Einen renommierten Kabarettpreis vergibt die Stadt Tuttlingen in Form einer Krähe. Auch anderswo sind Tiere auffallend häufig namensgebend für Auszeichnungen in Sachen, Witz Satire und Ironie. Vom Stier bis zur Lachmöwe. Nur im Badischen spart man mit solcher Kleinkunstförderung. | Foto: Stadt Tuttlingen

Von Krähen, Stier und Zeck

Tierisches für Kabarettisten

Was haben die Tuttlinger und die Krefelder Krähe gemeinsam? Bei Tierschützern muss diese Frage keine besorgten Blicke auslösen. Es handelt sich nicht um bedrohte Vögel, deren Lebensraum in Schwaben wie im Rheinland durch unsere ausufernden pflanzelosen Steingärten bereits zerstört wäre. Diese Krähen sind noch nicht im Anflug auf die Rote Liste. Sie werden an ihren Standorten sogar gut behandelt. Obwohl viele Künstler Jagd auf die Exemplare machen. Denn diese Vögel gehören zur Gattung der Kabarett-Tiere. Wie der Salzburger Stier. Jenes Urviech im Wert von 6 000 Euro löst beim alljährlichen Auftrieb viel Heiterkeit aus. Stier wie Krähen sind Auszeichnungen für Witz, Satire und Ironie.

Preise sollen originelle Namen haben

Wer einen Kabarettpreis an freche Wort- oder Tonkünstler vergibt, der möchte seiner Trophäe einen möglichst originellen Namen geben. Und dafür eignen sich Tiere offenbar ausgezeichnet. Wie die Fische „Wilhelmshavener Knurrhahn“ und „Mindener Stichlinge“, der „Reinheimer Satirelöwe“ oder das „Schwarze Schaf Duisburg“ als Auszeichnung belegen. Etwas weniger fröhlich trabt der „Gaul von Niedersachsen“ mitsamt seinem „Fohlen“ (natürlich ein Nachwuchspreis) in der großen Tierschau mit. Neuerdings befällt übers Internet der „Zeck“ die Szene. Mit dem Unterpreis namens – Achtung Wortspiel – „Sound Zeck“ für Musiker.
Wo es tierisch schwer ist, einen tollen Namen zu finden, greifen Preisstifter auf Pflanzen und Essbares zurück: Der „Kabarett Kaktus“ (München) darf nicht fehlen und den „Leipziger Löwenzahn“ pflückt man gern. Zur „Goldenen Weißwurscht“, die hoffentlich vor dem Mittagsläuten überreicht wird, passt sogar der „Herborner Schlumpeweck“. Falls nötig, kann man schließlich alles in die „St. Ingberter Pfanne“ hauen.
So viele schöne Preise gibt’s – und Werbung für die auslobenden Städte dazu.

Wo bleibt die Karlsruher Rheinschnake?

Nur im Badischen geizt man bisher mit solcher Kleinkunstförderung. Deshalb sollten sich Kulturämter endlich Gedanken machen. Welcher Kabarettpreis würde beispielweise zur Fächerstadt passen? Wie wäre es mit dem „Tunnelröhrling“ oder dem „Rohrkrepierer“? Als anzüglicheren Variante lockt der „Karlsruher U-Straps“. (Klingt immerhin erotischer als die „Lüdenscheider Lüsterklemme“.) Wenn sich gar nichts fände – bissige Tiere gehen immer: Also Vorhang auf für die „Karlsruher Rheinschnake.“ Dieser Preis würde selbst die „Heiligenhafener Lachmöwe“ amüsieren.