Am Alt-Neckar flanieren bringt Entspannung auf der mit vielen Stationen ausgestatteten Bundesgartenschau Heilbronn. Über einen Schiffs-Pendelverkehr gelangt man von einem Ende zum anderen. | Foto: lie

Bundesgartenschau Heilbronn

Die Schattenseiten tun gut

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Die Besucherin hält den Akkubohrer etwas schräg und die Löcher im Holzblock haben keine exakten Abstände. „Macht das jetzt was aus?“, fragt sie den Mitarbeiter von Forst Baden-Württemberg. „Den Bienen ist das völlig egal.“ Also kann die Besucherin es beruhigt mitnehmen von der Bundesgartenschau: ihr selbst hergestelltes Insektenhotel. Am südlichen Eckpunkt des Heilbronner Geländes hat die Frau schon eine lange Promenade vorbei an Blumenrabatten, Pflanzenschauen, Obst- und Ziergärten hinter sich. Und kann sich innerhalb der inszenierten Natur informieren, wie der Wald leidet unter dem Klimawandel. Die derzeit häufigste Baumart in Baden-Württemberg, die Fichte, wird immer mehr gestresst. Wie andere Nadelbäume auch. Laut einer Prognose sind 2100 nur noch fünf Prozent der Landesfläche für die Fichte geeignet. Wenn die Durchschnittstemperaturen um zwei Grad oder mehr steigen.

Sehr sonnige zentrale Flächen

Mit einem Spaziergang über offenes sonniges Gelände darf auch rechnen, wer die zentralen und spannenden Flächen der Bundesgartenschau Heilbronn erforscht. Dort, wo sich das „Inzwischenland“ mit vielen Ausstellern und ihren Themengärten ausbreitet, erstreckte sich zuvor Bahngelände hinterm Hauptbahnhof und Industriebrache. Hier konnten die Planer Flächen mit Dünen und Hügeln modellieren. Der Aufstieg auf den kleinen Höhenzug ermöglicht den großen Überblick, was auf dem ehemaligem Bahngelände entstand.

Kletterfelsen und Sandstrand

Am großen Kletterfelsen stürzt sich ein Vater begeistert ins Seilklettern stürzt, während seine Kinder sich zum Boldern an den Kletterwänden anstellen. Ein kleines Stück weiter brütet ein Storchenpaar am Ufer des Karlssees und lockt ein Sandstrand zu Spiel und Pausen. Wer sich für Technik interessiert, wird die beiden Bionik-Pavillons inspizieren, deren Aufbau sich an Körpern von Seeigeln und Käfern orientiert. Dort am Karlssee sind von Donnerstagen bis Samstagen abendliche Wassershows zu bestaunen.
Ein Modell von Gartenschaugelände plus Innenstadt in einem Ausstellungsraum zeigt noch eine Fußgängerbrücke, die sich über die Gleise des Hauptbahnhof erstreckt. Sie hätte einen schnellen Sprung nach Anreise mit der Stadtbahn mitten in die Gartenschau ermöglicht. Dieser Brückenschlag wurde als zu teuer verworfen.

Erstmals Wohnhäuser auf Gartenschau

Nun befindet sich der zentrumsnahe Eingang 800 Meter entfernt vom Bahnhof, auf einer Insel im Alt-Neckar beim Experimenta-Gebäude. Am Entree ist das alte Grün farbenprächtig aufgehübscht. Es führt zum Heilbronner Alleinstellungsmerkmal in Sachen Bundesgartenschau: dem Wohnviertel inmitten der Blumenolympiade. Bereits 800 Menschen können während der Schau dort wohnen. „Ein reales Labor“, nennt es Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas. Es gehe an dieser Stelle einer, auch kriegsbedingt wunden Stelle Heilbronns darum, langfristig zu verändern. Das moderne Stadtquartier Neckarbogen wird nach der Buga auf deren Flächen erweitert. 22 Gebäude für 3 500 Bewohner und 1 000 Büroarbeitsplätze sind einmal vorgesehen.

 


In Siedlungsnähe, am ausrangierten Flussarm, sind die notwendigen Schattenseiten der Schau zu finden. Gastronomie am Wasser lockt zur Einkehr.

Pendelverkehr mit Schiff „Wilhelm Schneider“

Die Einheimischen schwärmen vom Gefühl, hier am alten Neckar zu sitzen, wo früher nur für eine Bundesstraße Platz war. Und die Gartenschaubesucher freuen sich, dass sie vom einen Ende des Geländes zum anderen mit „Wilhelm Schneider“ gelangen. So heißt das Schiff fürs kostenlose Pendeln zwischen den Eingängen „Wohlgelegen“ und „Campuspark“ auf der sehenswerten Gartenschau. Das dynamische über 120 000 Einwohner zählende Heilbronn steckt selbst an die 100 Millionen Euro in das 173-tägige blühende Leben.

Die Kassen der Bundesgartenschau mitten in Heilbronn sind täglich von 9 bis 18.30 Uhr offen. Bei Abendveranstaltungen länger. Karten kosten 23 Euro für Erwachsene. Kinder bis 15 sind frei. Es gibt Ermäßigung für junge Leute und Rentner. Karten sind auch online erhältlich unter buga2019.de/Ticketshop.

Der nördliche Eingang im Gebiet „Wohlgelegen“ ist über die Autobahn A 6 und den Anschluss Obereisesheim schnell erreichbar. Gerade an dieser Anschlussstelle kommt es häufig zu LKW-Stau, der so gar die Abfahrt verhindern kann. Dann kann man die nächste Ausfahrt Neckarsulm benutzen.

Die Stadtbahn S 4 fährt in 75 bis 90 Minuten von Karlsruhe über Bretten und Eppingen nach Heilbronn Hauptbahnhof. Bis zum Haupteingang Innenstadt sind es dann noch 800 Meter zu Fuß oder mit einem Bus.

Bei www. bw-ticket.de gibt es eine Kombikarte Nahverkehr plus Eintritt für 30 Euro. Diese Karte muss allerdings an einer Tageskasse in eine Eintrittskarte umgewandelt werden. Also kann Anstehen nötig sein. Zwischen den Haupteingängen gibt es einen Buspendelverkehr. Vom Hauptbahnhof sind es 800 Meter zum Eingang Innenstadt. Dort gibt es auch ein Parkhaus. Es dient zudem als Parkraum für den Science-Center „Experimenta“ mit Planetarium, Wissenschaftstheater, Mitmachstationen und Ausstellungen für Leute von 4 bis 99. Die Experimenta kann man als Ergänzung mitbesuchen, sofern viel Zeit vorhanden ist. Für Kurzbesuche gibt es zur Gartenschau eine vergünstigte Schnupper-Karte von vier Euro.