Alexander Eiling vor einem herausragenden Gemälde "seiner" Cèzanne-Ausstellung in der Kunsthalle Karlsruhe. Die Küstenlandschaft von L'Estaque bei Marseille hat der französische Maler oft als Motiv benutzt - und malte sehr lange und langsam dort. | Foto: lie

Kurator Alexander Eiling

Sportlich knapp mit Cézanne

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In der Jugend hat Alexander Eiling gern gemalt und gezeichnet. Er mochte den Unterricht einer Kunstlehrerin, die Geschichte der Malerei vermittelte und er besuchte mit Eltern und seiner Schwester Kirchen und Museen. „Aber dass man aus Kunstinteresse einen auskömmlichen Beruf machen kann, das dachte ich damals nicht. Deshalb bewarb ich mich auch nicht an der Akademie und habe begonnen in Passau Jura und Fachübersetzen zu studieren“, erzählt der Richtersohn.

Von Jura über Sprachen zur Kunstgeschichte

Am Studienfach gefielen ihm allerdings die Sprachen am besten. Er sattelte um auf Kunstgeschichte und Schwedisch in Edinburgh sowie Frankfurt. Über eine Promotion, die sich mit der Expressionisten-Sammlung der Deutschen Bank befasste und einem Job am Frankfurter Städel Museum, fand Eiling seinen Berufseinstieg.
Seit acht Jahren führt er an der Karlsruher Kunsthalle die Abteilung für Neuere Malerei und Plastik und betreute Sonderausstellungen wie „Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube“ oder „Degas. Klassik und Experiment.“

Eigener Blick auf den Maler Paul Cézanne

Auch die laufende Schau mit Werken von Paul Cézanne hat er erarbeitet und sich einen ganz eigenen Blick auf die Metamorphosen dieses Franzosen erlaubt. Keine bedeutungsschweren Altäre sollten errichtet werden, sondern Bilderräume, die zeigen, wie ein Künstler arbeitete und Lust aufs verknüpfende Sehen machen.
Die Vorbereitungszeit von zwei Jahren war, „wie derzeit im Ausstellungswesen üblich sportlich knapp“, so Eiling, der in jener Zeit in die USA reiste. Etliche Amerikaner haben früh Gemälden von Cézanne erworben, allein in Philadelphia sind 60 Werke zu finden. Aus dem Puschkin Museum Moskau konnte die renommierte Karlsruher Kunsthalle zwei Werke ausleihen. Den deutschen Museen ist das erlaubt, den amerikanischen nicht. Nur in Aix-en-Provence ist nichts an Cézanne-Werken gesammelt worden, die Heimatstadt hat diesen Maler früher nicht wertgeschätzt, so Eiling.

Vor dem Wechsel ans Frankfurter Städel

Wenn er sich sechs Tage lang in solche Aufgaben und die Kunst(vermittlung) vertieft, ist er an Sonntagen einfach froh, abschalten zu können und sich ganz pragmatisch Hausarbeiten zu widmen. Die jüngste Landesausstellung zu Cézanne ist sein baden-württembergisches Abschiedswerk. Eiling wechselt im Februar ans Frankfurter Städel. „Aus Karlsruhe werden mir sicher einige Freunde, meine Hausgemeinschaft und Vermieter oder die Volleyball-Gruppe fehlen“, bilanziert er.

„Die Stadt Karlsruhe macht sich oft mutlos klein“

„Nicht fehlen werden mir die ewigen Baustellen und den Hang zum Kritteln in der Stadt, die sich oft mutlos klein macht. Anstatt zu schätzen, was sie hat. Beispielsweise an der Kunsthalle, die so lange auf manche Verbesserungen der Räume und überhaupt ein weiteres Gebäude wartet.
Eiling betont: „Wir haben hier kulturelle Werte, die andere Länder wie Abu Dhabi, wie wir gerade sehen, erst einkaufen müssen. Wir haben alles in öffentlichem Eigentum und sollten es mehr schätzen.“ In Frankfurt, wo er mit seinem Partner wohnen wird, steht als neues Projekt eine Ausstellung im Jahr 2019 über den Maler Vincent van Gogh als Herausforderung an.

Seit 2017 ist Alexander Eiling Kurator für Werke ab 1800 an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Er wurde 1974 in Frankfurt am Main geboren, seine Mutter war Angestellte, sein Vater Richter. Zunächst studierte er Jura, dann Kunstgeschichte und Skandinavistik in Edinburgh. Er erwarb den Doktortitel in Frankfurt mit einer Arbeit über Expressionismus. Vor der Karlsruher Zeit war er Kurator am Wilhelm Hack-Museum Ludwigshafen. Im Februar 2018 wird Eiling Sammlungsleiter Kunst der Moderne (1800 – 1945) am Städel Museum Frankfurt.