Der in Köln lebende türkische Dokumentarfilmer Osman Okkan warnt vor möglichen Gewaltszenen beim Besuch Recep Tayyip Erdogans in der Domstadt.

Erdogan soll Moschee eröffnen

Sorgen vor Gewaltszenen in Köln

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Update: Die Stadt Köln hat der geplanten Großkundgebung die Genehmigung versagt.

Als ein „schönes und lebendiges Vorbild für Frieden“ preist auf Facebook die Türkisch-Islamische Union (Ditib) die geplante Feier in ihrer Zentralmoschee – und bittet die Besucher darum, keine Parolen zu skandieren oder unpassende Fahnen mitzubringen. Nichts soll schließlich den Ehrengast Recep Tayyip Erdogan verstören, der an diesem Samstag in Köln das imposante Gebetshaus mit einer 37 Meter hohen Kuppel feierlich eröffnen wird.

Der in Köln lebende Dokumentarfilmer Osman Okkan (Foto: dpa) hat jedoch starke Zweifel, dass es bei Erdogans Besuch friedlich zugehen wird. Er macht die Ditib und die türkischstämmigen Anhänger Erdogans verantwortlich für das vergiftete Klima in der Domstadt. „Die Polarisierung, die bewusst betrieben wird, ist zu groß, dass man sich an diesem Samstag völlig sicher fühlen könnte“, sagte den BNN der Vorsitzende des Kölner Vereins „KulturForum TürkeiDeutschland“. In Köln würden etwa 5.000 Polizisten eingesetzt werden, aber sie könnten nicht alles unter Kontrolle halten, glaubt Okkan: „Es ist zu befürchten, dass sich gewaltbereite Gruppen einmischen. Die Ausschreitungen würden aber nur Erdogan nützen“.

Der 71-Jährige galt einst in seiner türkischen Heimat als „Staatsfeind Nummer 1“, er lebt seit Mitte der 60er Jahre in Deutschland und geht nun mit Erdogan und seinen Fans hart ins Gericht: „Das demokratische Recht auf freie Meinungsäußerung wird missbraucht, wenn jemand gefeiert wird, der die Demokratie und Menschenrechte in seinem Land unterdrückt und Menschen willkürlich in Gefängnisse werfen lässt“. Okkan hält die Einladung zu einem Staatsbesuch für einen Fehler der Bundesregierung: „Der Prunk und Pomp für Erdogan in Berlin wirkt völlig deplatziert, die menschenfeindliche Politik des Präsidenten hat eine solche Aufwertung nicht verdient“.

Der Filmemacher findet es richtig, dass Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker aus Protest gegen die Ditib-Haltung ihre Teilnahme am Erdogan-Termin abgesagt hat. Auch der Vereinschef will am Samstag ein Zeichen setzen: mit einer friedlichen Demonstration und einem Lesemarathon im Stadtgarten. „Dort sollen Texte von verfolgten Autoren in der Türkei vorgelesen werden“, so Okkan.