Bekannt geworden als Münchner „Tatort“-Kommissar ist Schauspieler Miroslav Nemec. Der 64-Jährige geht mit einer inszenierten Lesung aus dem Roman „Alexis Sorbas“ auf Tournee. | Foto: Stefan Nimmesgern

Miroslav Nemec im Tollhaus

Sorbas und der Kommissar

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Freunde Griechenlands kennen Nikos Kazantzakis. Aber wer hat seine Werke gelesen? Der griechische Schriftsteller schrieb einen Roman, der vor allem durch die Verfilmung von 1964 ins Kulturgedächtnis aufgenommen wurde. Von Kazantzakis stammt „Alexis Sorbas“. Die 1946 erschienene Geschichte aus Kreta erinnert an eine archaische Welt im 20. Jahrhundert. Das Leben auf der Insel wurde bestimmt von Kargheit und Lebensfreude, vom Beharren auf Konventionen und den sich daraus ergebenden Konflikten. Aus dem Schwarzweiß-Film ist vor allem eine Szene bekannt: der (nicht authentische) Sirtaki-Tanz.

Inszenierte Lesung mit Musik

Dass der Roman noch heute Stoff für einen spannenden Abend enthält, wollen Schauspieler Miroslav Nemec und das fünfköpfige Orchistra Laskarina mit Gitarrist Matthias Hautsch beweisen. Am 16. März hat eine inszenierte Lesung Premiere in Dortmund. Martin Mühleis von „sagas“ setzt seine Reihe mit erfolgreichen Bühnenadaptionen bekannter Werke fort. Am 21. März ist „Alexis Sorbas“ im Karlsruher Tollhaus zu erleben.

BNN-Interview mit Nemec

In einem Interview mit den Badischen Neuesten Nachrichten erzählt der als „Tatort“-Kommissar bekannte Nemec vom Projekt.

Alle Welt kennt den Sorbas als Filmfigur, aber nicht als Schelm eines Romans. Wie war es bei Ihnen?

Miroslav Nemec: Den Film mit Anthony Quinn habe ich tatsächlich öfter begeistert gesehen. Den Roman hatte ich, als mir Martin Mühleis das Skript vorgelegt hat, noch nicht gelesen. Danach habe ich mich ganz auf unsere Fassung konzentriert, meinen ganz eigenen „Sorbas“ und eine Haltung zu all den anderen Figuren entwickelt. Den Roman lese ich im nächsten Urlaub.

Wie gehen Sie vor beim Eintauchen in einen literarischen Text?

Nemec: Ich verbrachte eine ruhige Zeit in Istrien und habe mich jeden Vormittag, ganz so wie es Thomas Mann einst berichtet hat, streng von acht bis zwölf Uhr hingesetzt, laut gelesen, Sprache und Haltung der einzelnen Figuren abgegrenzt und sie auf mich wirken lassen.

Spielten Erinnerung an Griechenland eine Rolle?

Nemec:: Bei manchen Szenen fühle ich mich tatsächlich an meine Kindheit auf der Insel Krk in Kroatien erinnert. Da gibt es durchaus Parallelen – bis hin zu den tiefverschleierten Witwen in den Dörfern.

Geben sie Erläuterungen zum Roman und wie hat man sich das Zusammenspiel mit dem Musikensemble vorzustellen?

Nemec: Nein (lacht). Wir machen doch kein Erläuterungsseminar in den zwei Mal fünfzig Minuten. Der Text spricht für sich. Das ist keine herkömmliche Lesung! Sondern ein durchkomponiertes Werk mit einer eigens dafür geschriebenen Bühnenmusik. Musik und Sprache fließen ineinander. Die Musik ist unser akustisches Bühnenbild. Eine schöne, emotionale Form. Ein Melodram.

Wie viel Anteil haben solche Rezitationen oder Lesungen an ihrem Schauspielerleben?

Nemec: Etwa ein Viertel würde ich sagen. Ich mache das gern. Auch die Lesungen aus meiner Autobiografie „Miroslav – Jugoslav“ oder aus meinen beiden Krimis.

