Ideen aus dem Land des Weltmeisters: Der US-Amerikaner Chris Lakeman (37) ist neuer Chefcoach bei der Kunstturn Region Karlsruhe (KRK). | Foto: Spitz

Impulsgeber aus den USA

Chris Lakeman – der neue Cheftrainer bei der Kunstturn Region Karlsruhe

Sein erster Eindruck von Deutschland? „Es ist kalt hier“, sagt Chris Lakeman. Die Antwort kommt, wie aus der Pistole geschossen. Und sein zweiter? „Sehr kalt“, meint er und lacht. Was Wunder, verbrachte Lakeman, der seit dem 1. Januar neuer Cheftrainer der Kunstturn Region Karlsruhe (KRK) ist, Weihnachten doch noch mit seiner Verlobten und Hund „Moose“ an einem Strand an der Nordküste Australiens. Wenig später ging’s dann vom tropisch warmen Tauchparadies Cairns im Flieger Richtung Europa – und seit der Ankunft in Karlsruhe versuchen sie nun langsam, sich an die ungewohnte Kälte zu gewöhnen. „Vor allem Moose, ein waschechter Australier, bibbert gewaltig“, erzählt der 37-jährige US-Amerikaner Lakeman schmunzelnd. Bei der KRK hat er einen Vertrag bis 2020 unterschrieben.

Vom Umfeld in Karlsruhe begeistert: Es ist „great“

Eine seiner ersten Aufgaben führte ihn nach Frankfurt zum Deutschen Turnerbund (DTB). „Ich hatte gleich die Gelegenheit, eine Woche mit unseren Bundesliga-Turnerinnen bei der Nationalmannschaft zu trainieren“, berichtet Chris Lakeman. Und dass er vom Umfeld im Karlsruher Rudi-Seiter-Turnzentrum sofort angetan gewesen sei: „Ich bin jetzt erst ein paar Wochen hier, aber es ist ,great‘. Die Leute sind sehr, sehr nett. Ein großartiger Club. Einfach unglaublich.“

Chris Lakeman war 2001 US-Meister an den Ringen

Unter Lakeman, 2001 US-Meister an den Ringen, wird sich die „Schlagzahl“ im Training erhöhen. Seine ersten Erfahrungen hätten gezeigt, dass es im Trainingssystem große Unterschiede gebe zwischen den USA und Deutschland. Insbesondere bei der Anzahl der Wiederholungen. Beispiel Barren: Fünf Einheiten am Tag sind im Land des Weltmeisters und Olympiasiegers üblich. 14 bei der KRK – pro Woche. Allerdings sei die personelle Situation auch eine andere: „In den USA gibt es 80 Turnerinnen auf höchstem Level. In Deutschland derzeit nur 19, da muss man das ein wenig anders angehen.“

Er bringt viel zur Kunstturn Region Karlsruhe mit

„Amerika ist eine der besten Turnnationen der Welt. Chris bringt viel mit. Er wird die Entwicklung Schritt für Schritt voranbringen“, glaubt Lakemans Vorgängerin Tatjana Bachmayer. Dabei stehen die Sportlerinnen im Vordergrund. Nicht Resultate und Medaillen. Oder anders ausgedrückt: Hart arbeiten, ja. Aber Spaß und Abwechslung dürfen nicht zu kurz kommen. „Die Kinder und Jugendlichen müssen Freude an ihrer Aufgabe haben. Egal ob sie nur einen Handstand lernen oder zu den Olympischen Spielen wollen“, betont Chris Lakeman.

Der US-Amerikaner war zuletzt in Australien unter Vertrag

Lakeman  selbst hat mit dem Turnen erst als 14-Jähriger begonnen. Mit 15 sammelte er erste Trainererfahrungen. Von 2002 bis 2013 coachte der Mann aus Aurora/Illinois die South Florida Gymnastics. Dann wagte er den Schritt nach Australien. Zuletzt stand er bei den „Barron Valley Gymnastics“ in Cairns unter Vertrag.

