No Sugar, No Cream: Psychedelisch angehaucht ist nur das Foto, die Musik ist angenehm bodenständig. | Foto: Tanja Mori Monteiro

No Sugar, No Cream mit neuem Album

Die erste Single des Albums lief in den vergangenen Wochen schon mehrfach im Radiosender „Die neueWelle“. Und dies, obwohl es die „Singles“ von früher, also diese kleinen schwarzen Scheiben, ja im Grunde gar nicht mehr gibt.„Never Met Someone Like You“ heißt das erste, durchaus radiotaugliche Stück aus dem neuen Album von „No Sugar, No Cream“, das bereits vor dem offiziellen Erscheinen der CD zumindest den Radiohörern vertraut vorkommen dürfte.

Solide Song-Sammlung

„A Bigger Picture“, der brandneue Longplayer der Karlsruher Band um die BNN-Redakteure Pete J. Funk und Andreas Jüttner, bietet die gewohnt solide Song-Sammlung, die man inzwischen gewohnt ist von der sympathischen Combo aus der Fächerstadt. Funk, Songwriter, Gitarrist und Sänger der Band, gehört zu jenen glücklichen Menschen, denen die Musik offenbar fernab irgendwelchen Kalküls zufliegt. Sein Umgang mit der oft so anstrengenden Muse scheint mühe- und sorglos zu sein und tatsächlich gibt er zu, bisweilen nachts Melodien zu träumen, die er dann am nächsten Morgen nur noch irgendwo festhalten muss.

Himmel voller Harmonien

Und so hängt auch bei diesen zwölf neuen Songs der Himmel voller Harmonien, denn alles ist in feine Melodien verpackt und wenn auch das Ganze bisweilen an Country erinnert, dann ist es doch ein Country-Sound, der mit den Zuckerwatteklängen aus Nashville nicht das Geringste zu tun hat. Ihre Musik sei „New Americana from South West Germany“, sagt die Band über sich selbst und wer das Ganze irgendwie mit Größen des Genres vergleichen wolle, der könne ja mal die Namen Wilco, Lambchop oder Tom Petty in den Raum werfen. Oder die Waterboys, möchte man rufen, denn der feine Song „From A Land“ gemahnt durchaus an „Fisherman’s Blues“ von den Waterboys, auch wenn Pete J. Funk darauf besteht, Mike Scott von eben jenen Waterboys schreibe „für mich unerreichbare“ Lieder. Jenun, so weit entfernt ist er auch wieder nicht vom großen Vorbild.

Klingt nach J.J. Cale

Oder nehmen wir mal „All The Way“, ein bezauberndes Stück Folkpop, das es fast nicht auf die CD geschafft hätte, obwohl es so herrlich entspannt und locker daherkommt wie seinerzeit das großartige „Carry On“ von J.J. Cale. „Die Songs strömen einfach so aus mir raus“, antwortet Funk dann bescheiden auf die Frage, wo er all diese Ideen nur herhole. „A Bigger Picture“ ist im Grunde fast soetwas wie ein Trip durch amerikanische Musiktraditionen. In „Memphis Minnie Sang The Blues“ erweist Funk der 1973 verstorbenen US-amerikanischen Bluesmusikerin, die als eine der ersten Frauen überhaupt eine elektrische Gitarre verwendete, seine Reverenz – mit teilweise sehr schrägen und ungewohnten Tönen.

Würdiger Nachfolger

„The Bigger Picture“ ist ein würdiger Nachfolger des 2015 erschienenen „Years“, und es ist insgesamt fast noch etwas vielschichtiger und abwechslungsreicher geraten als der brillante Vorgänger. Man sieht also: Die sinnentleerte Popwelt ist nicht jener Planet, auf dem sich No Sugar, No Cream tummeln. Mit charismatischem Gesang, sehnsüchtiger Geige, trockenem Groove und einem Wüstenrock-Altmeister als Special Guest (Chris Cacavas, Ex-Green On Red, ist an Keyboard, Akkordeon und Backing Vocals mit dabei) haben Funk, Jüttner (Bass), Oli „Earl Grey“ Grauer (E-Gitarre), Mr. Frank Schäffner (Schlagzeug und Percussion) sowie Heike Wendelin (Gesang, Geige und Mandoline) eine Scheibe ohne jeden Füller produziert.

CD-Release im Tollhaus

Zum ersten Mal vor einem kleinen Publikum live vorgestellt wurden die neuen Songs vor ein paar Wochen im „Kirchl“ in Gernsbach-Obertsrot, aber die wirkliche Premiere (neudeutsch: CD-Release) steigt standesgemäß im Karlsruher Tollhaus, und zwar am kommenden Samstag, 9. Dezember, 20 Uhr. Allerdings ohne Chris Cacavas. Der tourt zur selben Zeit mit The Dream Syndicate durch die USA. Wobei es eigentlich eine CD- und eine LP-Party ist, denn die Band hat es sich diesmal gegönnt, ihre durchweg selbstfinanzierte Produktion auch auf Vinyl zu veröffentlichen.

Auch auf Vinyl

Diese LP-Version musste aus technischen Gründen um zwei Songs gekürzt werden, die sind dafür auf der CD-Beilage (komplettes Album!) enthalten.Insgesamt legte man diesmal besonders großen Wert auf eine „richtig amtliche“ Produktion, weshalb man sich den national und international renommierten Karlsruher Mastering-Meister Robin Schmidt an Bord holte, der in klanglicher Hinsicht gewissermaßen zwölf Einzelzimmer zu einem Haus zusammengefügt hat. Famos!

Americana aus Karlsruhe: No Sugar, No Cream. | Foto: pr

Konzerttermin: No Sugar, No Cream, Samstag, 9. Dezember, 20 Uhr, Tollhaus Karlsruhe, Support: Sean McGurrin mit Trio.