Eine feste Größe in der Poetry-Slam-Szene: Stefan Unser aus Malsch. Er war baden-württembergischer MeisterI. In der Region Karlsruhe organisiert er viele dieser Literaturwettbewerb mit kurzen Texten. | Foto: monkey7

Stefan Unser aus Malsch

Der coole Poetry-Slammer

„Mich hat es überhaupt nicht auf die Bühne gezogen, über 40 Jahre meines Lebens lang. Erst als ich Texte geschrieben habe und von Buchverlagen nur Absagen bekam, begann ich, meine Texte im Internet zu veröffentlichen und hab mich ziemlich mutig für einen ersten Poetry-Slam in Mannheim gemeldet“, erzählt Stefan Unser. Seinen ersten Auftritt mit kurzen eigenen Geschichten hatte er 2010.

Nicht nur im studentischen Millieu

Inzwischen ist der Malscher monatlich mehrmals präsent auf den Bühnen seines Genres. Er holte 2016 den baden-württembergischen Meistertitel. Und er organisiert sowie moderiert selbst Veranstaltungen, die längst nicht mehr nur Publikum aus dem studentischen Milieu anziehen.
Poetry-Slam könnte man erklären als Literatur-Wettbewerb live. Das Publikum bildet die Jury. Wer mitmacht, hat nur die festgelegten fünf bis sieben Minuten Zeit, auswendig oder ablesend, und immer ohne Requisiten, mit seinem Beitrag aufzutreten. Gedichte oder Storys, Gedanken oder Glossen – alles ist erlaubt, sofern es nicht schon einmal an Ort und Stelle vorgetragen wurde.

Wer gewinnen will, hat schon verloren

„Wer mit dem Ziel antritt, zu gewinnen, hat wohl schon verloren. Der Sieg ist nicht zu planen. Viel wichtiger ist die Atmosphäre des Abends“, gibt Unser seine Erfahrungen weiter. „Ungezwungen geht es zu, aber natürlich erhalten die mutigen Kandidaten jeden Altes eine Rückmeldung, manchmal eine schmerzliche.“
Der blonde 54-jährige Slammer mit vier Armbändern an der rechten Hand erzählt mit analytischer Begeisterung von seiner Zweitberufung. Denn seinen Job in der IT-Abteilung mag er nicht weniger und würde ihn nicht aufgeben wollen.

Unsers Hobby? Er wohnt gern

„Ich wohne gern“, beantwortet Unser die Frage nach weiteren Lieblingsbeschäftigungen. Zu Hause oder in der Stadtbahn hat er Zeit, seine Beobachtungen zu durchdenken, reifen zu lassen und irgendwann am Computer in Formen zu fassen. Einige der ruhigen, klugen, manchmal skurrilen, aber nie bösen Texte sind auf seiner Homepage nachzulesen.
Vom 23. bis 25. November hat Unser gleich drei Termine. Ohne wie so oft mit seinem Fiat Panda in Deutschland unterwegs zu sein. Zwei echte Heimspiele stehen an: am Donnerstag, 23. November, in der Landesbibliothek bei der Lesebühne „An Wort und Stelle“, am Freitag 24. November, moderiert er im Karlsruher Kohi am Werderplatz. Dazu kommt der Ettlinger Poetry-Slam am Samstag, 25. November, in der Stadthalle, wo Unser die Teilnehmer vorstellt. „Das mache ich fast alles ehrenamtlich, bei kleinen wie großen Slams. Wenn sie reisen, erhalten Slammer nur Übernachtungskosten. Die deutschsprachige Slam-Szene ist übrigens die vielfältigste überhaupt.“ Und Stefan Unser cool und lebenserfahren mittendrin.

In Malsch wuchs der 1963 geborene Stefan Unser auf. Er besuchte die Hauptschule und machte eine Lehre als Kartograf beim Landesvermessungsamt. Bei der Behörde begann er sich mit EDV und IT zu befassen. Heute arbeitet er in der IT-Abteilung der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe. Seit 2006 schreibt er Texte, seit 2010 tritt er als Poetry-Slammer auf und holte den baden-württembergischen Titel. Er wohnt in Malsch, ist verheiratet und hat einen Sohn!

Neun Sprachkünstler der deutschsprachigen Slamszene treffen sich am Samstag, 25. November um 20 Uhr in der Ettlinger Stadthalle zu einer poetischen Kissenschlacht. Mit dabei sind Anke Fuchs (Köln), Lisa Marie Olszakiewiecz (Stuttgart), Hank M. Flemming (Tübingen), Marvin Suckut (Konstanz), Aron Boks  (Berlin), Nik Salsflausen (Nürtingen), Leticia Wahl (Marburg), Jan Cönig (Frankfurt) und Moritz Konrad. Durch den Abend führt der Malscher Slam-Poet Stefan Unser. Karten gibt es zu 10,- Euro im Vorverkauf und an der Abendkasse bei der Stadtinfo Ettlingen, Tel. 07243/101-333, und unter www.ettlingen.de und www.reservix.de