage, ob man eine 41-Jährige in einem Artikel als „junge Frau“ bezeichnen darf. Geht gar nicht, meinte unser Jüngster prompt. Die älteren Kollegen überlegten länger, hielten „junge Frau“ aber ebenfalls für heikel. Nur – wo liegt die Grenze? Bei 20, 25, 30?

Eine Sache des Gefühls

Das Durchschnittsalter deutscher Frauen beträgt 45,5 Jahren. Damit gehört eine 41-Jährige zu den jüngeren, wenn auch vielleicht nicht zu den jungen Frauen. Andererseits: Für eine 90-Jährige kann sogar eine 70-jährige beneidenswert jung sein. Alter ist relativ. „Man ist immer so alt, wie man sich fühlt“, sagen viele Leute. Da ist was dran.

Leider weiß man im Berufs- wie im Privatleben aber oft nicht, wie alt sich die Leute fühlen, mit denen man es zu tun hat. Weshalb man die Anrede „junge Frau“ vermeiden sollte – egal, welcher Altersklasse das Gegenüber angehört.

„Hallo, junge Frau“

Gewiss kann es als Kompliment gemeint sein, wenn ein netter älterer Herr eine 50-Jährige mit „Hallo, junge Frau“ begrüßt. Viele nette ältere Herren glauben nämlich, dass jede Frau sich freut, wenn man sie für jung hält. 50-jährige Powerfrauen sehen das manchmal aber anders. Zumal es auch weniger nette ältere Herren gibt, die „jungen Frauen“ gern die Welt erklären und kraft Alters immer recht behalten. Solchen Herren ist es egal, ob ihr Opfer 20 oder 60 Jahre zählt – Hauptsache, es ist „jung“.

Aber auch jüngere Männer agieren in Altersfragen bisweilen seltsam. Kürzlich am Marktstand hat eine Rentnerin  beinahe die Eier fallen lassen, als ein kaum der Schulpflicht entronnener Verkäufer ihr entgegenrief: „Was kann ich für Sie tun, junge Frau?“ Als sie sich vom ersten Schreck erholt hatte, fragte die Seniorin: „Sind Sie blind, junger Mann? Oder halten Sie mich nur für senil?“

„Auf geht’s, junger Mann“

Übrigens: Ältere Männer sind vor einer Rückstufung ins Jugendalter ebenfalls nicht gefeit. Mit einer Mischung aus Belustigung und Verdruss erzählte ein betagter Herr jüngst von seiner Reha. Den netten Therapeutinnen sei sein Nachname durchaus bekannt gewesen. Doch habe es wohl zur Politik des Hauses gehört, die Patienten mit „Auf geht’s, junger Mann“ anzuspornen.

Champagner für den jungen Mann

In einem stylischen Restaurant wiederum bestellte ein Geschäftsmann in den besten Jahren auf die Frage „Was darf’s denn sein, junger Mann?“ Champagner. Viel Champagner. Doch als der hippe Kellner die Rechnung brachte, ließ der Graumelierte sich das Restgeld bis auf den letzten Cent zurückzahlen. Trinkgeld? „Sorry“, sagte der Gast. „Junge Männer wie ich haben nichts zu verschenken.“

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