Da geht's zur Sache: Rollstuhlrugby gehört zu den spektakulärsten und härtesten paralympischen Sportarten. International top sind die Karlsruher "Rebels". Bei ihrem Turnier vom 26. bis 28. Mai kann man sich einen Eindruck davon machen. | Foto: Spitz

Top-Team: „Rebels“ Karlsruhe

Rollstuhlrugby: Nichts für zarte Gemüter

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Die Faszination ist groß: Rollstuhlrugby gehört zu den spektakulärsten und härtesten paralympischen Sportarten. Mit Vollgas in die richtige Position kommen – und dabei hoffen, dass man vom Gegner nicht abgeräumt wird. Rollstuhlrugby ist nichts für schwache Nerven….

Rollstuhlrugby: Starke Rebellen („Rebels“) aus Karlsruhe

Entstanden ist Rollstuhlrugby  in den späten 1970er Jahren in Kanada. Für Menschen mit hohen Einschränkungen, zum Beispiel Querschnittlähmungen, andere Lähmungen, Amputationen, Spastiken. Rollstuhlrugby wird inzwischen in 29 Ländern gespielt.  Peter Schreiner aus Karlsruhe hat 2001 das Team „The Rebels“ gegründet. Die „Rebels“ gehören weltweit zu den stärksten Vereinsmannschaften.

Seit 2000 bei den Paralympics

Seit 2000 gehört Rollstuhlrugby, englisch Wheelchair rugby, zum Programm der Paralympics. Peter Schreiner, 48, war 2000 in Sydney mit der deutschen Nationalmannschaft dabei. Auch vier Jahre später in Athen. Peter Schreiner ist querschnittsgelähmt. Seit einem Autounfall vor 26 Jahren. Sportbegeistert war er schon immer. Ehrgeizig sowieso. Der gebürtige Saarländer war schon als Rollstuhlrugby-Profi in den USA. Er studierte in Karlsruhe Mathe – und blieb in Karlsruhe.

Rollstuhlrugby live: Turnier der Karlsruher „Rebels“ vom 26. bis 28. Mai

Mit seinem Verein „The Rebels“ holte Peter Schreiner acht Titel in der Champions League, der einstigen Königsklasse dieses rasanten Behindertensports, und gewann unzählige internationale Konkurrenzen. Als Spieler, Kapitän, Teammanager. Die von ihm 2001 gegründeten „Rebels“ gehören weltweit zu den Top-Adressen im Rollstuhlrugby. Erst vor kurzem brillierten sie wieder. Bei ihrem zweiten Turniersieg in Folge beim „Défi Sportif“ in Montreal mit einem nie gefährdeten 47:33-Erfolg gegen die Gastgeber aus Kanada.

„Rebels“ sind Top-Favorit beim „Champions Cup“

Jetzt gelten die „Rebels“ beim heimischen „Champions Cup“ vom 26. bis 28. Mai in Karlsruhe als Top-Favorit. Acht Mannschaften aus Großbritannien, Schweden, Finnland, Frankreich, der Schweiz und Deutschland nehmen teil. Zuletzt haben die „Rebels“ ihr Turnier 2015 gegen Dauerrivale London gewonnen.

Vergangenes Jahr wurden sie Dritter. Hinter den „Four Kings“ aus Polen und den siegreichen Kanadiern. „Die können diesesmal nicht kommen“, erklärt Peter Schreiner. „Da läuft gerade die Saison.“ Und die Meisterschaft im Rollstuhlrugby hat in Nordamerika einen enorm hohen Stellenwert. Die USA, Kanada, Australien und Neuseeland sind die dominierenden Nationen; in Europa Großbritannien und Schweden. Deutschland holte je zweimal EM-Silber (2005/2007) und EM-Bronze (1997/2009).

Gespielt wird Rollstuhlrugby auf einem Basketballfeld, ein Team besteht aus vier Akteuren. Eine Partie dauert 4 x 8 Minuten plus Time-outs. Ziel ist es, den Ball durch einstudierte Spielzüge und mit Tempo innerhalb von 40 Sekunden über die gegnerische, acht Meter breite Torlinie zu fahren. Dabei muss sich der Ball sicher im Besitz eines Spielers befinden. Das versucht der Gegner freilich zu verhindern – und es kommt zu packenden Duellen.

Rollstuhlrugby hat sich gewandelt

Um Chancengleichheit zu wahren, werden die Spieler in sieben Punkteklassen eingeteilt. Jedes Team darf mit seinen vier Spielern nicht mehr als acht Punkte überschreiten – je besser die funktionelle Bewegungsmöglichkeit der Athleten ist, desto mehr Punkte. Darin liegt im Moment aber das Problem. „Rollstuhlrugby hat sich gewandelt“, sagt Peter Schreiner. Bei den „Rebels“ ist er einer der Spieler mit dem größten Handicap. „Anders als noch vor einigen Jahren“, erklärt er, „sind inzwischen viele ,Nicht-Querschnitte‘ unterwegs. Leute mit Amputationen, die den vollen Rumpf einsetzen können. Das ist, als würde beim Boxen ein Federgewicht gegen einen Schwergewichtler antreten – du hast keine Chance.“ Weil es in Deutschland solche Spielertypen zur Zeit nicht gibt, habe es auch das deutsche Team international schwer, so Schreiner.

 „Rebels“ aus Karlsruhe: Acht Mal Champions-League-Sieger

Das von ihm zum fünften Mal organisierte Karlsruher Turnier orientiert sich am „Rollstuhlrugby in seiner ursprünglichen Form“. Für Spieler mit starken Einschränkungen (und weniger Punkten in der Klassifizierung), also „low points“. Dieses zurück zu den Wurzeln komme an, „wir könnten mit einigen Teams mehr spielen“, sagt Peter Schreiner und erinnert sich an frühere Champions-League-Zeiten, als die „Rebels“ zwischen 2004 und 2013 acht Titel holten.

Rollstuhlrugby: Nationalteam kämpft um WM-Ticket

Peter Schreiner: „Die rein in Deutschland organisierte Champions League musste eingestellt werden, weil es keine Ausrichter mehr gab. Darunter leidet auch die Nationalmannschaft, die sich zuletzt nicht mehr für die Paralympics qualifizieren konnte.“ Und die es auch bei der Europameisterschaft, die vom 27. Juni bis 1. Juli in Koblenz stattfindet, schwer haben dürfte, meint Schreiner. „Der EM-Halbfinaleinzug würde zwar für die Qualifikation zur WM 2018 in Sydney genügen, „ich glaube aber nicht, dass es Deutschland schafft“.

Rollstuhlrugby Champions Cup „Real Deal“: Freitag, 26. Mai, bis Sonntag, 28. Mai, Karlsruhe (Friedrich-List-Schule). – Teilnehmende Teams: Pool A: Nacka Spider Göteborg (Schweden), Silentlambs Zürich (Schweiz), FCG Quad Grenoble (Frankreich), The Rebels Karlsruhe – Pool B: Team London (Großbritannien), Donauhaie Illerrieden, Patriots Koblenz, Northern Lows Helsinki (Finnland). – Der Zeitplan: Freitag, 26. Mai: Gruppenspiele, 9 bis 19.30 Uhr (unter anderem 13.30 Uhr: Rebels – Zürich; 18 Uhr: Rebels – Grenoble); Samstag, 27. Mai: Gruppenspiele, 9 bis 13.30 Uhr (12 Uhr: Rebels – Göteborg), 15 bis 19.30 Uhr: Überkreuzspiele; Sonntag, 28. Mai: 10 bis 15 Uhr: Platzierungsspiele und Finale.

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