Lakemans Philosophie: Hart arbeiten, aber mit Spaß

„Ich habe viele Trainer in meiner Laufbahn getroffen, die der Meinung waren, der Turnsport müsse sehr traditionell, russisch, sehr streng und manchmal sogar fies sein. Ich dagegen habe mich immer sehr bemüht, dass das Turnen mit mir auch Spaß macht“, so Lakemans Einstellung. „Das entspricht auch meiner Trainingsphilosophie“, verdeutlicht Lakemans Vorgängerin Tatjana Bachmayer. „Die Athletinnen müssen ihre Ziele verwirklichen. Wir helfen ihnen dabei.“

 

Im Rudi-Seiter-Turnzentrum wird die Arbeit jetzt auf mehrere Schultern verteilt. Der US-Amerikaner, der in Down Under durch eine Facebook-Anzeige auf die Trainersuche beim deutschen Vizemeister TG Karlsruhe-Söllingen (dem KRK-Bundesligateam) aufmerksam geworden ist, zeichnet für die sportlichen Belange verantwortlich.

Im Mai beginnt für Bundesligateam der Kunstturn Region Karlsruhe die Saison

Fehlen wird dem neuen KRK-Chefcoach zunächst Maike Enderle. Die Weingartenerin musste sich vor kurzem einer Fuß-Operation unterziehen. Ob sie beim ersten Wettkampf der Deutschen Turn-Liga (DTL) am 20. Mai schon zur Verfügung steht ist fraglich. Ab Sommer ist dann Pauline Tratz weg.“ Die 17-jährige Rintheimerin (2016 deutsche Meisterin im Sprung und Dritte am Boden) geht nach dem Abitur im Sommer in die USA. Zum Studieren und Turnen an der Universität Los Angeles  (UCLA). Neben Enderle bilden dann Leah Grießer, Emma Höfele (beide TG Neureut), Isabelle Stingl (TSV Rintheim) sowie die Jüngste im Bunde, Sidney Hayn (TV Knielingen), die KRK-Leistungsgruppe.

 

 

Die vormalige KRK-Cheftrainerin Tatjana Bachmayer kümmert sich nun um den „kreativen Teil“. Eigentlich wollte sie nach vielen erfolgreichen Jahren kürzertreten. Doch ein Nachwuchs-Projekt, das die Söllingerin für den Deutschen Turner-Bund betreute, veranlasste sie zum Umdenken: „Das machte so viel Spaß. Ich habe gemerkt, Turnen ist meine Leidenschaft und ich möchte nicht ganz aufhören.“ Klar geworden sei ihr dabei aber auch, „was mir zuletzt fehlte“, sagt Tatjana  Bachmayer: „Je näher es Richtung Olympische Spiele ging, umso enger wurde der Rahmen. Die Kreativität blieb auf der Strecke.“

Tatjana Bachmayer übernimmt den „kreativen Part“

Genau darauf, auf Tanzen oder Choreografie, will die ehemalige Leistungsturnerin nun ihr Augenmerk wieder verstärkt richten. „Da kann ich mithelfen“, meint Tatjana Bachmayer und fügt hinzu: „Ich sehe meine Aufgabe aber vorrangig darin, die KRK weiter voran zu bringen. Ich kann jetzt wieder gruppenübergreifend arbeiten. Ich habe viele Ideen und ich bin total motiviert.“

Athletinnen der Kunstturn Region Karlsruhe gut ausgebildet

Chris Lakeman indes ist über seine neuen Schützlinge voll des Lobes. „Sie sind sehr gut ausgebildet. Tatjana hat da einen super Job gemacht“, sagt er. „Da braucht es niemanden, der es besser, sondern etwas anderes macht. Deshalb hoffe ich, dass einige der Dinge, die ich kenne, den KRK-Turnerinnen etwas bringen.“ Und Tatjana Bachmayer hat „ein gutes Gefühl, dass es gut wird“.