Und wie steht es um Hauptkommissar Ivo Batic? Welche „Tatorte“ sind schon abgedreht oder in Arbeit?

Nemec: Zwei Münchner-Tatorte sind fertig und laufen bis Mitte des Jahres. Einer heißt „Die ewige Welle“. Es geht es um die Surferszene und ums frühere Leben des Kollegen Leitmayr; der andere, mit dem Titel „One Way Ticket“, dreht sich um eine Organisation für Senioren. Nach dem „Sorbas“ beginnen Dreharbeiten für eine Folge um einen Amoklauf.

Abschließend muss die Frage nach Ihrer Karlsruher Zeit kommen. Sie spielten am Staatstheater unter Pavel Fieber im Musical „Mack und Mabel“. Welche Erinnerungen haben Sie an die Stadt?

Nemec: Dort gab es die längsten Ampelschaltungen (lacht). Es war so lange Rot, dass ich dachte, die Anlagen müssen kaputt sein.Im Ernst: Mir hat die Arbeit Spaß gemacht. Und ich erinnere mich gern an manche Lokale.

Inszenierte Lesung: Alexis Sorbas mit Miroslav Nemec & Orchistra Laskarina: Tollhaus Karlsruhe, Alter Schlachthof, 21. März, 20 Uhr, Karten 21,90 bis 30 Euro.  Das Orchístra Laskarina besteht aus: Bouzouki / Gitarre – Matthias Hautsch; Cello – Ana Helena Surgik; Bass – Christoph Dangelmaier; Santouri – Komalé Akakpo; Percussion – Jerome Goldschmidt; Komposition – Christoph Dangelmaier; Lichtdesign: – Birte Horst; Textbearbeitung, Regie, – Martin Mühleis.

 

 

Spielte einst am Badischen Staatstheater im Musical: Miroslav Nemec. | Foto: Katrin Nemec

Die künstlerischen Stationen von Nemec

Sechs Jahre lang war  Miroslav Nemec Mitglied im Ensemble des Münchner Residenztheaters. Davor war er drei Jahre lang fest am Schauspielhaus Köln engagiert, er spielte an den Bühnen von Essen, Frankfurt und am Münchner Volkstheater. Dabei hatte er ursprünglich einen ganz anderen Weg  eingeschlagen. Nach dem Abitur am Gymnasium in Traunstein hatte er die Aufnahmeprüfung am Mozarteum in Salzburg bestanden und Musik studiert – mit dem Schwerpunkt klassisches Klavier.

Der Musik blieb er treu

Der Musik blieb er bis heute treu, und trotzdem ging er nach seinem erfolgreichen Studienabschluss nach Zürich und absolvierte dort die Schauspielakademie. Schnell wurden Fernseh- und Filmproduzenten auf ihn aufmerksam, regelmäßig war er neben seiner Bühnenarbeit in Fernsehspielen und Serien zu sehen, so als Staatsanwalt und Gegenspieler von Manfred Krug in Liebling Kreuzberg. Seit 1991 ist er als Hauptkommissar „Ivo Batić“ Teil des Münchner „Tatort“-Ermittlerduos. Für seine Darstellung im „Tatort“ wurde er 2002 und 2011 mit dem Adolf- Grimme-Preis ausgezeichnet, zweimal erhielt er außerdem den Bayerischen Fernsehpreis. Mit seiner Miro Nemec Band tritt er regelmäßig in ganz Deutschland auf, als Sänger, Gitarrist und Keyboarder. 1994 gründete er gemeinsam mit Kollegen den Verein „Hand-in-Hand“, der sich um Kriegswaisenkinder in Ex-Jugoslawien annimmt.

Autobiografie Miroslav – Jugoslav

Die Autobiographie des gebürtigen Kroaten, der im Alter von zwölf Jahren mit seiner Familie nach Freising übersiedelte, Miroslav –Jugoslav, ist 2012 im Gerhard Hess Verlag erschienen. 2016 kam sein erster Roman heraus, ein Krimi, im Herbst 2018 folgte seiner zweiter: „Kroatisches Roulette“.