Versicherte der IKK classic könnten bei einigen Physiotherapeuten nicht mehr behandelt werden - lautete die Drohung. Nun nähern sich Kasse und Therapeutenverbände an.
Versicherte der IKK classic könnten bei einigen Physiotherapeuten nicht mehr behandelt werden - lautete die Drohung. Nun nähern sich Kasse und Therapeutenverbände an. | Foto: stock.adobe.com - pololia

Konflikt mit Krankenkasse

Physiotherapeuten und IKK classic nähern sich an

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Die Lage zwischen Physiotherapeuten und der Krankenkasse IKK classic entspannt sich etwas. Vor nicht allzulanger Zeit hatten einige Therapeuten noch gedroht, ihre Zulassung der Kasse zurückzugeben – und damit keine dort versicherten Patienten mehr zu behandeln. Davon ist zwar noch immer die Rede, doch die Parteien scheinen sich anzunähern, und der Konflikt schrumpft.

Der Hintergrund ist: Die IKK classic hatte Abrechnungen der vergangenen vier Jahre überprüft und insgesamt 46 000 aus ihrer Sicht fehlerhafte Rezepte beanstandet, die der ersten Prüfung noch standgehalten hatten und bezahlt worden waren. Insgesamt wurde ein mittlerer siebenstelliger Millionenbetrag zurückgefordert. Alleine in Baden-Württemberg ging es um 3,8 Millionen Euro, erklärt Michael Förstermann, Pressesprecher der IKK classic.

IKK classic sieht Clearingstelle als Gesprächsangebot

Bei 1,4 Millionen Euro sei eine „Heilung“ möglich gewesen– mit einem neuen, richtigen Rezept war der Fall erledigt. Aktuell gehe es noch um einen mittleren sechsstelligen Betrag. Ergebnis eines unter der Woche geführten Gesprächs der IKK classic mit Vertretern der Verbände ist, dass eine sogenannte Clearingstelle eingeführt werden soll. Diese solle ein „Gesprächsangebot“ für die Therapeuten sein und ihnen „erklären, wie sie über die Hürde kommen“.

Clearingstelle der IKK classic
E-Mail: physio-clearing@ikk-classic.de
Telefon: 0521 30439-17120
Fax: 0800/4558888-910

Verbandsjustiziar „vorsichtig optimistisch“

Roland Hein, Justiziar des Landesverbands Baden-Württemberg des Deutschen Verbands für Physiotherapie (ZVK), stimmt das Ergebnis „vorsichtig optimistisch“. Für ihn ist das Problem aber noch nicht vollkommen vom Tisch.

Patienten könnten in einige Fällen trotzdem Leidtragende sein

In bestehenden Konfliktfällen werde sein Verband die Betroffenen weiter beraten, wie sie bei Absetzungen, wenn also Rückforderungen bei künftigen Abrechnungen abgezogen werden, den Klageweg beschreiten können. Auch würden sie beraten, wie Therapeuten ihren IKK classic-Versicherten rechtssicher klarmachen können, dass diese keinen Termin bekommen. Und man werde die Therapeuten beraten, wie sie ihre Zulassung bei der IKK classic zurückgeben können – ein konfliktträchtiges Thema, denn die Kasse vertritt die Rechtsauffassung, dass nur die Zulassung aller gesetzlichen Versicherungen zurückgegeben werden kann.

So hat sich das Problem zwar verkleinert und durch die Clearingstelle scheint es eine weitere Annäherung zu geben, aber noch immer ist die Gefahr für einige bei der IKK classic Versicherte nicht gebannt, dass sie in einigen Physiotherapie-Praxen nicht mehr behandelt werden könnten.