International renommierter Glaskünstler: Filigrane Gefäße und mehr stammen aus den Händen des Karlsruhers Michael Schwarzmüller. Einst begann er als Glasapparatebauer an der Universität. | Foto: Jürgen Röser KMK

Meister des Filigranen

Glaskunst von Michael Schwarzmüller

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Die Finger seiner linken Hand drehen in wechselnden Tempo am langen Glasrohr. An dessen anderen Ende zieht die rechte Hand von Michael Schwarzmüller oder schiebt den Werkstoff an der Flamme hin und her. „Ich arbeite mit Propangas und Sauerstoff, die Flamme ist bis zu 1 400 Grad warm“, sagt der Karlsruher Glaskünstler bei der Vorführung in seiner kleinen Werkstatt. Eigentlich ist aus dem 44 Millimeter dicken Glasrohr recht schnell ein kunstvolles, erstaunlich leichtes Trinkgefäß fertig. Und dennoch dauert es lange: „30 Jahre und zehn Minuten“, meint der international renommierte Glasdesigner und Kunsthandwerker. Will sagen, ohne jahrzehntelange handwerkliche Erfahrung würde das filigrane Produkt gar nicht entstehen.

Werkstatt in Grünwettersbach

Michael Schwarzmüller arbeitet zu Hause ganz ohne Maschinen. Von der Werkstatt schaut er  in den kleinen Garten. In den Vitrinen stehen kleine und große Erzeugnisse aus allen Epochen seines Schafffens.
Exklusive Trinkgefäße und Dessertgeschirr für Sternelrestaurants und andere ambitionierte Gastronomen von Wien, Frankfurt, Deidesheim oder Eggenstein stellt Schwarzmüller in seinem Grünwettersbacher Haus verstärkt her. Der 61-Jährige erhielt in diesem Jahr den „Eunique-Award“ für Kunsthandwerk und Design.

Erfolgreich in den USA

Auch ein Hessischer Staatspreis wurde ihm schon zuerkannt. In Barcelona stellt er aus, in den USA war er mit Glasschmuck sehr erfolgreich. „Es geht immer etwas Neues, es ist spannend, wie meine Produkte beim Publikum ankommen“, meint Schwarzmüller, der seine Selbstständigkeit ganz bescheiden in der Waschküche seiner damaligen WG in Karlsbad-Auerbach begann. 15 Jahre betrieb er seine Werkstatt plus Laden in Durlach.

Beginn als Handwerker an der Uni

Sein immer erfolgreicherer Berufsweg begann mit einer Stellenanzeige in den BNN: „Am Ettlinger Eichendorff-Gymnasium klappte es 1973 nicht so gut mit meiner Schulkarriere, da las ich, dass die Uni Karlsruhe Lehrlinge für den Beruf des Glasapparatebläsers suchte. Ich bekam den Job und wurde glücklich damit.“ In den naturwissenschaftlichen Labors der Hochschulen werden die Glashandwerker gebraucht, um immer neue Apparaturen für Forschung und Lehre zu erstellen.
Dem Raum Karlsruhe ist der in Busenbach aufgewachsene Schwarzmüller treu geblieben, gerade weil er viel in aller Welt unterwegs ist. „Ich schwimme gerne in den heimischen Baggerseen wie in Grötzingen oder mache mich mit der Vespa auf in den Schwarzwald. Und im Herbst gehe ich Pilze sammeln.“ Optimistisch und doch realistisch, zupackend und rücksichtsvoll gibt sich der sympathische Künstler. „Ich wollte als Jugendlicher etwas Kreatives und mit den Händen machen. Jetzt kann ich immer noch genießen, dass ich das verwirklicht habe und davon leben kann.“

 

Der 1956 in Ettlingen geborene Michael Schwarzmüller wuchs in Busenbach auf. Sein Vater war Bundeswehr-Angestellter, seine Mutter Hausfrau. Nach dem Schulbesuch in Ettlingen machte er eine Lehre zum Glasapparatebauer an der Uni Karlsruhe. Dann arbeitete Schwarzmüller in der Industrie und an der Uni Stuttgart. 1984 machte er sich als Kunsthandwerker und Designer in Sachen Glas selbstständig. Er wohnt mit seiner Frau in Grünwettersbach.