Wer lange sucht, der findet manchmal sogar ein Elektronikgeschäft, das noch funktionierende Ladegeräte für historische Handys anbietet. | Foto: © veou - stock.adobe.com

Ein Laden voller Nerds

Ein Ladegerät für mein historisches Handy

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Mein Handy aus dem Jahr 1996 tut’s erstaunlicherweise immer noch – irgendwie ist es nicht kaputt zu kriegen. Man kann mit ihm zwar weder Videos anschauen, noch eignet es sich als Navi, aber zum Telefonieren reicht’s allemal.

Neulich ging das Ladegerät kaputt und als ich im Fachgeschäft meiner Wahl ein neues erwerben wollte, sah mich die Verkäuferin etwas mitleidig an und sagte mit übertrieben lauter Stimme: „Das gibt es seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Da müssen Sie sich halt ein neues Handy kaufen!“ Warum sie so schrie, weiß ich nicht genau – vermutlich dachte sie, wer so einen historischen Knochen als Handy hat, der muss schon längst schwerhörig sein.

In dem Laden sah es aus wie beim Sperrmüll

In meiner Verzweiflung irrte ich durch die Stadt, vorbei an 100 glitzernden Handyläden, in die ich mich aber nun nicht mehr hineintraute. Bis ich plötzlich in einer Seitenstraße ein Geschäft entdeckte, das einen eher wenig vertrauenerweckenden Eindruck machte. Die Scheiben waren schmutzig, der Aushang mit den Öffnungszeiten an der Ladentür strotzte vor Rechtschreibfehlern und als ich trotzdem hineinging, wurde alles noch schlimmer.

Im Laden sah es aus wie beim Sperrmüll, die Regale bogen sich unter der Last uralter Computerteile und Monitore und in einer Ecke des Ladens saß ein rothaariges Wesen, das man nur von hinten sah. Das Wesen hatte Kopfhörer auf dem Kopf und schien ein Computerspiel zu spielen. Auf meine Rufe reagierte es nicht, es hämmerte nur auf irgendwelche Tasten.

„Verdammt, schon wieder ein Kunde!“

An der Kasse hockte ein junger Mann. Er schien der Inhaber des Ladens zu sein, sah verschlafen aus, sagte kein Wort und sein Gesichtsausdruck sagte in etwa: „Verdammt, schon wieder so ein lästiger Kunde!“ Ich zeigte ihm mein Handy und fragte, ob er dazu womöglich noch ein Ladegerät habe. Wortlos verschwand er nach hinten in sein Büro.

Dann kam er mit einer Leiter wieder raus, stellte diese vor eine meterhohe Regalwand, kletterte schweigend hoch, griff hinter irgendwelche Teile, das Ganze dauerte nur wenige Sekunden. Plötzlich hatte er etwas kleines, schwarzes in der Hand. Wortlos reichte er mir das Teil. Es war exakt das Ladegerät, das ich gesucht hatte. „Fünf Euro“, sagte er. Und fast schien es so, als habe er dabei ganz kurz gelächelt. Kann aber auch sein, dass ich mir das nur eingebildet habe.

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